„Folge deinem Herzen“ ist ein Glaubenssatz, den Milliarden von Menschen vertreten. Es ist ein Ausdruck des Glaubens an einen der großen popkulturellen Mythen der westlichen Welt, ein Evangelium, das in vielen unserer Geschichten, Filme und Lieder verkündet wird.
Im Wesentlichen ist es der Glaube, dass dein Herz ein innerer Kompass ist, der dich zu deinem wahren Norden führt, wenn du nur den Mut hast, ihm zu folgen. Es besagt, dass dein Herz ein verlässlicher Wegweiser ist, der dich zu wahrem Glück führt, wenn du nur den Mut hast, auf es zu hören. Dieser Glaubenssatz sagt, dass du verloren bist und dass dein Herz dich retten wird.
Dieser Gedanke kann so einfach, schön und befreiend klingen. Für Menschen, die sich verloren fühlen, ist es ein verlockendes Evangelium, an das man glauben möchte.
Bis man erkennt, dass das eigene Herz soziopathische Neigungen hat. Denk einmal darüber nach: Was sagt dir dein Herz?
Bitte antworte nicht. Wahrscheinlich hat dein Herz heute Dinge gesagt, die du lieber nicht wiederholen würdest. Meines jedenfalls schon. Mein Herz sagt mir, dass sich die ganze Wirklichkeit meinen Wünschen unterordnen sollte. Mein Herz denkt gern das Beste von mir und das Schlechteste von anderen, außer diese anderen denken gut von mir; dann sind sie wunderbare Menschen. Aber wenn sie nicht gut von mir denken oder auch nur anderer Meinung sind, dann stimmt offenbar etwas mit ihnen nicht. Und während mein Herz über meine Vorzüge und die Fehler anderer nachdenkt, kann es plötzlich irgendeinen unmoralischen oder zutiefst zornigen Gedanken äußerst attraktiv finden.
Das Motto „Folge deinem Herzen“ findet sich jedenfalls nicht in der Bibel. Die Bibel sieht unser Herz vielmehr als krank an: „Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?“ (). Jesus, der große Arzt, nennt die erschreckenden Symptome dieser Krankheit: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, sexuelle Unmoral, Diebstahl, falsche Zeugnisse und Verleumdungen“ (). Das klingt nicht gerade nach einer vertrauenswürdigen Führungskraft.
Die Wahrheit ist: Niemand belügt uns häufiger als unser eigenes Herz. Niemand. Wenn unsere Herzen Kompasse sind, dann sind sie wie der Kompass von Jack Sparrow. Sie zeigen uns nicht die Wahrheit; sie zeigen uns nur das, was wir wollen. Wenn unsere Herzen Wegweiser sind, dann gleichen sie Gothel. Sie sind nicht wohlwollend, sondern krankhaft selbstsüchtig. Tatsächlich werden wir jeden Wunsch, jede Schönheit, jeden Menschen, jedes Wunder und jede Freude verdrehen und entwerten, wenn wir einfach tun, was unser Herz uns sagt. Unsere Herzen wollen all diese Dinge für den eigenen Ruhm und die eigene Selbstbefriedigung vereinnahmen.
Nein, unsere Herzen werden uns nicht retten. Wir müssen vor unseren Herzen gerettet werden.
Unsere Herzen wurden niemals dafür geschaffen, ihnen zu folgen, sondern dafür, geführt zu werden. Unsere Herzen wurden niemals dazu geschaffen, Götter zu sein, an die wir glauben; sie wurden dafür geschaffen, an Gott zu glauben.
Wenn wir unsere Herzen zu Göttern machen und sie bitten, uns zu führen, werden sie uns in selbstbezogenes Elend und letztlich ins Verderben führen. Sie können uns nicht retten, denn das Problem unseres Herzens ist der Kern unseres Problems. Wenn unsere Herzen jedoch an Gott glauben, so wie sie dazu geschaffen wurden, dann rettet Gott uns () und führt unsere Herzen zu überströmender Freude ().
Darum: Vertraue nicht auf dein Herz, sondern richte dein Herz darauf aus, Gott zu vertrauen. Folge nicht deinem Herzen; folge Jesus. Beachte, dass Jesus zu seinen Jüngern nicht sagte: „Eure Herzen sollen nicht erschrecken; glaubt einfach an eure Herzen.“ Er sagte: „Euer Herz erschrecke nicht. Glaubt an Gott und glaubt an mich“ ().
Auch wenn dein Herz heute versuchen wird, dich zu lenken, folge ihm nicht. Es ist kein Hirte. Es ist ein eingebildetes Schaf, das aufgrund der noch vorhandenen Sünde sogar einige wolfsähnliche Eigenschaften besitzt. Folge ihm nicht, und sei vorsichtig damit, überhaupt auf es zu hören. Denke daran: Dein Herz sagt dir nur, was du willst, nicht wohin du gehen solltest. Höre ihm daher nur insoweit zu, dass du erkennst, was es dir über deine Wünsche verrät, und bringe dann deine Wünsche, die guten wie die bösen, als Bitten und Bekenntnisse zu Jesus.
Jesus ist dein Hirte (; ). Höre auf seine Stimme in seinem Wort und folge ihm nach (). Lass ihn, wie es in einem bekannten Kirchenlied heißt, das „Herz deines Herzens“ sein, was auch immer geschehen mag. Er ist die Wahrheit, er ist der Weg, und er wird dich zum Leben führen ().
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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Über den Autor
Autor
Jon Bloom ist Mitbegründer von Desiring God, Autor mehrerer Bücher und über 750 Artikeln zu Glaube und Nachfolge. Er lebt mit seiner Frau Pam und ihren fünf Kindern in den USA.
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