Wie man Bibelstudien sabotiert

Mein lieber Globdrop,

du „bedauerst, mir mitteilen zu müssen“, dass dein Patient und seine Kleingruppe Messer, Gabel, Löffel – und den Klatsch (zumindest vorübergehend) – beiseitegelegt haben und begonnen haben, das Buch des Feindes regelmäßiger zu lesen. Ehe du dich versiehst, tauschen sie ihre Mahlzeiten gegen „Bibelzeit“ ein – und das lässt dich erzittern, nicht wahr? Neffe, ich habe das in die Wege geleitet.

Du scheinst zu vergessen, dass wir nie einen Menschen fürchten, nur weil er eine Bibel liest. Einige unserer nützlichsten Kreaturen haben ihr ganzes Leben der Bibel gewidmet und sitzen nun wohlbehütet auf Professorenstühlen in theologischen Fakultäten des Landes. Denk daran: Den Bibel-Hobbyisten, den Heuchler und den Verdreher des Textes fürchten wir nicht. Alles gerät jedoch aus den Fugen, wenn die Menschen das Wort des Feindes verstehen, es wertschätzen, glauben, gehorchen und dadurch zu ihm selbst geführt werden.

Unser Krieg wird nicht nur dadurch behindert, dass echte Soldaten mit seinem Buch kämpfen, sondern auch dadurch, dass wir die Spielzeugsoldaten damit spielen lassen. Woche für Woche dürfen wir beobachten, wie die Gruppe mit der Klinge unseres Widersachers herumalbert. Und wenn sie sich gegenseitig verletzen, übernehmen sie unsere Arbeit. Nein, mein lieber Globdrop – die Lösung ist nicht, solche Bibelstudien zu beenden, sondern ihnen beizutreten. Und sobald wir beigetreten sind: sie zu leiten.

Wie man jedes Bibelstudium zerstört

Neffe, da du dich anschickst, deine erste Bibelstunde zu leiten, ist der größte Fehler, den du begehen kannst, ihnen das Lesen der Heiligen Schrift unbeaufsichtigt zu gestatten – jedes Mal, wenn das Buch geöffnet wird, riskieren wir, sie zu verlieren. Das lädt ihren Geist ein, sein schreckliches Werk zu tun. Sei in diesem Punkt niemals nachlässig.

Obwohl der Sohn des Feindes uns beleidigt – er nennt uns Vögel in seinem Gleichnis – lieben wir es doch, sein Wort aus ihren Herzen zu reißen. Aber das ist mitunter recht mühsam, denn es erfordert meist mehrere Wochen Arbeit und bringt nur mäßigen Ertrag. Weitaus einfacher ist es, zu verhindern, dass sein Wort überhaupt jemals wirklich in ihnen Wurzeln schlägt. Und das können wir auf köstliche Weise in ihren – verzeih, unseren – Bibelstudien erreichen.

Zu diesem Zweck unterweise ich dich nun.

1. Stelle gute Fragen

Überzeuge sie davon, dass die einzig richtige Frage für jede Bibelstunde entweder lautet: „Wie fühlst du dich bei diesem Text? Was hast du daraus mitgenommen?“ Oder, unser Favorit: „Was bedeutet der Text für dich?“ – Ich kann mich kaum auf dem Stuhl halten vor Freude, wenn ich ihre Antworten höre! Johanna findet, der Feind sei bei jener Hochzeit etwas grob zu seiner Mutter gewesen. Und schau nur – Tim nimmt soviel aus dem Text mit! Kein Zweifel, er verspürt ein wunderbares Gefühl der Empörung über unseren Gedanken, dass Paulus in seinem Brief an den jungen Timotheus vielleicht ein bisschen sexistisch war. Und für James bedeutet „Gott ist Liebe“, dass es kaum eine Rolle spielt, ob er weiterhin mit seiner Freundin schläft.

Lass sie in ihren Gefühlen und Meinungen schwelgen, während das Buch des Feindes offen auf ihrem Schoß liegt. Mach die Lehre der Apostel zum Anlass, Geschichten über ihre anstrengende Woche zu erzählen oder leidenschaftlich über das zu sprechen, was sie gerade am meisten beschäftigt. Sorge dafür, dass sie niemals wirklich den Worten von Mose, Jesaja, Paulus, Johannes, Petrus – oder durch sie allen dem Feind selbst – begegnen.

2. Überzeuge sie davon, dass es keine falschen Gedanken über einen Vers gibt

Wenn doch einmal jemand zu sagen wagt, was er meint, dass der Autor wirklich sagen wollte, dann dulde auf keinen Fall, dass es hinterfragt wird. Stufe alle Interpretationen gleichermaßen – als gleich gültig, gleich wahr, ein. Eine meiner Versuchspersonen hat es kürzlich vortrefflich ausgedrückt, als sie das Schweigen im Raum nicht mehr aushielt und herausplatzte: „Leute, das hier ist ein sicherer Raum, um eure Gedanken zum Text zu teilen. Es gibt keine falschen Antworten.“ Ganz genau.

Wenn alle Gedanken zählen, wenn alle Meinungen (so lächerlich sie auch sein mögen) Bedeutung haben – wenn sie abgeschnitten sind von den treffsicheren Auslegungen, die von früher her überliefert sind – dann werden sie zu ihrer eigenen kleinen Kirche. Und diese Kirche ist errichtet auf einem Fundament aus emotionaler Zerbrechlichkeit (man nennt es Stolz), das jede Korrektur einer fremden Ansicht als schwereren Verrat betrachtet als reine Häresie.

Globdrop, wenn alle Auslegungen richtig sind – dann ist keine Auslegung wirklich richtig.

3. Lass das Bibelstudium genau das sein: ein Studium.

Bringe das Wort des Feindes hervor, damit es seziert, untersucht und – wenn irgendwie möglich – kritisiert wird. Aber achte darauf, die drei Stränge zu trennen. Sie dürfen es niemals zugleich andächtig, theologisch und ethisch lesen. Halte sie auf einer einzigen Spur. Wenn dein Kandidat zur Theologie neigt, gib ihm einen schweren Kopf, ein geschrumpftes Herz und sensible Hände. Mache ihn zum Ersten, der debattiert, zum Letzten, der anbetet, und zum Ersten, der sich vom Dienen entschuldigt.

Wenn er zur Andacht neigt, mache ihn sentimental, aber oberflächlich in seinem Verständnis und unwissend in jeder weiteren Anwendung. Lass ihn tief von seinen persönlichen Andachten berührt sein – aber nie tief genug, um zu viel nachzudenken oder die Befehle des Feindes zu ernst zu nehmen.

Und schließlich, wenn er ethisch veranlagt ist, lasse ihn sein soziales-Gerechtigkeits-Haus ohne echte Liebe zum Feind bauen. Lass ihn glauben, dass er Großes für wichtige Anliegen in der Welt leistet – und dabei das bedeutendste Gebot vergisst: den Feind mit ganzem Herzen zu lieben. Und seine höchste Mission: Jünger aus allen Nationen zu machen. „Herr, Herr, haben wir nicht …?“ ist einer der befriedigendsten Phrasen für unseren Vater unten, kurz bevor uns die Patienten endgültig übergeben werden.

4. Bringe sie dazu die Verheißungen zu lieben und gleichzeitig die Anweisungen und Warnungen zu ignorieren

Lass sie einander wahllos zurufen: “Gott wird dich niemals im Stich lassen! Du bist sein Kind! Gott wird immer für dich da sein! Gott hat dir vergeben und wird es auch weiterhin bei jedem Versagen tun – ganz egal, was geschieht!” (Lass natürlich nicht zu, dass die wirklichen Kinder das glauben.)

Verteile göttliche Verheißungen wie Gratis-Eis am Stiel. Während der Ehebrecher genüsslich an seinem Gnade-Traube-Eis lutscht und der unbußfertige Trunkenbold an seinem Erdbeer-Treue-Eis schleckt, sorge dafür, dass sie den tödlichen Irrtum niemals erkennen. Lass sie über diese schrecklichen Themen wie Buße, Wiedergeburt, das Töten der Sünde und den Zorn des Feindes hinweglesen, wenn die Gruppe zwangsläufig darüber im Text stolpert. Lass sie bei den Warnungen lächeln und jeden unbequemen Bibelvers durch das Prisma der „Liebe“ filtern – wobei die Bedingungen natürlich immer nur für die anderen gelten. Überheblichkeit, lieber Neffe, Überheblichkeit.

5. Leite sie irgendwo hin aber auf jeden Fall zum Feind

Lass in diesem Punkt niemals nach. Wenn du dich an die Geschichten deines Urgroßvaters Lord Barkmare erinnerst: Die Pharisäer hatten großartige Bibelstunden – bis der Feind fast alles verdarb: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; und sie sind es, die von mir zeugen. Und doch wollt ihr nicht zu mir kommen, um das Leben zu empfangen.“ (Johannes 5:39–40)

Lass die Mäuse ruhig durch das Labyrinth von Theologie, Zeitgeschehen oder Ethik irren – aber niemals dürfen sie ihn anbeten, ihm folgen, ihn über alles lieben, zu ihm kommen und das Leben finden. Ein einziger Blick genügt – und dein Patient könnte für immer verloren sein.

Also, Globdrop, ermutige deine Beute ruhig, diese Woche die Bibel mitzubringen – wir werden Philipper 4,13 lesen, natürlich durch die Linse menschlicher physischer Leistung. Aber verliere deinen Mann niemals aus den Augen. Beobachte genau, ob er zu denen gehört, die dafür bluten würden, dafür sterben würden, unsere Tore damit stürmen würden. Wenn er sich als ein solcher Mann erweist, dann verführe ihn dazu, morgens auf die Schlummertaste zu drücken, abends den Kalender zu füllen – und begleite ihn dann sanft weiter durch unsere reizende, wohlschmeckende Bibelgruppe mitten in der Woche.

Dein erwartungsvoller Onkel,

Grimgod


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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Kommentare

Eine Antwort zu „Wie man Bibelstudien sabotiert“

  1. Avatar von Sergej Pauli

    Nett, Greg Morse ist einer meiner Lieblingsautoren von DesiringGod – die Globdrop-Letters fand ich ebenfalls großartig und wir haben auch ein paar übersetzt: https://www.glaubend.de/?s=globdrop Finde ich gut, wenn das Projekt jetzt fortgesetzt wird!

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