Logische Wahrheiten
Wie Jesus die Prophetie in den Psalmen erfüllte, ist eine Fallstudie zur Auferstehung.
„David nämlich sagt von ihm“ – das heißt von Jesus Christus – die Worte aus Psalm 16:8–11, die die leibliche Auferstehung Christi prophezeien (Apostelgeschichte 2:25–28). Aber was bedeutet das – was kann es überhaupt bedeuten – dass David, ein Jahrtausend vor Jesus, Worte über Jesus Christus spricht?
Oder allgemeiner gefragt: Was meinen wir, wenn wir sagen, dass Jesus Christus Prophezeiungen erfüllte, die viele Jahre vor seinem menschgewordenen Leben auf der Erde gegeben wurden? In den Psalmen gibt es etliche Beispiele, in denen die neutestamentlichen Autoren behaupten, dass Ereignisse im Leben Jesu Prophezeiungen erfüllen, die viele Jahrhunderte zuvor gegeben wurden. Beispiele sind (a) was mit den Kleidern Jesu bei der Kreuzigung geschieht (siehe Psalm 22:18, ausdrücklich als erfüllt bezeichnet in Johannes 10:24); (b) dass er von einem engen Freund verraten wird (siehe Psalm 41:9, zitiert in Johannes 13:18) und dass die Stellung dieses Freundes von einem anderen eingenommen wird (siehe Psalm 109:8, zitiert in Apostelgeschichte 1:20); (c) dass er auffahren wird (siehe Psalm 68:18, zitiert in Epheser 4:8); (d) dass ihm bei seinem Tod saurer Wein zu trinken gegeben wird (siehe Psalm 69:21, zitiert in Johannes 19:28–29); (e) dass er wie der Stein sein wird, den die Bauleute verwerfen, der sich aber als der Schlüssel für das ganze Bauwerk erweist (siehe Psalm 118:22–23, zitiert oder angespielt in Matthäus, Markus, Lukas, der Apostelgeschichte und dem 1. Petrusbrief).
Aber ich möchte mich auf vielleicht die bedeutendste aller solchen Prophezeiungen in den Psalmen konzentrieren: seine leibliche Auferstehung. In Psalm 16 betet David darum, bewahrt zu werden (Psalm 16:1), und bringt dann seine ungeteilte Hingabe an den Herrn zum Ausdruck. Er hat kein gutes Gut im Leben außer dem Herrn; seine Lust ist allein an den Heiligen Gottes; er wird niemals andere Götter verehren; der Herr ist sein einzig erwählter Anteil im Leben; er stellt den Herrn allezeit vor sich hin (Psalm 16:2–8). In Psalm 16:2–8 bringt David ein Gelöbnis einmütiger Treue zum Ausdruck (Psalm 16:2–4), gefolgt von einem starken Bekenntnis ungezügelter Freude (Psalm 16:5–8). Es ist ein bemerkenswertes und inspirierendes Liebesbekenntnis zu Gott. Augustinus schreibt hier über Jesus: „Angesichts der Dinge, die vergehen, nahm ich meinen Blick nicht von dem ab, der immer bleibt; denn ich sah voraus, rasch zu ihm zurückzukehren, wenn mein Durchgang durch die zeitlichen Dinge vollendet sein würde.“1
Und dann, in Psalm 16:8, vollzieht David eine Wendung: „weil er mir zur Rechten ist“ – weil, und nur weil, ich den Herrn allein mit ungeteilter und leidenschaftlicher Hingabe liebe, kann ich gewiss sein: „Ich werde nicht wanken.“ Diese Wendung ist der Schlüssel zu dem Psalm: Ein Mensch, der Gott allein mit reiner und leidenschaftlicher Liebe liebt, weiß, dass er niemals wanken wird.
Psalm 16:9–11 folgen daraus. Weil ich Gott allein liebe, sagt David, kann ich überaus fröhlich sein und wissen, dass mein Fleisch sicher ruht (Psalm 16:9); das heißt, mein Leib ist völlig geborgen. Weil ich Gott allein liebe, weiß ich, dass Gott meine Seele (mein Leben) nicht dem Scheol überlassen wird, dem Ort, an dem Tote verwesen. Er wird niemals zulassen, dass ich, sein heiliger, ihm ergebener Knecht, die Verwesung sehe. Das heißt: Selbst wenn ich sterbe, wird mein Leib nicht verwesen.
Was sollen wir von diesem erstaunlichen Vertrauen auf den Lippen Davids halten? Petrus legt es am Pfingsttag aus: „Ihr Männer und Brüder, es sei mir erlaubt, freimütig zu euch zu reden von dem Stammvater David: Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag.“ (Apostelgeschichte 2:29). Das heißt: Davids Leib ist verwest. Diese Worte können sich also letztlich nicht auf David beziehen. Sie müssen durch den Heiligen Geist von einem Nachkommen Davids gesprochen sein, der Gott wahrhaftig mit ganzem Herzen lieben wird. Wir wissen, dass David dies trotz seines leuchtenden Glaubens nicht tat. Es genügt, an das zu denken, was er Batseba und ihrem Mann Urija antat, um dies zu erkennen (1. Samuel 11). So fährt Petrus fort: „Da er nun ein Prophet war […] hat er vorausschauend von der Auferstehung des Christus geredet, dass seine Seele nicht dem Totenreich preisgegeben worden ist und auch sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat.“ (Apostelgeschichte 2:30-31). Der Apostel Paulus sagt etwas sehr Ähnliches, wenn auch etwas kürzer, als er in der Synagoge von Antiochia in Pisidien spricht. Wie Petrus zitiert auch er Psalm 16:10 und sagt, dass dieser von der leiblichen Auferstehung Jesu spricht (Apostelgeschichte 13:34–35).
Wie also prophezeit Psalm 16 die Auferstehung Christi? Er tut es auf folgende Weise: Er sagt mit herrlicher, strahlender Gewissheit, dass dann, wenn ein Mensch über diese Erde geht, der Gott allein mit reiner und ungeteilter Hingabe alle Tage seines Lebens wahrhaft liebt, dieser Mensch nicht sterben und sein Leib verwesen wird – es nicht kann! Es ist schlicht unmöglich. Gott würde dies niemals zulassen. David schreibt diese Worte durch den Geist Christi (siehe 1. Petrus 1:10–12). Er spricht sie über einen Mann, der ihm viele Jahrhunderte später folgen wird und auf den jedes einzelne Wort wahrhaft zutrifft.
Es gibt ein Missverständnis über Prophetie, das sie so versteht, als spreche die Schrift von zufälligen und zusammenhanglosen Ereignissen, die – Überraschung! – Jahre später eintreten. Das kann sich eher wie ein Taschenspielertrick anfühlen, bei dem ein Zauberer ein Kaninchen aus dem Hut zieht. Es wirkt unlogisch und irgendwie losgelöst von der großen Geschichte der Bibel. Doch so ist Prophetie nicht. Psalm 16 feiert eine logische und zutiefst theologische Wahrheit: dass Gott den Leib des Menschen bewahren wird, der ihn mit ungeteiltem und sündlosem Herzen liebt. Die Logik ist ähnlich wie das, was Jesus in Lukas 20:38 sagt, als er mit den Sadduzäern über die Auferstehung argumentiert: „Gott ist aber nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.“ Wenn also Jesus leiblich von den Toten auferweckt wird, erfüllt er die Prophetie von Psalm 16:9–11 in dem Sinn, dass er zeigt, dass er – endlich! – der Anbeter mit ungeteiltem Herzen ist, von dem Psalm 16 gesprochen hat.
Woher wissen wir, dass David dies (Psalm 16:9–11) in Bezug auf Christus sagt? Wir wissen es, weil Jesus Christus der Mensch ist, der den ersten Teil des Psalms vollkommen erfüllt. Er „ist der Einzige, der jemals mit ungeteiltem Herzen, mit jeder Faser seines Seins und in jedem Augenblick seines Lebens auf der Erde von ganzem Herzen nach dem lebendigen Gott verlangt hat“.2
Sich ernsthaft darum zu bemühen, die tiefe Logik solcher Prophetien zu erfassen, wird uns helfen zu verstehen, dass Prophetie keine Sache zufälliger, ja sogar trivialer Vorhersagen und ebenso zufälliger Erfüllungen ist, sondern vielmehr zutiefst logischer Wahrheiten, die sich nicht nur in Jesus Christus erfüllt haben, sondern sich in ihm erfüllen müssen.
Fußnoten:
- Christopher Ash, The Psalms: A Christ-Centered Commentary, Volume 2, p. 172. ↩︎
- Christopher Ash, The Psalms, Volume 2, p. 167. ↩︎
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Crossway. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Lynn Wiebe.
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