Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal geschieden werden würde. Ich dachte, das sei etwas für andere Menschen – für Menschen, die Jesus nicht lieben oder die nicht bereit sind, sich für ihre Ehe aufzuopfern. Für mich bedeutete eine Scheidung, dass man kein treuer Christ ist.
Als mein Mann mir dann sagte, dass er sich in eine andere Frau verliebt hatte, dachte ich noch nicht, dass dies zur Scheidung führen würde. Doch drei Jahre später, als ich die endgültigen Scheidungspapiere unterschrieb, wurde mir klar: Auch wenn dies nicht mein Plan gewesen war, war es doch meine Geschichte – eine Geschichte, die ich mir nie gewünscht hatte.
Gott gebrauchte selbst diese Situation, um meinen Glauben wachsen zu lassen. Als er alles war, woran ich mich klammern konnte, erkannte ich, dass er alles war, was ich brauchte. In den Trümmern des Lebens, das ich gekannt hatte, half Gott mir, auf einem neuen Fundament aufzubauen – nicht gegründet auf dem, was ich getan hatte oder tun konnte, sondern allein auf seiner Treue. Hier sind einige Wahrheiten, die ich in diesem Prozess gelernt habe.
Klage hilft uns, mit der Trauer umzugehen
Meine Trauer kam in Wellen. Obwohl ich den Verlust meiner Ehe betrauern und schnell hinter mir lassen wollte, konnte ich meine Trauer nicht planen. Sie überfiel mich. Ein Lied im Radio, ein Film oder das Vorbeifahren an vertrauten Orten konnten mich plötzlich in einen Strudel der Gefühle ziehen.
Die Klage half mir, durch diesen Trauerprozess zu navigieren. Täglich brachte ich meine Verzweiflung und meine Zweifel vor Gott. Ich schüttete all meine Gefühle vor ihm aus – ich schrieb sie nieder, flüsterte sie und schrie sie sogar hinaus. Meine Schwester sah einmal mein Tagebuch und bemerkte, dass sie noch nie so ehrlich zu Gott gewesen sei. Doch gerade diese unverstellte Ehrlichkeit wurde zu einem Fundament für den Wiederaufbau: Gott meine Emotionen anzuvertrauen, ihm alles zu sagen und nicht zu versuchen, ein nach außen hin perfektes christliches Leben zu präsentieren.
Oft las ich morgens einen Psalm und formulierte ihn in meinen eigenen Worten neu – Worte, die zu meinem Schmerz, meinen Fragen und meiner Situation passten. Ich schrieb so lange, bis nichts mehr übrig war, und füllte tränengetränkte Seiten mit meiner Angst und Verwirrung. Immer wieder stellte ich Fragen wie: „Wie lange noch, HERR? Willst du mich für immer vergessen? Wie lange verbirgst du dein Angesicht vor mir?“ (Ps 13:1).
Dann geschah etwas in mir – so wie es auch bei den Psalmisten der Fall ist. Nachdem ich meine Klage vor Gott ausgeschüttet hatte, begann sich mein Herz langsam zu verändern. Anklage wich dem Vertrauen. Meine Worte klangen nicht besonders „geistlich“, doch in Gottes Vorsehung zogen sie mich näher zu ihm. Indem ich meine Gefühle anerkannte, konnte ich sie schließlich loslassen.
Bitterkeit hält uns in der Vergangenheit gefangen
Während ich meine Trauer verarbeitete, war die Versuchung groß, immer wieder darüber nachzudenken, wie sehr ich verletzt worden war. Ich spielte all die Lügen, die ich geglaubt hatte, und all das Unrecht, das mir widerfahren war, ständig in meinem Kopf ab, bis sich tiefe Spuren in meinem Denken bildeten. Ich stellte mir Rachefantasien vor und wünschte mir, dass mein Ex-Mann ebenso tief verletzt würde, wie er mich verletzt hatte. Ich hatte nicht vor, diese Gedanken in die Tat umzusetzen – sie schienen mir lediglich ein harmloser Trost zu sein.
Doch sie waren keineswegs harmlos; diese Gedanken zerstörten mich. Bitterkeit band mich an meinen ehemaligen Mann, der längst weitergezogen war, während ich in der Vergangenheit gefangen blieb. Ich suchte Trost in Rache, ohne zu erkennen, dass dieser bittere „Trost“ Gift für meine Seele war. Die Rache gehört dem Herrn, und wir sind aufgerufen, sie ihm zu überlassen (Röm 12:19). Als ich schließlich meinen Groll und mein vermeintliches Recht auf Vergeltung dem Herrn übergab, fand ich Freiheit.
Wiederaufbau geschieht in kleinen Schritten
Alles, was ich aufgebaut und fälschlicherweise zu meiner Identität gemacht hatte, war bis auf den Grund niedergebrannt. Ich wusste nicht, wie ich neu anfangen sollte. Einige Monate nachdem mein Mann ausgezogen war, kam meine Schwester, um mir zu helfen. Wir saßen in einem Café und sprachen darüber, wie mein neues Leben aussehen könnte.
Sie erinnerte mich daran, dass meine wahre Identität in Christus liegt und nicht in dem, was ich gut oder schlecht getan habe. Anschließend sammelten wir gemeinsam ganz praktische Ideen: Urlaube, die ich als alleinerziehende Mutter unternehmen könnte, neue Traditionen, die ich einführen könnte, Möglichkeiten, andere um Hilfe zu bitten, und Dinge, die mich zum Lachen bringen.
Als wir nach Hause kamen, betraten wir den Kleiderschrank, den ich mit meinem Mann geteilt hatte. Einige seiner Hemden hingen noch dort. Meine Schwester nahm sie ab und packte sie in Kartons, weil sie wusste, wie schmerzhaft diese Erinnerung für mich war. Doch nachdem alles entfernt war, löste der leere Raum eine neue Traurigkeit in mir aus. Zum Glück endete ihr Plan nicht dort. Sie stellte einen kleinen Tisch unter die nun freie Kleiderstange, befestigte eine Pinnwand, legte meine Bibel und mein Tagebuch bereit und schloss eine Lampe an. Dieser Ort wurde zu meinem liebsten Platz im Haus – ein heiliger Raum, an dem ich Gott begegnete, der Ort, an dem Gott meine Leidenschaft für ihn neu entfachte.
Für mich bedeutete der Wiederaufbau keine drastischen Entscheidungen, sondern viele kleine, bewusste Schritte. Und ich brauchte andere Menschen, die mich auf diesem Weg begleiteten und mir halfen, nach vorne zu schauen.
Wenn du geschieden bist oder gerade eine Scheidung durchlebst, mag ein Neuanfang unmöglich erscheinen. Dein Leben fühlt sich vielleicht an, als wäre es völlig zerstört worden. Lehne dich in die Klage hinein. Lass die Bitterkeit los. Gehe mit der Hilfe anderer Schritt für Schritt weiter. Selbst wenn du noch inmitten der Trümmer sitzt, kannst du darauf vertrauen, dass der Herr gute Gedanken über uns als sein Volk hat – Gedanken des Friedens und nicht des Leids, um uns Zukunft und Hoffnung zu geben (Jer 29:11).
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von John Schröder. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.
















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