Wie unterscheidet sich die Freude eines Christen von der Freude der Welt?

Freude

Ich sah die riesigen Buchstaben eines einzigen deutschen Wortes, gefolgt von einem Ausrufezeichen. Es zierte das übergroße Bild eines Autos: „FREUDE!“

Die neue Werbekampagne von BMW war überall in München zu sehen, als ich vor Jahren mit John Piper dort war. Ich verstand kein Deutsch, aber John kannte die Sprache aus seinen Studien in den Siebzigern. Schließlich wandte ich mich an ihn, um nach der Übersetzung des Ein-Wort-Slogans zu fragen. Er lächelte und sagte: „Freude.“

Die Freude, die wir empfehlen

Freude und Glück sind für die Welt keine unverständlichen Begriffe. Menschen heute – wie auch Menschen zu allen Zeiten – wollen glücklich sein. Wir sehnen uns nach echter Freude. Wir verbringen unser Leben, ob bewusst oder unbewusst, damit, verschiedene Wege zu suchen, um unsere tiefen inneren Sehnsüchte zu stillen. Wir denken und reden auf unzählige Weisen über Glück. Geschickte Werbetreibende wissen, dass sie Freude und Glück verkaufen. Autohersteller wissen es. Selbst Fast-Food-Ketten wissen es – wie ihre Weihnachtskampagne „Teile die Freude!“ oder der aktuelle Slogan „Füttere dein Glück“ zeigt.

Und Freude und Glück sind offenkundig biblische Begriffe. Die Schrift ist erfüllt von Hinweisen auf Freude, Jubel und Wonne; von Aufrufen zum Verlangen und von Verheißungen der Belohnung; von Zeugnissen über Erfüllung und Glück. Christen – aus allen Völkern – geben nicht das wahre Glück auf, um sich vor ihrem Schöpfer zu beugen, sondern vielmehr wird Gott laut der Schrift dadurch verherrlicht, dass sein Volk echtes Glück in ihm findet.

Als Christen also befürworten wir Freude und Glück. Wir verwenden diese Begriffe und streben danach – selbst wenn auch unsere Welt nach Freude und Glück sucht und darüber spricht. Aber ist es dieselbe Freude und dasselbe Glück?

Drei Kennzeichen wahrer Freude

Auf einer gewissen Ebene suchen Christen und Nichtchristen dasselbe. Das tiefe, von Gott ins menschliche Herz gelegte Verlangen – der Drang nach Freude und Seelenerfüllung – ist uns allen gemeinsam. Wir alle wollen glücklich sein. Wir teilen dieses ursprüngliche Sehnen und beginnen am selben Punkt. Doch wie sehr trennen sich die Wege auf der Suche danach.

Auf einer anderen Ebene jedoch ist die christliche Erfahrung wahrer Freude und echten Glücks ganz und gar nicht dieselbe wie die Freude und das Glück, die die Welt ohne Christus kennt. So sehr der Mensch auch irren mag in seinem Streben, das universelle Verlangen nach Glück zu stillen – wer Jesus findet, dessen innerer Antrieb wird neu ausgerichtet: hin auf das Richtige, Beständige und wahrhaft Erfüllende.

Der Ruf zum christlichen Hedonismus, wie manche von uns ihn nennen, ist keine Aufforderung, unsere eigene Freude so zu suchen, wie es die Welt tut. Die Freude, nach der wir suchen – die die Seele wirklich erfüllt und Gott verherrlicht –, ist eine andere Art von Freude als jene, die die Welt ohne Christus kennt.

Wie also unterscheidet sich die christliche Freude von der Freude, wie die Welt sie versteht? Betrachten wir dazu mindestens drei Aspekte.

1. Quelle: Gott selbst in Christus

Zuerst – und am deutlichsten – unterscheidet sich die christliche Freude von der weltlichen in ihrer Quelle. Im Kern liegt die christliche Freude in Christus, nicht außerhalb von ihm. Jesus, in dem die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig wohnt (Kolosser 2:9), ist die letztgültige und tiefste Quelle unserer Freude. Und in diesem Zeitalter begegnet uns Jesus durch und mit der Schrift. So wird die Freude an Christus zugleich zur Freude an seinem Wort. Die Freude in und durch die Schrift ist daher – wenn auch nicht unfehlbar – doch ein tief aufschlussreicher Prüfstein unserer Freude an Jesus.

Christliche Freude liegt in der Gegenwart und Nähe Gottes, nicht in seiner Abwesenheit (Apostelgeschichte 2:28). Sie ist so eng mit dem christlichen Glauben verbunden, dass Paulus von „der Freude des Glaubens“ spricht und in manchen Zusammenhängen sogar Freude und Glaube als synonym verwendet (2. Korinther 1:24; Philipper 1:25). Christliche Freude gründet so sehr auf der Größe unseres Herrn und nicht auf unserer eigenen, dass wir Freude selbst in persönlicher Schwäche haben können – nicht trotz, sondern gerade weil unsere Schwäche Gelegenheiten bietet, dass der mächtige Christus seine Stärke zeigt (2. Korinther 12:9). Christliche Freude ist also nicht die Freude, die wir aus unserem eigenen menschlichen Vermögen hervorbringen können, sondern die übernatürliche Freude, die im Heiligen Geist wirkt (Apostelgeschichte 13:52; Römer 15:13; Galater 5:22; 1. Thessalonicher 1:6). Eine solche Freude, anders als die weltliche, befähigt uns, den Raub unserer irdischen Güter zu ertragen, im Wissen, dass wir in Jesus einen besseren und bleibenden Besitz haben (Hebräer 10:34).

Diese Freude ist, anders als die der Welt, letztlich unantastbar durch den Satan, den sündigen Menschen oder widrige Umstände – denn ihre Quelle ist unantastbar. Er ist auferstanden, verherrlicht und herrscht zur Rechten Gottes. Und wenn Jesus selbst die tiefste Quelle unserer Freude ist, dann gilt das, was er selbst sagt: „Niemand wird eure Freude von euch nehmen“ (Johannes 16:22).

2. Kontext: Sorgen, Leid und Mitbrüder

Wenn wir Jesus als die Person der Freude erkennen und seinen Geist als deren Kraft, wenden wir uns von der Quelle zum Kontext. Christliche Freude hängt nicht von irdischen Umständen ab. Natürliche Freude hingegen ist stark von ihnen abhängig, und so finden wir hier einen weiteren Prüfstein für die andere Art von Freude, die Christen haben.

Christliche Freude braucht nicht die ständige Stütze günstiger Umstände, sondern leuchtet am hellsten in und durch Leid und Sorgen. Sie ist eine Freude, die selbst (und gerade!) in Bedrängnis überfließt (2. Korinther 7:4; 8:2). Sie reicht tiefer als die Prüfungen dieses Lebens in all ihren Formen (Jakobus 1:2). Christliche Freude verschwindet, anders als die der Welt, nicht, wenn Ausdauer und Geduld gefordert sind, sondern trägt uns durch die Herausforderung hindurch (Kolosser 1:11; 1. Thessalonicher 1:6). Sie blickt auf die Ewigkeit und nicht nur auf den Augenblick und kann daher selbst Verfolgung ertragen (Matthäus 5:12; 1. Petrus 4:13). Eine solche Freude leitete und trug auch Jesus selbst, als er das Kreuz erduldete (Hebräer 12:2).

Dieser gegenwärtige Kontext erinnert uns daran, dass die christliche Freude in diesem Leben zu dem passt, wo wir uns in Gottes Geschichte befinden. Jesus kam als die Fleisch gewordene Freude, und er ist auferstanden und herrscht. In ihm ist wahre Freude schon jetzt möglich. Doch der gesamte Bogen der Geschichte ist noch nicht vollendet. Die Freuden, die wir in diesem Leben erfahren, sind nicht frei von Beimischung. Bald jedoch wird eine neue Fülle und Tiefe der Freude kommen, wenn alle Tränen, alles Leid und alle Schmerzen endgültig hinter uns liegen. Dennoch gibt es schon jetzt eine Dichte und Fülle der Freude in Christus, die über unsere Zeit der Sünde, Sorgen und Leiden hinausreicht und uns darin trägt.

Und relevant für unseren gegenwärtigen Kontext der Freude sind nicht nur die Herausforderungen von Leid und Sorgen, sondern auch die Jubelrufe unserer Mitgläubigen. Allein ist unsere Freude schmaler; gemeinsam wird sie dichter. Geteilte Freude ist doppelte Freude, wie manche von uns sagen, und wie es die Apostel bezeugten (2. Korinther 2:3; Philipper 4:1; 1. Thessalonicher 2:19–20; 1. Johannes 1:4). So süß war diese doppelte Freude, dass sie das Leiden, das durch das weite Verbreiten und Teilen ihrer Freude entstand, bereitwillig annahmen.

3. Erfahrung: Tiefer, Beständiger, Reiner

Schließlich unterscheidet sich die christliche Freude von der weltlichen in ihrer Erfahrung. Christen bezeugen, eine Freude zu schmecken und eine Erfüllung in Jesus zu genießen, die der weltlichen in Tiefe, Beständigkeit, Festigkeit und Reinheit überlegen ist.

Christen kennen irdische Freuden nicht nur aus unserem Leben vor dem Glauben, sondern auch aus unserem fortwährenden Leben in dieser Welt. Wir kennen die Freuden von Sportspielen und Geburtstagsfeiern. Und wir kennen die Freuden der vom Geist erleuchteten Meditation über Gottes Wort und der Christus-anbetenden Gemeinschaft. Gerechte weltliche Freuden sind echte Freuden und nicht nur für Christen erlaubt, sondern auch gute Gelegenheiten, die geistlichen Freuden zu fördern und zu bereichern. Solche natürlichen Freuden können wir integrieren und Jesus durch Sportspiele und Geburtstagsfeiern wahrhaft genießen. Wir können sie nebeneinanderstellen und vergleichen (wie Paulus es in Philipper 3:4–11 tut). Und kein Christ, der echte, wahre Gemeinschaft mit Jesus erlebt hat, wird behaupten, das Sportspiel sei die größere Freude.

Das bedeutet nicht, dass wir frei von der Sünde in uns wären und frei vom Kampf, unsere Freuden richtig zu ordnen. Doch die Torheit der momentanen Täuschungen der Sünde überlagert nicht die Tiefe, Beständigkeit, Festigkeit und Reinheit des Glücks, das wir in klarem Bewusstsein erfahren haben. In unseren besten Momenten wären wir bereit, alles zu verkaufen, um den Schatz zu besitzen, der Christus ist (Matthäus 13:44). Wir würden in ihm eine Freude finden, die reich genug ist, um Schande und Ehrlosigkeit um seines Willen zu ertragen (Apostelgeschichte 5:41; Hebräer 12:2). Und in dieser Freude würden wir gern geben und uns selbst für andere einsetzen, statt darauf zu achten, von ihnen zu nehmen (2. Korinther 12:15; Apostelgeschichte 20:35).

Jesus war in der Tat ein „Mann der Schmerzen“ (Jesaja 53:3), zugleich aber „gesalbt mit dem Öl der Freude über seine Gefährten hinaus“ (Hebräer 1:9; Psalm 45:7; Jesaja 61:1–3). Er war zutiefst glücklich, aber nicht übermütig. Seine Freude wurde nicht durch den klagenden Ton von Leid und Trauer gemindert; sie war vielmehr noch reicher. Und ebenso ist es mit unserer Freude – eine andere Art von Freude als die der Welt, in ihrer Quelle, ihrem Kontext und ihrer alltäglichen Erfahrung.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Lynn Wiebe.
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