Wenn etwas Gutes zum Götzen wird

Etwas Gutes

Als sich die Israeliten während ihrer Wüstenwanderung auf dem Weg zum Schilfmeer befanden, lehnten sie sich gegen Mose und Gott auf. Sie dachten nämlich, sie würden in der Wüste sterben. Daraufhin sandte Gott ihnen eine drastische Strafe in Form von giftigen Schlangen, die viele Israeliten dahinrafften. Nachdem das Volk bereut und Mose Fürbitte geleistet hatte, gab Gott ihm den Auftrag, eine bronzene Stange anzufertigen, die auf einem Stab platziert wurde. Jeder angeschlagene Israelit, der diese Schlange ansah, wurde wieder gesund (vgl. 4. Mose 21:4-9).

Offensichtlich war diese Schlange ein Gegenstand, den die Israeliten mit Heilung und Rettung verbanden. Sie assoziierten ihn mit dem eingreifenden Handeln Gottes, das vielen von ihnen das Leben schenkte. Diese Schlange war es wert, aufbewahrt zu werden.  

Ein Götze

Das taten die Israeliten auch. Allerdings wurde sie spätestens zu Zeiten des Königs Hiskia zu einem Objekt der kultischen Verehrung:

„Denn bis zu dieser Zeit hatten die Israeliten immer wieder Weihrauch vor ihr verbrannt. Man nannte sie Nehuschtan.“ 2. Könige 18:4

Nehuschtan bedeutet so viel wie Bronzenes. Nach allen Vorgaben Gottes war klar, dass das ein götzendienerischer Akt war (Artikel zum Thema Was ist Götzendienst?). Nur Gott allein sollte verehrt werden, kein anderer Gott sollte neben ihm stehen. Erst recht sollte kein Gegenstand das Objekt der Anbetung werden, auch wenn er in direktem Heilshandeln Gottes stand (2. Mose 20:2-4).

Dein Götze?

Ich denke, diese Begebenheit hat uns etwas zu sagen. Es gibt viele gute – und sogar heilige – Dinge im Leben, die zu wichtig werden können, zu zentral werden, zu viel den Platz einnehmen, der allein Gott gebührt. Wahrscheinlich sind es sogar fast immer an sich gute Dinge, von denen man erwartet, dass sie einen erfüllen oder „retten“ sollen: Essen, Beziehung(en), Sexualität, Leistung, Arbeit, Erfolg… diese Liste ließe sich beliebig fortführen.

Vielleicht sind es aber sogar auch gemeindliche bzw. gottesdienstliche Angelegenheiten, die einen wichtigeren Platz als Gott selbst bzw. seine Anbetung einnehmen. Das kann die Liedauswahl sein, die eigene Anerkennung für das Engagement in der Gemeinde, der Fokus auf die Anzahl der Menschen im Gottesdienst, die Gestaltung der Räumlichkeiten… auch diese Liste ließe sich fortführen.

Keines dieser Dinge ist an sich schlecht, im Gegenteil: eine gute Liedauswahl, die gegenseitige Anerkennung für Gemeindedienste, eine hohe Besucherzahl und ein schönes Gemeindehaus sind wertvolle Dinge. Wenn diese aber relevanter werden als Gott selbst, stimmt etwas nicht. Prüfe dich selbst: Gibt es etwas in deinem Leben, das dir wichtiger als Gott ist?

Zwei Lösungen

Hiskia, unter dem die bronzene Schlange verehrt wurde, war ein gerechter und gottesfürchtiger König. Er sorgte dafür, dass der Götzendienst in Juda weitestgehend ausgerottet wurde. Eine Möglichkeit in Bezug auf die bronzene Schlange wäre gewesen, sie einfach wegzuräumen. Solch einen erhabenen Gegenstand hätte er sicherlich fortnehmen und an einem sicheren Ort platzieren können. Das tat er aber nicht:

„Auch die Schlange aus Bronze, die Mose einst angefertigt hatte, schlug er in Stücke.“ 2. Könige 18:4

Das muss man sich einmal vorstellen! Hiskia zerstörte das Objekt, das Mose im Auftrag Gottes zur Rettung der Israeliten anfertigen ließ. War das zu übertrieben? Nicht für Hiskia. Ihm war es wichtiger, dass ein Zeichen gesetzt wurde, wem die Verehrung gebührte. Das war relevanter als die bronzene Schlange sorgfältig aufzubewahren.

Dies sollte uns lehren, was uns das Wichtigste sein sollte. Wenn du merkst, dass dich etwas an der Anbetung Gottes hindert, gibt es zwei Möglichkeiten. Tu es als Götzen hinfort und bewahre es so, dass es seinen rechtmäßigen Platz hat. Wenn das nicht funktionieren sollte: „zerstöre“ es für dich.

Der Gott, der für uns sein Leben gab, damit wir es gewinnen, verdient es:

„Und wie Mose damals in der Wüste die Schlange für alle sichtbar aufgerichtet hat, so muss auch der Menschensohn sichtbar aufgerichtet werden, damit jeder, der ihm vertraut, ewiges Leben hat.“ Johannes 3:14f

Avatar von Michael Klein

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