Wer braucht schon ein Glaubensbekenntnis?

Wenn man die Frage stellen würde: „Wer braucht ein Glaubensbekenntnis?“, würden viele wahrscheinlich antworten: „Wir nicht!“ Solche alten Dokumente werden oft bestenfalls als veraltet und schlimmstenfalls als bedeutungslos angesehen. Das mag die Mehrheitsmeinung im populären Evangelikalismus sein, aber das bedeutet nicht, dass sie richtig ist. Die Gemeinde bekennt immer ihren Glauben, ob sie sich dessen bewusst ist oder nicht. Die entscheidende Frage ist, ob diese Überzeugungen wirklich christlich sind. Ich möchte einige Wege aufzeigen, wie das Apostolische Glaubensbekenntnis uns hilft, das Christentum in einer biblischen Weise zu verstehen.

Es hilft uns, den christlichen Glauben zu formulieren

Schon der Begriff „Glaubensbekenntnis“ legt den Gedanken nahe, Glauben auszudrücken. Im einfachsten Sinne ist es eine Zusammenfassung dessen, was Christen glauben; historisch jedoch steckt mehr dahinter. Das lateinische Verb credo, von dem das Wort „Credo“ bzw. „Glaubensbekenntnis“ abgeleitet ist, trägt einen persönlich gefärbten Sinn. Deshalb beginnen mehrere bedeutende Glaubensbekenntnisse mit den Worten „Ich glaube an …“ – im Sinne eines Vertrauens auf bestimmte Wahrheiten. Das Apostolische Glaubensbekenntnis legt die Wahrheiten dar, die ein Mensch glauben muss, um Christ zu sein.

Martin Luther empfiehlt das Apostolische Glaubensbekenntnis mit den Worten: „Die christliche Wahrheit könnte unmöglich kürzer und klarer zusammengefasst werden.“ Die Herausforderung für die Gemeinde im einundzwanzigsten Jahrhundert besteht darin, es als Rahmen zu nutzen, um diese ehrwürdigen Wahrheiten, die für den christlichen Glauben wesentlich sind, in der Welt unserer Zeit zum Ausdruck zu bringen.

Es bietet ein Werkzeug zur Unterweisung im Glauben

Man hat mit einem Augenzwinkern, gesagt, das Apostolische Glaubensbekenntnis sei der Alpha-Kurs seiner Zeit gewesen. Das ist gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt. Aufeinanderfolgende Generationen haben jeweils eigene Hilfsmittel entwickelt, um die zentralen Lehren der Bibel darzustellen, doch das Apostolische Glaubensbekenntnis ist gewissermaßen ihre Mutter.

Das Buch von J. I. Packer, I Want to Be a Christian (1977), ist ein Beispiel dafür, wie das Glaubensbekenntnis auch in einer zeitgenössischen Gemeindesituation weiterhin als wirksames Lehrmittel dienen kann. Er nutzt es als Rahmen, um jeden darin enthaltenen Glaubensartikel zu entfalten – so, dass junge Christen das Wesentliche verstehen, und zugleich Hinweise für diejenigen erhalten, die tiefer graben möchten.

Auf einer noch einfacheren Ebene hat auch das Auswendiglernen des Glaubensbekenntnisses und sein öffentliches Sprechen nach wie vor großen Wert, insbesondere in einer Zeit, in der das Auswendiglernen von irgendetwas als überholt gilt. In den Lehrplan dessen, was jedes Kind auswendig können sollte, gehört das Apostolische Glaubensbekenntnis neben die Bücher der Bibel, die Zehn Gebote und das Vaterunser als einer der grundlegenden Bestandteile.

Das Glaubensbekenntnis ist ein bemerkenswert vielseitiges Lehrmittel. Es eignet sich für Kinder, Suchende, Neubekehrte und für diejenigen, die erkennen, dass egal wie lange wir schon im Glauben stehen, vertraute Wahrheiten immer neue Tiefen bereithalten, die es zu entdecken gilt.

Es lässt uns auf das Herz des Glaubens konzentrieren

Es besteht immer die Versuchung, sich in den Details dessen zu verlieren, was die Bibel lehrt. Nirgendwo war das schädlicher als in der Gemeinde in Korinth, und Paulus’ Reaktion auf ihre Ablenkung ist zeitlos. Er erinnert sie an das, was er ihnen von Anfang an gelehrt hatte: „Denn ich habe euch zuallererst überliefert, was ich auch empfangen habe …“ (1. Kor. 15:3). Hier stehen die zentralen Lehren, die das Fundament des christlichen Glaubens bilden.

So führt uns das Glaubensbekenntnis, indem es die Summe des rettenden Wissens für die frühe Kirche zusammenfasst, in erster Linie zum Gott der Bibel in all seiner Einzigartigkeit und Herrlichkeit. Seine Einzigartigkeit liegt darin, dass er ein dreieiniger Gott ist, und seine größte Herrlichkeit zeigt sich in der Rettung, die er zu einem so außergewöhnlichen Preis durch seinen eigenen Sohn bereitstellt. Und so bringt uns das Glaubensbekenntnis heute, in einer Zeit, in der das evangelikale Christentum rasch die Orientierung verliert, zurück zum Herzen sowohl des Evangeliums als auch des Glaubens: nämlich zu Gott selbst.

Es bewahrt das Evangelium vor Verzerrungen des Glaubens

Historisch gesehen hatten Glaubensbekenntnisse eine doppelte Funktion: Sie dienten sowohl als Fundament als auch als Schutzzaun. Als Fundament wirken sie insofern, als sie das Wesentliche dessen zusammenfassen, was ein Mensch für Leben und Heil wissen muss. In diesem Sinn bilden sie die Grundlage dessen, was eine wahre Gemeinde ausmacht.

Die traurige Realität ist jedoch, dass die Kirche nicht nur von außen, sondern häufiger noch von innen durch Verzerrungen dieser Lehre geplagt wurde. Deshalb wurden Glaubensbekenntnisse formuliert, um als Schutzzaun zu dienen und die Kirche vor solchen Abweichungen zu bewahren. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist besonders darauf ausgerichtet, einen Schutzwall um das eigentliche Herz des Evangeliums zu ziehen.

Es zeigt die Notwendigkeit persönlichen Glaubens

Vielleicht ist die größte Bedrohung für die Gemeinde und für die Lehren, auf denen sie in jeder Generation steht, die Gefahr, in einen bloßen Namenschristentum (Nominalismus) abzugleiten. Paulus warnt Timotheus, dass die letzten Tage dadurch gekennzeichnet sein werden, dass Menschen (innerhalb der Gemeinde) „eine Form der Frömmigkeit“ haben, deren Kraft aber verleugnen (2. Tim. 3:5). Vor solchen Menschen warnt er in denkbar scharfen Worten.

Diese Gefahr lauert besonders subtil in reformierten Kreisen, wo wir dazu neigen, großen Wert auf Gelehrsamkeit und theologische Präzision zu legen. Das kann ein Paradies für genau die Art von Menschen sein, vor denen Paulus warnt, besonders für jene, die Freude an Streitfragen haben. Das Wesen eines authentisch reformierten Christentums liegt jedoch in seinem Anliegen um eine echte, gelebte Glaubenserfahrung. Wie Paulus an anderer Stelle sagt, soll alle Wahrheit zur Gottesfurcht führen (Tit. 1:1).

Die ersten drei Worte des Glaubensbekenntnisses verankern diese Überzeugung im Zentrum der Wahrheiten, die es anschließend bekennt. Nur indem wir unseren Glauben an diesen Gott und an alles, was er getan hat, bekennen, können wir ihn wirklich erkennen, zusammen mit all den Wohltaten, die er im Evangelium verheißt, durch echten, persönlichen Glauben. Darum brauchen wir das Glaubensbekenntnis auch heute noch!


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Banner of Truth. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler.
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