Diese zehn Punkte sind mein persönliches Zeugnis darüber, welche Auswirkungen der Glaube an die fünf Punkte des Calvinismus in meinem Leben hatte.
Ich habe gerade ein Seminar zu diesem Thema abgeschlossen, und die Teilnehmer baten mich, diese Gedanken zu veröffentlichen, damit sie darauf zugreifen können. Das tue ich gern. Die Überlegungen setzen natürlich den Inhalt des Kurses voraus, der online bei Desiring God Ministries verfügbar ist. Dennoch schreibe ich sie hier nieder in der Hoffnung, dass sie andere anspornen mögen, wie die Beröer (Apg 17:11) zu prüfen, ob die Bibel wirklich das lehrt, was ich „Calvinismus“ nenne.
1. Diese Wahrheiten erfüllen mich mit Ehrfurcht vor Gott und führen mich in die Tiefe wahrer, gottzentrierter Anbetung.
Ich erinnere mich an die Zeit, als ich Ende der 70er Jahre am Bethel College den Epheserbrief lehrte und zum ersten Mal die dreifache Formulierung des Ziels von Gottes ganzem Handeln klar sah: „zum Lob der Herrlichkeit seiner Gnade“ (Eph 1:6.12.14).
Diese Einsicht hat mich erkennen lassen, dass wir Gott nicht bereichern können – und dass seine Herrlichkeit daher am hellsten strahlt, nicht wenn wir versuchen, seine Bedürfnisse zu stillen, sondern wenn wir in ihm zufrieden sind als dem Wesen all unseres Tuns. „Denn aus ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei die Ehre in Ewigkeit“ (Röm 11:36). Anbetung wird zu einem Ziel an sich.
Gleichzeitig hat es mich spüren lassen, wie niedrig und unzureichend meine eigenen Affekte sind, sodass die Psalmen des Verlangens lebendig werden und die Anbetung intensiv machen.
2. Diese Wahrheiten bewahren mich davor, mit heiligen Dingen zu spielen.
Eines der Übel unserer Kultur ist Banalität, Niedlichkeit, Cleverness. Das Fernsehen ist der Hauptträger unserer Sucht nach Oberflächlichkeit und Belanglosigkeit.
Gott wird in diesen Sog hineingerissen. So kommt es dazu, dass man mit göttlichen Dingen leichtfertig umgeht.
Ernsthaftigkeit ist in unserer Zeit keineswegs übertrieben. Vielleicht war sie es früher einmal. Und ja, es gibt heute vereinzelt Menschen, die aus dem Gleichgewicht geraten und nie zu entspannter Alltagsrede finden.
Robertson Nicoll sagte über Spurgeon: „Evangelisation vom humorvollen Typ [wir würden heute sagen: gemeindewachstumsorientiert nach Marketing-Manier] mag Menschenmengen anziehen, doch sie legt die Seele in Asche und zerstört die Keime der Religion. Spurgeon wird von denen, die seine Predigten nicht kennen, oft für einen humorvollen Prediger gehalten. Tatsächlich aber gab es keinen Prediger, dessen Tonfall gleichmäßiger ernst, ehrfürchtig und feierlich war.“ (Zitiert in The Supremacy of God in Preaching, S. 57).
3. Diese Wahrheiten lassen mich über meine eigene Errettung staunen.
Nachdem Paulus in Epheser 1 die große, von Gott bewirkte Errettung entfaltet hat, betet er im weiteren Verlauf des Kapitels, dass diese Theologie zur Erleuchtung unserer Herzen führe – damit wir über unsere Hoffnung staunen, über den Reichtum der Herrlichkeit unseres Erbes und über die Kraft Gottes, die in uns wirksam ist, nämlich dieselbe Kraft, die Tote auferweckt.
Jede Grundlage zum Rühmen wird beseitigt. Zerbrochene Freude und tiefe Dankbarkeit breiten sich aus.
Die Frömmigkeit Jonathan Edwards’ beginnt zu wachsen. Wenn Gott uns sowohl einen Vorgeschmack seiner Majestät als auch einen Einblick in unsere eigene Bosheit gegeben hat, wird das christliche Leben zu etwas ganz anderem als konventionelle Frömmigkeit. Edwards beschreibt es herrlich, wenn er sagt:
„Die Begierden der Heiligen, so ernst sie auch sind, sind dennoch demütige Begierden; ihre Hoffnung ist eine demütige Hoffnung, und ihre Freude, selbst wenn sie unaussprechlich und voller Herrlichkeit ist, ist eine demütige, zerbrochene Freude. Sie macht den Christen ärmer im Geist, kindlicher und geneigter zu allgemeiner Niedrigkeit des Verhaltens.“ (Religious Affections, Yale University Press, 1959, S. 339f)
4. Diese Wahrheiten machen mich wachsam gegenüber menschenzentrierten Ersatzbotschaften, die sich als gute Nachricht ausgeben.
In meinem Buch The Pleasures of God (2000), S. 144–145, zeige ich, wie im 18. Jahrhundert in Neuengland das Abrücken von der Souveränität Gottes zu Arminianismus führte und von dort weiter zum Universalismus und schließlich zum Unitarismus. Dasselbe geschah im 19. Jahrhundert in England nach Spurgeon.
Iain Murray dokumentiert in Jonathan Edwards: A New Biography (Edinburgh: Banner of Truth, 1987), S. 454, denselben Verlauf:
„Die calvinistischen Überzeugungen ließen in Nordamerika nach. Im Verlauf des Niedergangs, den Edwards zu Recht erwartet hatte, wandten sich jene kongregationalistischen Gemeinden Neuenglands, die sich nach dem Großen Erwachen dem Arminianismus geöffnet hatten, nach und nach dem Unitarismus und Universalismus zu, angeführt von Charles Chauncy.“
Ähnliches kann man bei J. I. Packer in Quest for Godliness (Wheaton, IL: Crossway Books, 1990), S. 160, lesen: Dort wird beschrieben, wie Richard Baxter diese Lehren verließ und wie die folgenden Generationen in der Baxter-Gemeinde in Kidderminster eine düstere Ernte einholten.
Diese Lehren sind ein Bollwerk gegen vielerlei menschenzentrierte Systeme, die die Gemeinde allmählich von innen heraus korrumpieren und schwach machen, während sie äußerlich stark oder populär erscheinen.
1Tim 3:15: „Die Gemeinde des lebendigen Gottes [ist] der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.“
5. Diese Wahrheiten lassen mich über die unbeschreibliche Krankheit unserer säkularen, gottverachtenden Kultur seufzen.
Ich kann kaum eine Zeitung lesen oder eine Fernsehwerbung oder ein Plakat ansehen, ohne die Last zu spüren, dass Gott darin fehlt.
Wenn Gott die zentrale Realität des Universums ist und als Nicht-Realität behandelt wird, dann erzittere ich vor dem Zorn, der sich ansammelt. Ich bin fähig, erschüttert zu sein. So viele Christen sind mit demselben Betäubungsmittel sediert wie die Welt. Aber diese Lehren sind ein großes Gegengift.
Und ich bete um Erweckung und geistliche Belebung.
Und ich bemühe mich zu predigen, um ein Volk hervorzubringen, das so durchdrungen ist von Gott, dass es Gott überall und jederzeit zeigt und bekennt.
Unsere Existenz dient dazu, die Wirklichkeit Gottes und die Vormacht Gottes über alle Bereiche des Lebens neu zu bekräftigen.
6. Diese Wahrheiten schenken mir die Gewissheit, dass das Werk, das Gott geplant und begonnen hat, er auch vollenden wird – global wie persönlich.
Darum geht es in Römer 8:28–39:
Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Vorsatz berufen sind. 29 Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Bild seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. 30 Die er aber vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; und die er berufen hat, die hat er auch gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, die hat er auch verherrlicht. 31 Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? 32 Er, der sogar seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle dahingegeben hat – wie sollte er uns mit ihm nicht auch alles schenken? 33 Wer will gegen Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, der rechtfertigt. 34 Wer will verurteilen? Christus Jesus ist der, der gestorben, ja mehr noch, der auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und für uns eintritt. 35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Angst oder Verfolgung oder Hungersnot oder Blöße oder Gefahr oder Schwert? 36 Wie geschrieben steht: „Um deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet; wir sind geachtet wie Schlachtschafe.“ 37 Aber in all dem überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat. 38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, 39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendein anderes Geschöpf uns wird scheiden können von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus, unserem Herrn, ist.
7. Diese Wahrheiten lassen mich alles im Licht der souveränen Absichten Gottes sehen – dass aus ihm und durch ihn und zu ihm alle Dinge sind; ihm sei die Ehre in Ewigkeit.
Alles im Leben steht in Beziehung zu Gott. Es gibt keinen Bereich, in dem er nicht von höchster Bedeutung wäre und der nicht von ihm Sinn erhielte (1Kor 10:31).
Wenn ich sehe, wie Gottes souveräner Ratschluss in der Schrift ausgeführt wird, und höre, wie Paulus sagt, dass Gott „alles wirkt nach dem Rat seines Willens“ (Eph 1:11), dann beginne ich, die Welt in diesem Licht zu sehen.
8. Diese Wahrheiten geben mir Hoffnung, dass Gott den Willen, das Recht und die Macht hat, Gebet zu erhören, indem er Menschen verändert.
Die Grundlage des Gebets ist, dass Gott eingreifen und Dinge verändern kann – einschließlich des menschlichen Herzens. Er kann den Willen umkehren. „Geheiligt werde dein Name“ bedeutet: Bewirke, dass Menschen deinen Namen heiligen. „Lass dein Wort laufen und verherrlicht werden“ bedeutet: Öffne Herzen für das Evangelium.
Wir sollten die Verheißungen des Neuen Bundes nehmen und Gott anflehen, sie in unseren Kindern, in unseren Nachbarn und in allen Missionsfeldern der Welt zu erfüllen.
„Gott, nimm das steinerne Herz aus ihrem Fleisch und gib ihnen ein neues Herz aus Fleisch“ (Hes 11:19).
„Herr, beschneide ihre Herzen, damit sie dich lieben“ (Dtn 30:6).
„Vater, lege deinen Geist in sie hinein und bewirke, dass sie nach deinen Satzungen leben“ (Hes 36:27).
„Herr, schenke ihnen Buße und die Erkenntnis der Wahrheit, damit sie dem Fallstrick des Teufels entkommen“ (2Tim 2:25–26).
„Vater, öffne ihr Herz, sodass sie das Evangelium glauben“ (Apg 16:14).
9. Diese Wahrheiten erinnern mich daran, dass Evangelisation absolut notwendig ist, damit Menschen zu Christus kommen und errettet werden, und dass es große Hoffnung auf Frucht gibt – aber dass die Bekehrung letztlich nicht von mir abhängt und nicht durch die Härte des Ungläubigen begrenzt ist.
Das gibt Hoffnung für evangelistische Arbeit, besonders an schweren Orten und unter schwierigen Völkern.
Joh 10:16: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Hof sind; auch sie muss ich bringen. Sie werden auf meine Stimme hören.“
Es ist Gottes Werk. Darum wirf dich mit ganzer Hingabe hinein.
10. Diese Wahrheiten geben mir Gewissheit, dass Gott am Ende triumphieren wird.
Jes 46:9–10: „Ich bin Gott, und sonst keiner; ich bin Gott, und gar keiner ist wie ich; der ich von Anfang an das Ende verkünde und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist; der ich spreche: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und all mein Wohlgefallen werde ich vollbringen.“
Alles zusammengefasst: Gott bekommt die Ehre, und wir bekommen die Freude.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von John Schröder.
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