Was geschieht mit unseren Gefühlen, wenn wir wirklich an die souveräne Weisheit und Güte Gottes in schrecklicher Verfolgung glauben?
Diese Frage stellt sich mir aus zwei Gründen.
Zum einen wegen Gottes Willen für unsere Emotionen, wie er in der Bibel offenbart ist, und zum anderen wegen dem, was ich im Herzen von Gottes Volk heute beobachte. Beides deckt sich nicht immer. Eines meiner Ziele ist es daher, heutigen Heiligen zu helfen, mehr von Gottes Absicht für unsere Emotionen zu erfahren.
Hier ist das jüngste Beispiel aus meiner Erfahrung.
Erfrischt durch schreckliche Verfolgungen?
In Offenbarung 6 sieht Johannes „die Seelen derer, die um des Wortes Gottes willen hingeschlachtet worden waren“. Es handelt sich um Märtyrer Jesu im Himmel. „Sie riefen mit lauter Stimme: ›Wie lange noch, o Herrscher, heiliger und wahrhaftiger, richtest du nicht und rächst unser Blut?‹“ (Vers 10).
Da sie im Himmel sind, wo „die Geister der Gerechten vollendet sind“ (Hebräer 12:23), sollten wir vorsichtig sein, diesen Ruf vorschnell als sündig zu bezeichnen. Doch Gott lenkt ihre Emotionen von diesem aufsteigenden Drängen hin zu einer anderen Herzenshaltung.
Den Märtyrern wurde gesagt, sie sollten „noch eine kleine Zeit ruhen“. Das ist ein emotional friedliches und erfrischendes Wort (anapauō). Wir spüren die Bedeutung dieses Begriffs an Stellen wie:
- „Kommt alle her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch Ruhe geben“ (Matthäus 11:28).
- „Sie haben meinen Geist erquickt“ (1. Korinther 16:18).
- „Die Herzen der Heiligen sind durch dich erquickt worden“ (Philemon 7).
- „Erquicke mein Herz in Christus“ (Philemon 20).
Doch hier kommt der bemerkenswerte emotionale Punkt:
Sie wurden ausdrücklich über die schrecklichen Verfolgungen auf der Erde informiert. Sie sollten ruhen und erfrischt werden „bis die Zahl ihrer Mitknechte und Brüder voll geworden ist, die ebenso getötet werden sollten wie sie selbst“.
Das ist emotional erschütternd.
Der Schlüssel zu ihrer Ruhe
Beachte vier Dinge:
- Sie werden aufgefordert, zu ruhen und erfrischt zu werden.
- Während sie ruhen, werden Menschen getötet, einige durch Enthauptung (Offenbarung 20:4).
- Diese Sterbenden sind ihre „Brüder“.
- Die Zahl dieser Tötungen ist von Gott bestimmt.
Damit stehen wir vor der wirklichen, praktischen, emotionalen Frage: Erwartet Gott wirklich von diesen Heiligen, dass sie ihre Dringlichkeit nach sofortiger Vergeltung zurückstellen und ruhen, während ihre Brüder schrecklich getötet werden?
Ja. Genau das erwartet er. Er hätte diesen vollendeten Heiligen nicht geboten zu ruhen, wenn es nicht möglich und richtig wäre.
Der Schlüssel für ihre Fähigkeit zu ruhen liegt genau in der souveränen Weisheit und Güte Gottes, die in der Aussage aus Offenbarung 6:11 enthalten ist — dass es eine bestimmte, von Gott festgesetzte Zahl von Märtyrern gibt. „Ruht, bis die Zahl eurer Brüder voll ist, die getötet werden sollen.“
Frieden für die Seele wegen Gottes Weisheit und Güte
Für unsere Emotionen bedeutet das: Tiefes Vertrauen in Gottes souveräne Weisheit und Güte verwandelt auf erstaunliche Weise unsere Reaktion auf Schreckliches. Wir werden — auf übernatürliche Weise — befähigt, Seelenruhe in Gott zu finden mitten in schrecklichen Katastrophen.
Das ist nicht dasselbe wie Gleichgültigkeit. Es ist keine Gefühllosigkeit und kein Mangel an Mitgefühl. Es bedeutet nicht Tränenlosigkeit. Aber es ist Ruhe. Es ist eine süße Geborgenheit in Jesus.
The soul that on Jesus has leaned for repose,
I will not, I will not desert to its foes.
(Übersetzung: Die Seele, die auf Jesus ruht in stiller Zuversicht,
die wird er nimmermehr verlassen und nicht preisgeben den Feinden.)
Es gibt eine tiefe emotionale „Ruhe“ — ein tiefes inneres Ausruhen der Seele — selbst wenn wir um die Schrecken von Katastrophe und Verfolgung wissen, einschließlich der unseren.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
Mehr Ressourcen von Desiring God.
















Schreibe einen Kommentar