Wenn Kleidung nach Aufmerksamkeit schreit

Wenn Kleidung nach Aufmerksamkeit schreit
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Es ist Januar in Minneapolis. Wir frieren. Es erscheint unpassend, über Keuschheit zu sprechen. Aber manchmal sind Gespräche außerhalb der Saison genau der richtige Zeitpunkt, um solche Fragen zu bedenken. Außerdem spricht Gott über Keuschheit – und deshalb ist dieses Thema eigentlich nie unpassend.


Die heutige Frage kommt von einer ehrlichen, anonymen Podcast-Hörerin:

„Pastor John, danke für deinen Podcast und deine Ehrlichkeit. Also will ich auch ehrlich sein. Ich bin eine 22-jährige, unverheiratete Frau und sehr fixiert auf mein äußeres Erscheinungsbild und darauf, wie hübsch mich andere finden. Gott wirkt definitiv an mir, denn ich kaufe längst nicht mehr so viele Kleider oder andere materielle Dinge wie früher. Und er bewirkt in mir das Verlangen, mich keusch zu kleiden. Trotzdem mache ich mir immer noch viele Gedanken über mein Aussehen und finde es schwer, bescheidene Kleidung zu kaufen, weil ich freizügige Kleidung für attraktiver halte. Ich vertraue mehr auf mein Aussehen, um einen Ehemann zu finden, als auf Gott – und ich denke, das ist das eigentliche Problem. Ständig wünsche ich mir Komplimente, und wenn ich eines bekomme, wird mein Ego genährt. Wenn ich keins bekomme, dann verlangt mein Ego nach Aufmerksamkeit. Ich hasse es, mich selbst und andere nach dem Erscheinungsbild zu beurteilen. Es ist ermüdend, widerlich und dem Herrn nicht wohlgefällig. Ich möchte nicht wie die Frau aus Jesaja 3:16–26 sein. Kannst du mir helfen, zu lernen, mich auf die Schönheit des Herzens zu konzentrieren und Gott allein zu vertrauen?“

Eine Sache, die uns unsere 22-jährige Freundin nicht sagt, ist, womit sie ihre Augen nährt. Dazu möchte ich vorsorglich Folgendes sagen: Ein Strom von Bildern, der die Sinnlichkeit reizt, muss gestoppt werden. Wenn du Stunden damit verbringst, dir im Fernsehen, in Filmen oder Videos sexuelle Reize anzuschauen, gibt es kaum eine Chance, frei von der Knechtschaft zu werden, sich selbst sexuell reizend zu kleiden.

Und ja – es ist tatsächlich eine Knechtschaft. Du hast sie zu Recht so genannt. Dieses Verlangen wird in nahezu jeder Werbung und in fast allen Medienformaten ständig genährt und verstärkt, offen oder subtil. Und gerade dann, wenn du denkst, du hättest ein Programm gefunden, das dieses Verlangen nicht anstachelt, kommt diese eine Szene – und monatelange Arbeit im Kampf gegen die Sünde ist in einem einzigen Moment zunichtegemacht.

Hüte deine Augen

Lass uns die Worte Jesu nehmen und sie auf Frauen beziehen. Ich weiß nicht, wie viele Frauen das tatsächlich tun, aber diese Worte verdienen unsere volle Aufmerksamkeit. Männer müssen diese Stelle nicht erst umformulieren, um sie auf sich anzuwenden – sie richtet sich ganz direkt an uns.

Frauen jedoch sollten genau das tun: die Worte Jesu aus Matthäus 5:27–29 nehmen und sie sprachlich so auf sich beziehen, dass sie ihr eigenes Herz ansprechen. Tony würde mir da zustimmen, denke ich. Denn die Fragen, die uns bei Ask Pastor John erreichen, zeigen klar: Frauen kämpfen genauso wie Männer mit massiver sexueller Versuchung.

So könnte Jesus heute sprechen:

„Ihr habt gehört, dass gesagt ist: ‚Du sollst die Ehe nicht brechen.‘ Ich aber sage euch: Jede Frau, die einen Mann begehrlich ansieht – oder eine Frau in einem sexuell aufreizenden Outfit betrachtet, oder eine Kuss-Szene in einem Film sieht, oder in einem Roman von sexuellem Verkehr liest oder ihn in einem Hörbuch hört –, jede Frau, die irgendetwas tut, das Begierde weckt, hat in ihrem Herzen bereits Ehebruch begangen. Und wenn dein rechtes Auge dich zur Sünde verführt, dann reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist besser für dich, eines deiner Glieder zu verlieren, als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen wird.“

Jesus ist hier zu Frauen genauso schonungslos klar wie zu uns Männern. Diese Worte gelten Männern und Frauen gleichermaßen.

Wenn Jesus sagt: „Reiß dein Auge aus“, meint er letztlich, dass wir aufhören sollen, über unsere Augen Begierde in unser Herz hineinzulassen. In unserer Kultur mag es unmöglich sein, jedem anstößigen Anblick auszuweichen. Aber es ist sehr wohl möglich, Dutzende solcher Eindrücke bewusst von unseren Augen fernzuhalten. Es ist möglich, unsere Augen auf das zu richten, was würdig, heilig und schön ist:

„Alles, was wahrhaftig ist, alles, was ehrbar ist, alles, was gerecht ist, alles, was rein ist, alles, was liebenswert ist, alles, was wohllautet – wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt –, darauf seid bedacht!“ (Phil 4:8)

Paulus sagt das nicht ohne Grund. Dahinter steht ein simples Prinzip: Müll rein, Müll raus. Oder zugespitzt: Sexuelles rein, Sexuelles raus. Das Prinzip lautet: Finde heraus, was deine Begierde reizt – und stoppe es.

Das Grundproblem

Unsere Podcast-Hörerin sagt, dass sie immer noch großen Wert auf ihr Aussehen legt und es ihr schwerfällt, sich keusch zu kleiden, weil Freizügigkeit attraktiver sei. Ja, natürlich ist Freizügigkeit sexy. Aber die entscheidende Frage lautet: Warum willst du deinen Körper jedem Vorübergehenden zeigen?

Sie beantwortet diese Frage teilweise selbst:
„Ich vertraue mehr auf mein Aussehen, um einen Ehemann zu finden, als auf Gott.“

Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass das der Kern des Problems ist. Es gibt verheiratete Frauen, die verheiratet bleiben wollen und sich trotzdem öffentlich freizügig kleiden. Und es gibt viele ledige Frauen, die gar nicht vorhaben, in absehbarer Zeit zu heiraten, sich aber dennoch unkeusch kleiden.

Der Wunsch nach einem Ehemann ist also nicht das eigentliche Grundproblem. Aber weil sie dieses Thema selbst anspricht, möchte ich dazu etwas sagen: Der Mann, den du durch sexuelle Ausstrahlung anziehst, ist nicht der Mann, den du heiraten willst. Ich sage es noch einmal: Der Mann, den du durch Sexiness anziehst, ist nicht der Mann, den du heiraten willst.

Denn Jesus sagt genau diesem Mann, den du heiraten möchtest, dass er sich lieber das Auge ausreißen soll, als dich anzuschauen, wenn du dich freizügig kleidest. Das wird nicht funktionieren. Das wird nicht funktionieren.

Attraktivität ist Macht

Natürlich ist Sexiness Macht. Und damit kommen wir dem eigentlichen Problem näher. Viele Frauen wissen, dass sie Macht ausüben können, wenn sie mehr Haut zeigen. Aber genau hier liegt der Punkt: Attraktivität hat Macht – wenn dein Ziel ist, einen Mann anzuziehen, der von seinen Hormonen statt von seinem Herzen geleitet wird.

Darf ich hier einmal Klartext reden? Sexuelle Ausstrahlung hat umso mehr Macht, wenn dein Ziel ist, einen Mann in seiner Begierde zu packen und nicht in seiner Gottesfurcht. Das liegt doch auf der Hand.

Aber so willst du keinen Ehemann finden. Wirklich nicht. Vertrau mir – du bist 22 Jahre alt. Du bist im Alter meiner Tochter.

Die Sehnsucht nach Anerkennung

Ein Satz von ihr geht noch tiefer. Sie hat den Kern bereits erkannt:

„Ich halte ständig Ausschau nach Komplimenten. Wenn ich eines bekomme, wird mein Ego genährt. Wenn ich keins bekomme, verlangt mein Ego nach Aufmerksamkeit.“

Das ist genau richtig. Und das ist keineswegs nur ein Frauenproblem. John Piper ist dafür genauso anfällig wie jeder andere. Das ist zutiefst menschlich – und es liegt nahe am Kern dessen, was uns zu gefallenen Sündern macht.

Jesus sagt über die Pharisäer, dass sie von der Anerkennung anderer lebten – und er bezeichnet diese Haltung als tödlich. In Johannes 5:44 sagt er:

„Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt und nicht die Ehre sucht, die von dem alleinigen Gott kommt?“

Das ist einer der vernichtendsten Sätze für Menschen, die abhängig vom Lob anderer sind. Denn diese Abhängigkeit hindert sie daran, Jesus als Retter, Herrn und Schatz anzunehmen.

Wahre Schönheit

Paulus sagt in Römer 2:28–29, dass wahres Christsein nicht äußerlich ist, sondern innerlich – eine Sache des Herzens, gewirkt durch den Geist. Der entscheidende Satz lautet:

„Sein Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott“ (Röm 2:29).

Oh Gott, lass uns alle so sein. Das ist die Kernfrage des Lebens: Wo liegt unsere Hoffnung dieser Frau? Auf Annahme, Liebe, Bestätigung, Bedeutung und Zufriedenheit? Wo liegt sie wirklich?

Wenn wir über die Schönheit lesen, vor der Petrus warnt – diese äußere, oberflächliche Schönheit –, hören wir oft genau dort auf, wo es spannend wird. Petrus schreibt:

„Euer Schmuck soll nicht der äußere sein – Haarflechten und das Anlegen von Goldschmuck oder das Anziehen von Kleidern –, sondern der verborgene Mensch des Herzens im unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.“ (1Pet 3:3–4)

Und hier hören wir dann oft auf, doch wenn man weiterliest, dann heißt es:

„Denn so schmückten sich früher die heiligen Frauen, die ihre Hoffnung auf Gott setzten.“
„Ihr seid ihre Kinder, wenn ihr Gutes tut und euch durch nichts einschüchtern lasst.“ (1Pet 3:5–6)

Furchtlose Hoffnung auf Gott – das ist das große Verlangen von Männern und Frauen. Gott ist zehntausendmal größer als jeder Ehemann. Sein Blick der Gunst ist unendlich wertvoller als der flüchtige Blick irgendeines hormongetriebenen Mannes am Flughafen oder das Kompliment einer Frau, die sagt: „Tolles Outfit.“

Oh, wie wunderbar, erfüllend und bedeutungsvoll ist die Identität, die Gott uns in Jesus anbietet.

Ich wünschte, ich wüsste ihren Namen. Aber ich sage zu unserer ehrlichen 22-jährigen Freundin – stellvertretend für Tausende: Bitte den Herrn, dass das Folgende für dich zutiefst persönlich wird, ja, dass es dich in deiner ganzen Existenz erfüllt – auch in deiner Sexualität:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. … Weil du teuer bist in meinen Augen und wertgeachtet und weil ich dich liebe … Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir … jeden, der nach meinem Namen genannt ist, den ich zu meiner Ehre geschaffen, den ich gebildet und gemacht habe.“
(Jes 43:1, 4–5, 7)


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Jana Görzen. Mehr Ressourcen von Desiring God.

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