Wie können wir Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten?

Im Geist und Wahrheit anbeten
Wie können wir Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten?
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Was betest du an?

Jeder auf der Welt verehrt etwas. Von den religiösesten bis zu den säkularsten Menschen schätzen alle etwas so hoch, dass sie ihr Leben darum aufbauen. Es mag Gott sein, oder es mag Geld sein. Aber was es zu Anbetung macht, ist die treibende Kraft eines geliebten Schatzes, der unsere Gefühle, unseren Willen, unsere Gedanken und unser Verhalten prägt. In diese universelle Erfahrung der Anbetung gab Jesus den Auftrag, Gott „im Geist und in der Wahrheit an[zu]beten“ (Johannes 4:24). Mit anderen Worten: Bringe deine Erfahrung von Anbetung in Übereinstimmung mit den Wahrheiten über Gott und lasse deinen Geist authentisch von dieser Wahrheit erweckt und geleitet werden.

Die Stunde kommt und ist schon da

Als er dies sagte, sprach er mit einer Samariterin in der Nähe ihrer Heimatstadt. Sie hatte ihn auf den Unterschied zwischen den Orten angesprochen, an denen Samariter und Juden anbeten. Sie sagte: „Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, in Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll.“ (‭‭Johannes‬ ‭4‬:‭20‬). Jesus antwortete, indem er ihre Aufmerksamkeit von der Geografie weg auf etwas Erstaunliches lenkte, das sich zu ihrer Zeit ereignete. Er sagte: „Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, wo ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet […] Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden.“ (‭‭Johannes‬ ‭4‬:‭21‬, ‭23‬). Es ist eine radikale Aussage – zu sagen, dass die Stunde nun da sei, in der die Anbetung in Jerusalem aufhören würde! Was meinte er damit?

Jesus erhob den atemberaubenden Anspruch, der lang ersehnte jüdische Messias zu sein. Die Frau sagte zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn dieser kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin’s, der mit dir redet!“ (‭‭Johannes‬ ‭4‬:‭25‬-‭26‬). Als Jesus also sagte, dass die Zeit „schon da ist“, in der man nicht mehr in Jerusalem anbeten wird, meinte er, dass das Reich des Messias angebrochen ist und es einen radikalen Bruch in der Art und Weise geben wird, wie Menschen anbeten.

„Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.“

Der Grund dafür ist, dass Jesus selbst an die Stelle des Tempels treten wollte. Mit anderen Worten: Der ‚Ort‘, an dem Anbetung geschehen würde – der ‚Ort‘, an dem Menschen Gott von nun an begegnen würden – würde Jesus sein und nicht mehr der Tempel in Jerusalem. Er machte dies auf verschiedene Weise deutlich. So stand er zum Beispiel im Tempel und sagte: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten“ (Johannes 2:19). Die Leute waren erstaunt und sagten: „In 46 Jahren ist dieser Tempel erbaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten?“ (‭‭Johannes‬ ‭2‬:‭20‬). Doch der Evangelist erklärte: „Er aber redete von dem Tempel seines Leibes.“ (‭‭Johannes‬ ‭2‬:‭21‬). Mit anderen Worten: Jesus meinte, dass er, wenn er von den Toten auferstehen würde, der neue „Tempel“ wäre – der neue Ort der Begegnung mit Gott.

Jesus sagte etwas fast ebenso Erstaunliches, als er dafür kritisiert wurde, dass er seine Jünger am Sabbat Ähren abstreifen und essen ließ. Jesu Antwort auf diese Kritik war der Hinweis darauf, dass David, der König Israels, seine Männer mit dem Brot aus dem Haus Gottes versorgt hatte, das eigentlich nur für die Priester bestimmt war. Er stellte die Verbindung zu sich selbst und den Jüngern her, indem er sagte: „Ich sage euch aber: Hier ist einer, der größer ist als der Tempel!“ (‭‭Matthäus‬ ‭12‬:‭6‬). Mit anderen Worten: „Der Messias, der Sohn Davids, ist hier, und er selbst wird den Platz des Tempels einnehmen.“

Nicht auf diesem Berg und nicht in Jerusalem, sondern im Geist und in der Wahrheit

Als Jesus also zur Samariterin sagte: “Es kommt aber die Stunde und ist schon da, da die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden“, meinte er, dass mit dem Kommen des Messias selbst ein völlig neuer Zugang zu Gott in der Anbetung angebrochen war. Die geografische Lage war nun nicht mehr relevant: „Weder auf diesem Berg noch in Jerusalem werdet ihr den Vater anbeten.“ An die Stelle äußerlicher, geografischer Belange treten nun innere, geistliche Belange: „Die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Die äußeren Orte Samaria und Jerusalem sind ersetzt worden durch die geistlichen Realitäten von „Geist und Wahrheit“. Was jetzt zählt, ist nicht, wo du anbetest, sondern ob du Gott gemäß der Wahrheit anbetest und ob dein Geist durch diese Wahrheit wahrhaftig erweckt und geleitet wird.

Alle Anbetung soll durch Jesus und auf Jesus ausgerichtet sein

Die entscheidende neue Wahrheit ist, dass Anbetung jetzt durch Jesus geschieht. Er ist der Tempel, in dem wir Gott begegnen. Dies ist zunächst wahr, weil er sein Blut „vergossen hat zur Vergebung der Sünden“ (Matthäus 26:28) und „sein Leben gegeben hat als Lösegeld für viele“ (Markus 10:45) und durch seinen eigenen gekreuzigten und auferstandenen Leib den Weg geöffnet hat, damit wir mit Gott versöhnt werden können (Johannes 3:16, 36). Es gibt keinen Weg, dass Sünder Gott eine annehmbare Anbetung darbringen könnten, ohne dass Jesu Blut als Mittler zwischen sie und Gott dazwischentritt. Es ist ebenso wahr, dass Anbetung jetzt durch Jesus geschieht, weil er selbst Gott ist. Er ist nicht nur der Mittler der Anbetung zwischen uns und dem Vater, sondern er ist auch derjenige, der angebetet wird. Er hat diesen Anspruch sowohl indirekt als auch direkt erhoben. Er vergab Sünden – was nur Gott tun kann (Markus 2:5–11). Er nahm Anbetung von seinen Jüngern an (Matthäus 14:33; 28:9). Er beanspruchte ewige Präexistenz bei Gott: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich!“ (Johannes 8:58). Er sagte, dass er eins mit dem Vater sei: „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen“ (Johannes 14:9). „Ich und der Vater sind eins“ (Johannes 10:30). Deshalb sollen alle „den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren“ (Johannes 5:23). Darum wird alle Anbetung „in der Wahrheit“ durch Jesus und auf ihn ausgerichtet sein. Denn „wer den Sohn nicht ehrt, der ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“ (Johannes 5:23).

Anbetung im Geist

Was bedeutet nun die Formulierung „im Geist“? „Es kommt aber die Stunde und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist anbeten werden“ (Johannes 4:23). Manche Ausleger verstehen dies als einen Hinweis auf den Heiligen Geist Gottes. Ich habe es so verstanden, dass es sich auf unseren eigenen Geist bezieht. Doch wahrscheinlich liegen diese beiden Auslegungen in Jesu Denken nicht weit auseinander. In Johannes 3:6 verbindet Jesus den Geist Gottes und unseren Geist auf bemerkenswerte Weise. Er sagt: „was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.“ Mit anderen Worten: Bevor der Heilige Geist unseren Geist durch die Wiedergeburt lebendig macht, ist unser Geist so tot und unempfänglich, dass er nicht einmal als Geist gelten kann. Nur das, was aus dem Geist geboren ist, ist (ein lebendiger) Geist. Wenn Jesus also sagt, dass die wahren Anbeter den Vater „im Geist“ anbeten, dann meint er damit, dass wahre Anbetung nur aus Geistern kommt, die durch das lebendig machende Wirken des Geistes Gottes zum Leben erweckt und empfindsam gemacht wurden.1

Das Wesen der Anbetung liegt in der wahren verstandesmäßigen Erkenntnis Gottes und in der echten Zuneigung unseres Geistes zu Gott.

Dieser „Geist“ ist essentiell für die Anbetung. Andernfalls ist Anbetung tot. Oder, um Jesu Ausdruck zu gebrauchen: sie ist „vergeblich“. „Dieses Volk naht sich zu mir mit seinem Mund und ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist fern von mir; vergeblich aber verehren sie mich“ (Matthäus 15:8–9). Ein Herz (und Geist), das lebendig ist und sich mit Gott beschäftigt, ist entscheidend. Jesus stellt die echte Anbetung im Geist und in der Wahrheit der äußeren Anbetung gegenüber, die sich auf Samaria und Jerusalem konzentriert. Was sie echt macht, ist nicht nur, dass der anbetende Verstand die Wahrheit über Jesus erfasst, sondern auch, dass der anbetende Geist erweckt wird und von der Wahrheit bewegt wird, die der Verstand erkannt hat. Ein Mensch, der keine Zuneigung zu Gott hat, die durch die Wahrheit über Jesus erweckt wird, betet nicht „im Geist und in der Wahrheit“ an.2 Und ein Mensch mit großen Gefühlen, die jedoch auf falschen Vorstellungen von Gott beruhen, betet ebenfalls nicht „im Geist und in der Wahrheit“ an. Jesus fordert beides: Anbetung im Geist und in der Wahrheit.

Das ganze Leben ist Anbetung

Eine Konsequenz dieser Sichtweise von Anbetung ist, dass sie auf das ganze Leben zutrifft, ebenso wie auf die Zusammenkünfte der gemeinsamen Anbetung. Das Wesen der Anbetung liegt in der wahren verstandesmäßigen Erkenntnis Gottes und in der echten Zuneigung unseres Geistes zu Gott. Das bedeutet: Immer dann, wenn wir den Wert Gottes sichtbar machen – durch Worte oder Taten, die aus einem Geist fließen, der ihn so schätzt, wie er wirklich ist –, beten wir im Geist und in der Wahrheit an. Ob wir bei der Arbeit sind, zu Hause oder in der Gemeinde – das spielt keine Rolle. Entscheidend ist, dass wir die Herrlichkeit Gottes in Jesus sehen (Wahrheit) und ihn mehr als alles andere schätzen (Geist), und dass wir überfließen in selbstaufopfernder Liebe zum Wohl anderer. Kaum etwas zeigt die Schönheit Gottes deutlicher. Darum sollte für Nachfolger Jesu das ganze Leben eine solche Form von Anbetung sein.

Dies wird eindrücklich durch die Verbindung illustriert, die Jesus zwischen der Anbetung Gottes und dem Dienen für Gott herstellt. Als Satan Jesus versuchte, ihn anzubeten, antwortete Jesus: „Weiche, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen“ (Matthäus 4:10). Dienen war oft mit Anbetung verknüpft, als äußerer Ausdruck des religiösen Dienstes im Tempel. Aber nun ist der Tempel Jesus. Wie verändert sich nun der „Dienst“ der Anbetung?

Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon/Geld

Einen überraschenden Einblick darin, was Dienen3 für Jesus bedeutet, bekommen wir in Matthäus 6:24. Er sagte: „Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.“ Überraschend ist, dass Gott dienen hier mit dem Geld dienen verglichen wird. Aber wie dient man dem Geld? Nicht, indem man dem Geld hilft oder seine Bedürfnisse erfüllt. Man dient dem Geld, indem man es so sehr schätzt, dass man sein ganzes Leben danach ausrichtet, von dem zu profitieren, was Geld für einen tun kann.

So ist es auch mit Gott in der Weise, wie Jesus den Dienst des Anbetens versteht. Wir helfen Gott nicht und stillen auch nicht Gottes Bedürfnisse („Der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse“, Markus 10:45). Vielmehr dienen wir Gott, indem wir ihn so sehr wertschätzen, dass wir unser ganzes Leben danach ausrichten, von dem zu profitieren, was er für uns tun kann. Und – im Unterschied zum Geld – steht das, was Gott für uns tun kann, über dem aller anderen Schätze: Für uns alles zu sein, wonach wir je verlangt haben.

Der unendliche Wert Gottes in Jesus

Darum ist das ganze Leben ein Dienst für Gott. Das bedeutet: Das gesamte Leben wird von unserer Leidenschaft geprägt, unsere Erfahrung vom höchsten Wert Gottes in Jesus zu maximieren. Also enden wir da, wo wir begonnen haben. Die ganze Welt betet etwas an. Von den Religiösesten bis zu den Säkularsten schätzt jeder Mensch etwas so hoch, dass er sein Leben darum herum aufbaut – wenn auch unbewusst. Jesus gebietet, dass jeder Mensch sein Leben um den unendlichen Wert Gottes in Jesus aufbaut. Überlege dir also, was du anbetest. Und dann bitte Jesus, dir die Augen für die Wahrheit von Gottes höchstem Wert zu öffnen und deinen Geist zu erwecken, damit du ihn über alles schätzt.

Anmerkungen:

  1. Dieser Abschnitt ist adaptiert aus: John Piper, Desiring God: Meditations of a Christian Hedonist, überarbeitete und erweiterte Ausgabe (Sisters, Ore.: Multnomah, 2003), S. 82.
  2. Siehe Kapitel 3, „Worship: The Feast of Christian Hedonism“ in Desiring God für eine ausführlichere Begründung dieser Aussage und dafür, wie sie zu der Tatsache passt, dass unsere Gefühle schwankend sind – manchmal hoch, manchmal niedrig.
  3. Das Wort für „dienen“ in Matthäus 6:24 (δουλεύω) ist nicht dasselbe wie das Wort für „dienen“ in Matthäus 4:10 (λατρεύω). Letzteres bezieht sich gewöhnlich auf die religiöse Tätigkeit im Tempel. Ersteres beschreibt in der Regel, was ein Sklave für seinen Herrn tut. Mein Punkt ist, dass gerade die Neuheit von Jesu Situation deutlich macht, wie selbst die „sklavische“ Art des Dienens auf eine neue Weise Anbetung ist.

Dieser Artikel ist adaptiert aus All That Jesus Commanded: The Christian Life according to the Gospels von John Piper.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Crossway. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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