Das Leben hält schwere Prüfungen und Herausforderungen für uns bereit. Viele davon sind Umstände, auf die wir keinen Einfluss haben. Doch manche der schweren Lasten, die wir tragen, sind Folgen unserer eigenen Sünde. David bekennt das offen: „Denn meine Sünden gehen über mein Haupt; wie eine schwere Last sind sie mir zu schwer geworden“ ().
Auch wenn es keine Verdammnis für die gibt, die in Christus sind (), bleibt verbliebene Sünde belastend. Der anhaltende Kampf gegen sie kann unsere Gemeinschaft mit Gott stören, anderen Menschen Schmerz bereiten und unser geistliches Leben zermürben.
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben: Wir kämpfen mit Stolz, wir beneiden andere, wir reagieren oft vorschnell und zornig, wir setzen uns auf Kosten anderer in Szene – mal offen, mal subtil – und wir suchen die Anerkennung von Menschen, statt alles zur Ehre Gottes zu tun. In Anlehnung an Coleridges Gedicht „The Rime of the Ancient Mariner“ hängt uns die Sünde wie ein Albatross um den Hals und drückt uns nieder.
Der Apostel Paulus ringt mit der Schwere der Sünde: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leib?“ (). Die Antwort folgt im nächsten Vers: „Gott sei Dank durch Jesus Christus, unsern Herrn!“ (V. 25).
Wenn wir über diese wunderbare Errettung nachdenken, kommen uns meist die Verheißungen des Evangeliums in den Sinn: ewiges Leben, Vergebung der Sünden, Rechtfertigung, das ewige Leben in Gottes Gegenwart. Das alles gehört wesentlich zu unserem zukünftigen Erbe. Aber es lohnt sich, einen Aspekt der Errettung näher zu beleuchten, der oft übersehen oder zumindest zu wenig gewürdigt wird: Eines Tages werden wir vollständig von der Sünde befreit sein.
Neues Leben – prophezeit
Gottes Plan, seinem Volk neues Leben zu schenken, beginnt bereits im alten Bund. In ruft der Herr sein Volk dazu auf, ihn mit ganzem Herzen zu lieben und ihm zu dienen. Über sein Gesetz sagt er: „Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen“ (V. 6). Doch wegen der Sünde und der Verstocktheit der Herzen wird die Verwirklichung dieser dieses Ideals in eine ferne Zukunft verschoben.
Die Sünde hängt uns wie ein toter Albatross um den Hals und drückt uns nieder.
Durch den Propheten Hesekiel kündigt der Herr eine Zeit an, in der dieses Ideal Wirklichkeit wird: „Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und will das steinerne Herz aus ihrem Leibe nehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben, damit sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte halten und danach tun“ ().
An anderer Stelle heißt es:
Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Satzungen wandeln und meine Rechte halten und danach tun. ()
In ähnlicher Weise beschreibt der Prophet Jeremia diese Wirklichkeit des neuen Bundes: Gott wird sein Gesetz in sein Volk hineingeben und es in ihre Herzen schreiben ().
Neues Leben – angebrochen
Die Verheißungen des alten Bundes finden ihre erste Erfüllung im neuen Bund. Das Neue Testament ist reich an Stellen, die das neue Leben der Glaubenden in Christus beschreiben. Der Abschnitt, der diese endzeitliche Wirklichkeit am vollständigsten entfaltet, ist . Paulus hebt zwei Heilswirklichkeiten hervor: Glaubende sind tot für die Sünde und lebendig in Christus (V. 1–14), und sie sind nicht länger Sklaven der Sünde, sondern Sklaven der Gerechtigkeit (V. 15–23).
Die Rolle des Heiligen Geistes wird hier nicht ausdrücklich erwähnt, aber der größere Kontext macht deutlich, dass diese Wirklichkeiten von der Kraft des Geistes im Leben der Glaubenden abhängen (vgl. ; 8:1–27).
In betont Paulus, dass unsere Einheit mit Christus bedeutet: Wir sind der Sünde gestorben und haben in Christus neues Leben empfangen (V. 2–4). Dieses neue Leben bringt einen neuen Herrn und eine neue Ausrichtung mit sich. Waren wir früher Sklaven der Sünde (V. 17), so sind wir jetzt Sklaven der Gerechtigkeit (V. 18).
Paulus‘ Schwerpunkt in Kapitel 6 liegt auf der Heiligung, doch Gottes Werk gipfelt in der Verherrlichung. Die Lehre von der Verherrlichung besagt, dass Gott uns bei der Wiederkunft Christi zu einem verherrlichten Dasein auferwecken wird, um mit Christus ewig über die neue Schöpfung zu herrschen. Ein weiterer entscheidender Aspekt der Verherrlichung ist, dass Gott uns dann auch von der Gegenwart der Sünde befreien wird.
In der Zukunft wird Gott sein Gesetz vollständig in unsere Herzen und Gedanken schreiben () und uns ganz dazu befähigen, seinen Satzungen zu folgen, seinen Satzungen zu folgen und seine Gebote zu halten (; 36:27). Dann werden wir vollkommen tot für die Sünde, lebendig für Gott und Sklaven der Gerechtigkeit sein (). Der Apostel Johannes unterstreicht diese Hoffnung, wenn er schreibt: „wenn er [Christus] erscheinen wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ ().
Neues Leben – erfahren
Angesichts von Gottes Heilsplan sollten wir erkennen: Vergebung der Sünden allein ist nicht genug. Die gute Nachricht lautet: Gottes Heilsabsicht besteht nicht nur darin, zu vergeben, sondern uns auch neu, heilig und gerecht zu machen.
Gottes Heilsabsicht besteht nicht nur darin, zu vergeben, sondern uns auch neu, heilig und gerecht zu machen.
In schreibt der Apostel, dass ein Mensch Sklave dessen ist, was ihn beherrscht. Bob Dylan singt: „You’re gonna have to serve somebody.“ Und Jesus lehrt: „Niemand kann zwei Herren dienen“ (). Anders als viele meinen, ist wahre Freiheit nicht die Freiheit von jeder Bindung – Petrus, Bob Dylan und Jesus machen auf unterschiedliche Weise deutlich, dass dies unmöglich ist. Wahre Freiheit ist also die Knechtschaft unter die Gerechtigkeit.
In dem Kirchenlied „There Is a Fountain Filled with Blood“ jubelt William Cowper: „Dear dying Lamb, Thy precious blood / Shall never lose its pow’r, / Till all the ransomed Church of God / Be saved, to sin no more.“ Errettet, um nicht mehr zu sündigen. Keine sündigen Worte und Taten mehr, die uns selbst oder anderen Schaden zufügen. Kein sündiger Stolz mehr. Keine Zornesausbrüche mehr. Keine spöttischen und verletzenden Kommentare mehr. Die Ketten der Sünde, die uns niederdrückten, werden gesprengt sein.
Was für ein herrliches ewiges Leben werden wir erfahren, wenn wir nicht mehr von der Sünde niedergedrückt werden. Erst dann werden wir „die herrliche Freiheit der Kinder Gottes“ erleben ().