Sonstiges zur Bibel

„Ich verstehe nicht, was ich lese“ – Schlechte Gründe, die Bibel zu vernachlässigen

Brian Tabb7 Min. LesezeitQuelle: Desiring God

Auf einen Blick

Viele Christen scheitern beim regelmäßigen Bibellesen – an Verwirrung, Langeweile oder Entmutigung. Dieser Artikel zeigt drei konkrete Strategien, wie du tiefer in Gottes Wort eindringen kannst: durch Gebet, gezieltes Fragen und hilfreiche Studienwerkzeuge.

Jeder Christ, der die Bibel von Anfang bis Ende lesen möchte, stößt dabei auf Hindernisse. Unbekannte Orte, fremdartige Bräuche, scheinbar endlose Namenslisten, offensichtliche Spannungen – diese und andere Schwierigkeiten bringen selbst erfahrene Gläubige ins Stocken. Viele gut gemeinte Leseplane enden abrupt irgendwo bei den blutigen Opfern in Levitikus, den Landverteilungen in Josua, den Stammbäumen in Chronik oder den Reden in Hiob. Und selbst wer sich in die vertrauten Psalmen flüchtet, begegnet dort bitteren Klagen und schroffen Verwünschungen!

Dieser Artikel empfiehlt drei Strategien, die Bibellesern helfen sollen, Entmutigung, Trockenheit und andere Hindernisse zu überwinden – und so beständig geistlichen Nutzen aus Gottes Wort zu schöpfen: Bete um Erleuchtung. Stelle Fragen, um Einsicht zu gewinnen. Nutze Studienwerkzeuge zur Unterweisung.

Bete um Erleuchtung

Eines sei von Anfang an klar: Die Bibel ist kein gewöhnliches Buch. Der souveräne Gott spricht zu uns in seinem verlässlichen und wahren Wort – und wir brauchen Gott, damit er unsere Augen und Herzen öffnet, sodass wir das Offenbarte richtig sehen und wirklich glauben. Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus hörten, wie Jesus die Schriften auslegte, aber sie verstanden erst, als ihre Augen geöffnet wurden und sie den lebendigen Herrn Jesus erkannten, der die ganze Zeit offen vor ihnen war ().

Wir brauchen diese Art geistlicher Sehkraft, um die geistlichen Wirklichkeiten in Gottes Buch zu erfassen. Deshalb lehrt uns Gottes Wort zu beten:

Öffne mir die Augen, dass ich sehe die Wunder an deinem Gesetz. ()

Fülle uns früh mit deiner Gnade, so wollen wir rühmen und fröhlich sein unser Leben lang. ()

Wir wollen die Bibel nicht nur regelmäßig lesen, sondern sie auf übernatürliche Weise lesen. Wir wollen die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu schauen und glauben, dass er alles ist, was wir brauchen.

Stelle Fragen, um Einsicht zu gewinnen

„Erwirb Weisheit, erwirb Einsicht; vergiss nicht und weiche nicht ab von den Worten meines Mundes“ (). Wir suchen Einsicht in das Buch, das Gott uns gegeben hat – und wir gewinnen diese Einsicht durch ein betendendes, sorgfältiges und aktives Lesen.

„Denk daran: Gottes Wort ist verlässlich und wahr; es ist begehrenswerter als Gold und süßer als Honig.“

Diese Art des Lesens ist in unserer heutigen Welt radikal gegen den Strom. Smartphones haben eine ganze Generation darauf konditioniert, endlose Ströme von Unterhaltung, sozialen Medien und Nachrichten zu scrollen und anzuklicken. Wir brauchen einen anderen Umgang mit der Bibel – einen, der uns dazu bringt, Tag und Nacht über Gottes Wort nachzudenken (). Neben dem beständigen Gebet ist der beste Weg, oberflächlichem, passivem Lesen entgegenzuwirken und tiefes, aktives Engagement mit Gottes Wort zu fördern, das Stellen von Fragen beim Lesen. Nutze die einfachen Fragen, die du in der Schule gelernt hast: Wer? Was? Wann? Wo? Warum? Wie?

Betrachten wir als Fallbeispiel. Ein geübter Vorleser braucht etwa vier Minuten für diese 26 Verse. Aber du kannst Stunden damit verbringen, dieses Kapitel zu studieren, ohne seinen Reichtum zu erschöpfen. Lukas‘ Bericht wirft eine Reihe von Fragen auf:

  • Wer ist Theophilus? Warum wird er in Vers 1 erwähnt?
  • Warum sagt der Autor, dass „Jesus anfing zu tun und zu lehren“? Was impliziert diese Formulierung über Christi fortlaufendes Werk nach seiner Himmelfahrt?
  • Wann würden die Jünger „mit dem Heiligen Geist getauft“ werden?
  • Wie verhält sich Jesu Belehrung in den Versen 7–8 zur Frage der Jünger in Vers 6?
  • Welche Schriftstellen zitiert Petrus, um den Abfall des Judas und die Notwendigkeit eines zwölften Apostels zu erklären?
  • Warum losen die Jünger? Begründet das ein Muster, dem wir folgen sollen?

Das sorgfältige Ringen mit solchen Fragen zwingt uns dazu, über das Gesagte Gottes nachzudenken und tieferes Verständnis zu suchen ().

Nutze Studienwerkzeuge zur Unterweisung

Wie finden wir befriedigende Antworten auf unsere Fragen zu Gottes Wort? Konzentrieren wir uns auf drei Arten von Hilfsmitteln, die nachdenklichen Christen helfen können, im Bibellesen und Bibelstudium wirksamer voranzukommen.

Werkzeug 1: Studienbibeln

Eine gute Studienbibel hilft Lesern, Gottes Wort tiefer zu verstehen – durch Einleitungen zu jedem Buch, Querverweise, Erklärungsnotizen, Karten, Tabellen, eine Konkordanz und mehr. Wer mehrere Studienbibeln besitzen möchte, ist gut beraten. Empfehlenswert als Einstieg ist die ESV Study Bible, die nach wie vor eine bemerkenswert ausgewogene und nützliche Ressource darstellt, erarbeitet von einem Team aus fast hundert Wissenschaftlern.

Leser sollten dabei die Autorität des gottgeatmeten Bibeltextes nicht mit den darunter stehenden Kommentaren gleichsetzen. Die Herausgeber geben in ihrer Einleitung folgenden Rat:

Die beste Weise, eine Studienbibel zu nutzen, … besteht immer darin, mit den Worten der Bibel zu beginnen und mit ihnen zu enden. Wir sollten immer zuerst den tatsächlichen Wortlaut der Bibel lesen und dabei mit Herz und Verstand danach suchen, diese Worte zu verstehen und auf unser Leben anzuwenden. Erst danach, nachdem wir mit dem Bibeltext selbst begonnen haben, können wir uns den Studiennotizen und anderen Ressourcen der Studienbibel zuwenden. … Schließlich sollten wir wieder zur Bibel selbst zurückkehren und sie mit einem neuen und tieferen Verständnis lesen – und Gott bitten, durch sein Wort in unsere Lebenssituation zu sprechen und uns sich selbst näher zu bringen.

Ein wichtiges, aber oft übersehenes Merkmal sind die achtzigtausend Querverweise, die dem Bibeltext zur Seite gestellt sind. Die bedeutsamsten und erhellendsten darunter sind Zitate und Anspielungen auf alttestamentliche Texte im Neuen Testament. Das Nachschlagen dieser bibelübergreifenden Verbindungen hilft uns zu erkennen, wie Gott seine uralten Verheißungen erfüllt und seine souveränen Absichten verwirklicht.

Werkzeug 2: Bibellexika

Ein Bibellexikon enthält Hunderte von alphabetisch geordneten Artikeln zu den Büchern, Personen, Orten, Ereignissen, Bräuchen und zentralen Konzepten der Bibel. Manche Lexika sind für Wissenschaftler konzipiert, andere eignen sich besser für Studierende und Gemeindemitglieder, wie das New Bible Dictionary oder das New Dictionary of Biblical Theology. Diese Hilfsmittel sind besonders nützlich für Leser, die Fragen an den Bibeltext stellen und eine Zusammenfassung der biblischen Lehre zu einem bestimmten Thema mit weiterführenden Belegen suchen. Die Kombination aus einer guten Studienbibel und einem Bibellexikon kann geduldigen Lesern helfen, schwierige Passagen zu erschließen und im Bibelstudium durchzuhalten.

Werkzeug 3: Bibelkommentare

Pastoren und Theologiestudenten schätzen Kommentare seit jeher. Charles Spurgeon nannte die Bibelkommentatoren „eine ruhmreiche Armee … deren Bekanntschaft euch Freude und Gewinn bringen wird.“ Andernorts habe ich über Sinn, Wert und Grenzen von Kommentaren nachgedacht und Empfehlungen für jedes Buch des Neuen Testaments gegeben.

Der Hauptgrund, einen Kommentar zu Rate zu ziehen, ist ein genaueres Verständnis der Bedeutung von Gottes geschriebenem Wort. Leser können am meisten von Kommentaren profitieren, wenn sie einen Abschnitt der Schrift bereits selbst studiert haben und konkrete Fragen mitbringen, die sie beantworten wollen. Wer zum Beispiel durcharbeitet, fragt sich vielleicht, was es mit den verschiedenen Orten auf sich hat, die Paulus und Barnabas bereisen – Seleukia, Zypern, Salamis, Antiochia und so weiter. Man ist vielleicht nicht vertraut mit der Rolle eines römischen Prokonsuls und überrascht, dass ein jüdischer Prophet Zauberei betreibt. Man hat möglicherweise Fragen zu Paulus‘ verschiedenen Namen, zu jüdischen Synagogen und dazu, wie und warum Paulus alttestamentliche Stellen wie und anführt.

Für alle, die keine Hausbibliothek besitzen, könnte der Gospel Coalition Bible Commentary ein guter Ausgangspunkt sein. Zu den empfehlenswertesten einbändigen Kommentaren zählen der Commentary on the New Testament Use of the Old Testament und der New Bible Commentary. Wer einen mehrbändigen Kommentar sucht, kann den ESV Expository Commentary in Betracht ziehen. Oder wenn du ein bestimmtes Buch der Bibel studieren möchtest, investiere in ein oder zwei hervorragende exegetische Kommentare von Wissenschaftlern wie Tom Schreiner, Doug Moo oder D. A. Carson.

Worte des Lebens und des Staunens

Wer die Bibel regelmäßig und vollständig lesen will, stößt unweigerlich auf Hindernisse aller Art. Vielleicht lenkt dich dein Smartphone oder dein Terminkalender ab; vielleicht bist du entmutigt im Kampf gegen die Sünde; vielleicht verwirrt dich der Inhalt dieses alten Textes und du fragst dich, was er mit deinen heutigen Problemen zu tun haben soll.

Denk daran: Gott spricht zu uns durch dieses Buch, und wir leben von jedem Wort, das aus seinem Mund kommt (). Denk daran: Gottes Wort ist verlässlich und wahr (); es ist begehrenswerter als Gold und süßer als Honig (). Wir können Gott und uns selbst nicht richtig erkennen ohne das Buch, das er uns gegeben hat. Darum: Halte durch im betenden, geduldigen, beharrlichen Bibellesen – und finde Leben nach Gottes Wort ().

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.

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Über den Autor

Brian Tabb

Brian Tabb

Autor

Brian Tabb ist Präsident und Professor für Bibelwissenschaften am Bethlehem College and Seminary, Chefredakteur von „Themelios“ und Autor zahlreicher Bücher, darunter „After Emmaus“ und „All Things New“. Er und seine Frau Kristin haben vier Kinder und sind Mitglieder der North Church.

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