Wie attraktive Frauen ihre Schönheit missbrauchen

Ein Interview mit John Piper


Audio-Transkript

Heute betrachten wir Frauen und Schönheit in einer Selfie-Kultur – insbesondere, wie weibliche Schönheit missbraucht wird. Und wir kommen darauf über diese Frage von Lisa, die nach einem Vers in unserer dieswöchigen Bibellesung fragt – einem Vers, der bisher noch nie im Podcast behandelt wurde: Sprüche 11:22.

„Pastor John, hallo, und vielen Dank, dass Sie meine Frage beantworten. Als Frau, die in einer Kultur lebt, die stark auf äußere Schönheit fokussiert ist, finde ich Sprüche 11:22 auffällig und herausfordernd: „Wie ein goldener Ring im Rüssel einer Sau ist eine schöne Frau, die keinen Anstand hat.“ Können Sie die Bedeutung hinter dieser Metapher erklären? Warum vergleicht die Schrift eine schöne Frau ohne Anstand mit einem Schwein mit einem goldenen Ring? Was genau bedeutet in diesem Kontext das Fehlen von Anstand? Und persönlicher gefragt: Wie kann ich erkennen, ob ich äußere Schönheit über gottgefälligen Charakter stelle? Welche praktischen Schritte kann ich unternehmen, um mein Herz davor zu bewahren, der Versuchung zu erliegen, mich auf das Äußere zu fokussieren und dabei Weisheit und Anstand zu vernachlässigen?“

Schönheit und Gott gefallen

Nun, das ist ein auffälliger Vers: „Wie ein goldener Ring im Rüssel einer Sau ist eine schöne Frau, die keinen Anstand hat.“ (Sprüche 11:22). Er ist nicht nur auffällig, er ist widerlich – und ich denke, das ist auch so beabsichtigt. Schweine waren im alten Israel nicht nur rituell unrein (zum Beispiel durfte Israel keinen Schinken oder Bacon essen); sie waren auch, und sind es bis heute, berüchtigt schmutzige Tiere. Sie lieben Schlamm. Sie stecken ihre Gesichter in den Brei, während sie fressen. Dass das Wort „Schwein“ ein extrem abwertendes Wort ist, ist kein Zufall.

Andererseits ist ein goldener Ring schön. Er ist aus Gold. Gold ist kostbar. Es ist teuer. Ringe wurden auf ehrenvolle Weise zur Verschönerung verwendet. Zum Beispiel steckte Abrahams Diener, wie ihr euch erinnert, Rebekka einen goldenen Ring auf die Nase, um sie zu ehren und zu feiern, dass Gott seinen Weg gesegnet hatte, eine Frau für Isaak zu finden. Und der Vergleich, den der Schreiber dann macht, ist folgender: Der goldene Ring voller Schönheit, Ehre und Wert ist wie die äußere Schönheit einer Frau. Das ist der Vergleich. Der goldene Ring steht für die körperliche Schönheit einer Frau. Mit anderen Worten: Es ist etwas Gutes. Das ist das Erste, was man sagen sollte: Es ist etwas Gutes. Schönheit ist nicht schlecht.

Zum Beispiel werden Esther und Abigail beide als vernünftig und schön beschrieben (Esther 2:7; 1. Samuel 25:3). Wenn Gott einen Mann gutaussehend und eine Frau schön gemacht hat, müssen sie sich dafür nicht entschuldigen. Es ist ein freies, unverdientes Geschenk. Jeder sollte darüber nachdenken. Wir kommen auf die Welt, und sie schuldet uns nichts: wie wir geboren wurden, wer unsere Eltern waren. Und Schönheit ist nicht nur ein Geschenk, sie ist auch gefährlich – genau wie es ein Geschenk und eine Gefahr sein kann, unscheinbar oder schlicht zu sein. Alles hängt davon ab, was wir mit unseren Gaben machen. Wir können Gott gefallen und Menschen durch Schönheit segnen (und ja, auch durch Unscheinbarkeit – ja, das geht; ich habe es gesehen). Oder wir können eingebildet und sinnlich mit unserer Schönheit sein, und selbstmitleidig und nachlässig mit unserer Unscheinbarkeit.

Gutes Aussehen und schlechtes Aussehen sind einfach nicht das Wichtigste. Sie sind nicht entscheidend für ein gottgefälliges Menschsein. Und ich denke, dieser letzte Punkt – „Sie sind nicht entscheidend für ein gottgefälliges Menschsein“ – ist es, worauf Sprüche 11:22 hinauswill: „Wie ein goldener Ring im Rüssel einer Sau ist eine schöne Frau, die keinen Anstand hat.“ Mit anderen Worten: Wenn Gott dir die Gabe körperlicher Schönheit gegeben hat und diese Schönheit nicht im Dienst der Gottesfurcht steht, dann hätte sie ebenso gut einem Schwein gegeben werden können. Anders gesagt: Die Schönheit wird an dir verschwendet, so wie ein goldener Ring an einem Schwein verschwendet ist. Der Weg, körperliche Schönheit nicht zu verschwenden, besteht darin zu erkennen, dass sie auf moralische und geistliche Schönheit hinweisen soll.

Anstand und Gottesfurcht

Das Wort, das mit Anstand (ṭā‘am) übersetzt wird – „Wie ein goldener Ring im Rüssel einer Sau ist eine schöne Frau, die keinen Anstand hat.“ – wird oft auch mit Geschmack übersetzt. Anstand zu haben bedeutet also, einen unterscheidenden, feinen Geschmack zu besitzen – nicht nur beim Essen, sondern auch im Auftreten, in der Kleidung, im Schmuck, im Verhalten. In Psalm 119:66 wird das Wort mit „gutes Urteilsvermögen“ übersetzt. In Sprüche 26:16 bezeichnet es die Fähigkeit, mit vernünftiger Weisheit zu antworten. Und wir wissen: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit“ (Sprüche 9:10).

Die Furcht des Herrn ist die Wurzel und das Herz von Anstand, Unterscheidungskraft und gutem Urteilsvermögen. Wenn also Sprüche 31:30 sagt: „Anmut täuscht und Schönheit vergeht, doch eine Frau, die Jahwe ehrt, werde gelobt!“, dann verstehen wir: Was körperliche Schönheit davor bewahrt, eitel, leer, nutzlos oder verschwendet zu sein, ist der Anstand, der in der Furcht des Herrn verwurzelt ist. Alle Schönheit in der Welt soll die Aufmerksamkeit auf die Schönheit unseres Schöpfers lenken – und in geringerem Maß auch auf die Schönheit des gottesfürchtigen Charakters seiner Kinder.

Schweine hingegen wissen nicht, was sie mit einem goldenen Ring in ihrer Schnauze anfangen sollen. Sie wissen nichts damit anzufangen – genauso wie gottlose Frauen ohne Anstand nicht wissen, was sie mit ihrer äußeren Schönheit anfangen sollen. So steckt ein Schwein seine Schnauze mit dem schönen Ring in den Schlamm und in den Fraß, der ihm als Nahrung hingeworfen wird. Und ebenso missbrauchen Frauen ohne Besonnenheit, Gottesfurcht und Weisheit ihre äußere Schönheit. Sie machen sie schmutzig. Sie benutzen sie, um ihr schwaches Ego mit Sinnlichkeit aufzupolstern. Sie benutzen sie, um Macht über unwürdige Männer auszuüben. Sie benutzen sie, um ihr Bedürfnis nach Überlegenheit über andere Frauen zu befriedigen. Oder noch schlimmer: Sie prostituieren sich und werfen Gottes gutes Geschenk der Schönheit weg.

Der Hauptpunkt, denke ich, ist klar: Äußere Schönheit an sich ist nicht entscheidend für ein gottgefälliges Menschsein. Körperliche Schönheit ist ein Geschenk Gottes, und alles hängt davon ab, was man damit macht. Wenn du aber wie ein Schwein ohne Anstand, Weisheit, Frömmigkeit und Gottesfurcht bist, dann wirst du deinen Ring der Schönheit in den Fraß stecken, den die Welt „Glamour“ nennt.

Gericht und Gottesverehrung

Gott hat eine ganz andere Sicht auf einen solchen Missbrauch. Höre diese ernsten Worte aus Jesaja 3:16–24:

„Das hat Jahwe gesagt: „Weil die Töchter Zions hochmütig sind, weil sie mit hochgereckten Hälsen dahergehen und aufreizende Blicke um sich werfen, weil sie mit trippelnden Schritten herumstolzieren, damit man das Klirren der Fußspangen hört, deshalb wird der Herr ihren Scheitel schorfig werden lassen, und Jahwe wird ihre Scham entblößen. An diesem Tag wird der Herr ihnen den Schmuck wegnehmen: das Knöchelgeklirr, die Sönnchen und Halbmonde am Hals, Ohrgehänge und Armspangen, Flatterschleier und Kopfbunde, […] Parfümfläschchen, […] Fingerringe und Nasenringe, […]“ Dann gibt es statt des Wohlgeruchs Gestank […]“

Gott hat uns gesagt, wie wir ein solches Gericht vermeiden können. Zum Beispiel heißt es in 1. Petrus 3:4: „Euer Schmuck“ – hier spricht er besonders die Ehefrauen, die Frauen, an – „sei der verborgene Mensch des Herzens mit dem unvergänglichen Schmuck eines sanften und stillen Geistes, der vor Gott sehr kostbar ist.“ Und in 1. Timotheus 2:9–10: „Ebenso will ich, dass die Frauen sich anständig kleiden und sich mit Schamgefühl und Zurückhaltung schmücken. Sie sollen […] durch gute Werke [auffallen]. Das ist der Schmuck von Frauen, die Ehrfurcht vor Gott haben.“

Körperliche Schönheit ist also ein Geschenk Gottes; alles hängt davon ab, wie sie verwendet wird. Sie ist nicht entscheidend für ein gottgefälliges Menschsein. Sie soll dieses Menschsein schmücken und auf eine weit größere Schönheit hinweisen: die Schönheit der Frömmigkeit, der Furcht des Herrn, des Glaubens an Jesus Christus und der gehorsamen Hingabe an ihn.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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