Ich wandte mich um, um die Stimme zu sehen, die zu mir sprach … Seine Augen waren wie eine Feuerflamme. (Offb 1:12–14)
Wie wird es sein, Jesus in die Augen zu sehen?
Du wirst ihm in die Augen schauen. Der Tag kommt. Bist du bereit für diesen atemberaubenden Augenblick? Welche Freude – oder welcher Schrecken – wird deine Seele erfüllen, wenn du endlich sein Angesicht siehst und in seine Augen blickst?
Diese Augen
Der Apostel Johannes muss auf der Insel Patmos von diesen Augen verfolgt worden sein – oder zumindest tief erschüttert. Dieser erste Blick in den verherrlichten Blick Jesu hat sich zweifellos unauslöschlich in seinen Verstand und seine Seele eingebrannt: zugleich furchteinflößend und überwältigend schön. Wie ein Feuer mit Licht und Hitze tanzt, lebendig zugleich von Wärme und Bedrohung, so haben Jesu Augen Johannes so tief geprägt, dass er in der Offenbarung dreimal besonders auf sie aufmerksam macht.
Im ersten Kapitel erklingt hinter ihm eine laute Stimme wie eine Posaune. „Ich wandte mich um, um die Stimme zu sehen, die zu mir redete … Seine Augen waren wie eine Feuerflamme“ (Offb 1:12–14). Ein Kapitel später erinnert Johannes in dem Sendschreiben an Thyatira erneut an diese Augen: Jesus ist „der Sohn Gottes, der Augen hat wie eine Feuerflamme“ (2:18). Und dann noch einmal in Offenbarung 19: Jesus, genannt „Treu und Wahrhaftig“, sitzt auf einem weißen Pferd, richtet gerecht und führt Krieg (V. 11). Was sieht Johannes? „Seine Augen sind wie eine Feuerflamme, und auf seinem Haupt sind viele Diademe“ (V. 12).
In diesem apokalyptischen Stil will Johannes nicht, dass wir das wörtlich verstehen und uns Jesus mit glühenden Kohlen als Pupillen vorstellen. Diese Visionen weisen auf Wirklichkeiten hin, die sich einer konkreten Beschreibung entziehen. Jesu Augen stehen nicht buchstäblich in Flammen; sie sind wie eine Feuerflamme – ebenso wie sein Haar weiß ist wie Wolle und Schnee, seine Füße wie glänzendes Erz und seine Stimme wie das Rauschen vieler Wasser.
Was also werden wir sehen, wenn wir in die Flamme von Jesu Augen blicken?
Augen, die alles sehen
Erstens bedeutet das Feuer in seinen Augen, dass er alles sieht. Der auferstandene, verherrlichte Gottmensch besitzt nun ein göttlich durchdringendes Sehvermögen. Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, keine Tat bleibt ungesehen. Alles liegt nackt und aufgedeckt vor seinem durchdringenden Blick (Hebr 4:13). Er sieht und kennt alles – in jeder Nation, in jeder Gemeinde, in jedem Herzen. Er weiß, wer treu ist und wer untreu. Er weiß genau, wessen Herz ihm gegenüber weich ist und wessen Herz hart wie Diamant.
In der Vision aus Offenbarung 5 hat das Lamm – einst geschlachtet, jetzt in der Kraft der Auferstehung stehend – sieben Hörner, die Fülle königlicher Macht, und sieben Augen, die Fülle göttlicher Allwissenheit und Weisheit (V. 6). Nichts entgeht seinem Blick und seiner Einsicht. Er sieht und kennt nicht nur alles, sondern er sieht und kennt alles vollkommen – ohne jeden Irrtum oder Fehlurteil. Sein durchdringender Blick ist rein und vollkommen und führt zu unfehlbarer Unterscheidung.
Augen des Zorns – und der Trauer
Das Kriegspferd unter ihm offenbart einen weiteren Aspekt seines Blickes (Offb 19:12). Die Flammen in seinen Augen sind „ein verzehrendes Feuer“ (Jes 29:6), das „verzehrende Feuer“ Gottes selbst, das seine Feinde und die Feinde seines Volkes vernichten wird (5Mo 4:24; Hebr 12:29). Für die Gottlosen blitzt im Feuer von Jesu Augen der Schrecken seines kommenden gerechten Gerichts auf.
Heiliger Zorn ist seinen Augen nicht fremd. In den Tagen seines irdischen Lebens blickte Jesus mit Zorn auf die verschlagenen Gottlosen, während er zugleich mit Trauer ihre Herzenshärte sah. Markus, der Jesu Blicken besondere Aufmerksamkeit schenkt, hält diesen entscheidenden Moment fest. Am Sabbat begegnet Jesus einem Mann mit einer verdorrten Hand. Die Pharisäer beobachten ihn mit anklagenden Blicken. Jesus fragt sie: „Ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses zu tun, Leben zu retten oder zu töten?“ Als sie schweigen, „blickte er sie ringsumher an mit Zorn, betrübt über die Verstockung ihres Herzens, und sprach zu dem Menschen: ‚Strecke deine Hand aus!‘ Und er streckte sie aus, und seine Hand wurde wiederhergestellt“ (Mk 3:4–5).
Hier lodern seine Augen in gerechtem Zorn – während er zugleich trauert. Diese feigen Pharisäer bringen es nicht fertig, die offensichtliche Antwort auf seine Frage zuzugeben. Lieber verharren sie in ihrer Sünde, als Buße zu tun. Ihre Herzen sind entblößt worden, nicht nur ihre gesetzliche Engstirnigkeit. Und auf solche verschlagenen, hartherzigen Männer blickt Jesus mit heiligem Zorn über ihre Taten, während er zugleich mit Trauer auf ihren Unglauben sieht.
Augen, die von Liebe leuchten
Immer aufmerksam für Jesu Blick, berichtet Markus auch von der Barmherzigkeit in seinen Augen. Als eine chronisch kranke Frau in der Menge Jesus von hinten berührt, schaut er sich um, um zu sehen, wer es getan hat (Mk 5:32). Die Frau fürchtet seinen Zorn und fällt zitternd vor ihm nieder. Doch sie ist keine Pharisäerin. Als sie den Kopf hebt und in sein Gesicht blickt, muss sie die Zuneigung in seinen Augen gesehen haben, als er ihr zuspricht: „Tochter, dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden und sei geheilt von deiner Krankheit“ (Mk 5:34).
Jesus blickt mit Liebe auf den gedemütigten, bußfertigen Sünder. Seine Augen sind erfüllt von Erbarmen angesichts einer großen, hungrigen Menschenmenge, angesichts der geplagten und hilflosen Massen (Mt 9:36; 14:14; Joh 6:5). Doch vielleicht bleiben die überraschenden Augen Jesu gegenüber dem reichen jungen Mann am eindrücklichsten. Markus berichtet, dass der Mann zu Jesus lief, vor ihm niederkniete und fragte, was er tun müsse, um das ewige Leben zu erben. Jesus konfrontierte ihn mit dem Gesetz (dem Gesetz des Mose). Naiv antwortet der Mann: „Lehrer, das alles habe ich befolgt von meiner Jugend an“ (Mk 10:20). Unmöglich. Wir erwarten das Auflodern des Zorns, den Jesus gegenüber hinterlistigen Pharisäern zeigt. Doch er sieht keine Falschheit: „Jesus blickte ihn an und gewann ihn lieb“ (Mk 10:21). O, diese Liebe in den Augen Jesu zu sehen! Und doch geht der reiche Mann traurig davon. Welche seelenzerstörende Gefahr liegt in der Liebe zum Geld.
Doch denke nicht, dass Jesu Liebe und Erbarmen ihn in irgendeiner Weise weniger allmächtig machen. In Offenbarung 19 befindet sich über seinen durchdringenden Augen nicht nur eine einzelne große Krone, sondern „viele Diademe“. Er ist König über alle Könige, Herr über alle Herren, souverän über jede Autorität und Macht – eine Autorität, die er auch durch jenen folgenschweren Blick in die Augen des Petrus zeigt.
Augen, die Kraft geben
Johannes war nicht der einzige Apostel, der in einem unerwarteten Moment den überwältigenden Blick Christi erlebte. Wie viel hat Jesus Petrus wohl gesagt – ganz ohne Worte? Wer weiß (außer Jesus und Petrus selbst), was alles in diesem eindringlichen Blick über den Hof hinweg lag? Kam in diesem einen Augenblick alles zusammen – Erkenntnis, Warnung, Zorn, Trauer, Liebe, Macht?
Jesus hatte Petrus im Voraus gesagt, dass er ihn verleugnen würde. Zugleich sagte er: „Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du einst umgekehrt bist, so stärke deine Brüder“ (Lk 22:32). In derselben Nacht verleugnet Petrus seinen Herrn tatsächlich dreimal. Als das dritte Leugnen über seine Lippen kommt, kräht der Hahn. „Und der Herr wandte sich um und sah Petrus an“ (Lk 22:61).
Mindestens bewirkt dieser Blick, dass Petrus sich an Jesu Worte erinnert. Seine Vorhersage hat sich erfüllt. Petrus geht hinaus und weint bitterlich. Doch wie viel mehr als nur Enttäuschung muss in Jesu Augen gelegen haben! Anders als Judas nimmt sich Petrus nicht das Leben. Jesus hatte für ihn gebetet. Sein Blick ist nicht nur überführend, sondern auch stärkend. Mit Recht trauert Petrus über sein Versagen und seine Schwachheit. Doch nun, neu gedemütigt, hat er auch einen Auftrag von dem souveränen Christus, der alles sieht und alles weiß.
Der gnädige Blick Jesu trägt ihn. Der Glaube des Petrus hört nicht auf. In den Augen Jesu findet er neue Kraft, um seine Brüder zu stärken.
Blickkontakt mit Gott
Stell dir also diesen Augenblick vor, wenn du endlich das Angesicht Jesu siehst. Du „wirst sein Angesicht sehen“ (Offb 22:4). Du wirst in seine Augen blicken – und sehen, wie seine Augen dich ansehen.
Er sitzt in Herrlichkeit auf dem Thron der Macht zur Rechten der Majestät. Seine durchdringenden, strahlenden Augen haben dich gefunden.
Was wirst du sehen und empfinden, wenn du in das Feuer seiner Augen blickst? Welch ehrfurchtgebietendes Wunder wird das sein! Welch ein Schrecken für den ungeschützten Sünder. Und welch reinigende, belebende, erschütternde und zugleich erfüllende Freude für die, die ihn lieben, ihn anbeten und wissen, dass sie durch ihn gerettet sind.
Wie wird es sein, Jesus in die Augen zu sehen?
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr Ressourcen von Desiring God.
















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