Mit der Weihe von vier neuen Bischöfen ohne päpstliches Mandat hat die Priesterbruderschaft St. Pius X. (FSSPX) den schwersten Konflikt mit dem Heiligen Stuhl seit fast vier Jahrzehnten ausgelöst. Trotz eindringlicher Warnungen von Papst Leo XIV. fand die Weihe am Mittwoch im Internationalen Priesterseminar in Écône (Schweiz) statt. Hauptkonsekrator war Bischof Alfonso de Galarreta, unterstützt von Bischof Bernard Fellay.
Nur wenige Tage vor der Zeremonie hatte Papst Leo XIV. einen ungewöhnlich persönlichen Brief an den Generaloberen der Bruderschaft, Davide Pagliarani, veröffentlicht. Darin bat er die Verantwortlichen eindringlich, auf die Weihen zu verzichten und den Weg der Einheit mit der Kirche nicht zu verlassen.
Der Papst erinnerte daran, dass die Einheit mit dem Nachfolger des Apostels Petrus zum Wesen der katholischen Kirche gehört. Zugleich machte er deutlich, dass unerlaubte Bischofsweihen einen schismatischen Akt darstellen und nach dem Kirchenrecht schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen können.
Die Piusbruderschaft begründet ihr Vorgehen mit einem kirchlichen „Notstand“. Nach ihrer Auffassung müsse sie ihre sakramentale und priesterliche Arbeit langfristig sichern. Die vier neu geweihten Bischöfe sollen künftig Firmungen spenden, Priester weihen und die weltweit wachsenden Distrikte der Bruderschaft betreuen.
Nach eigenen Angaben zählt die Gemeinschaft heute mehr als 700 Priester, zahlreiche Seminare, Schulen und Priorate auf allen Kontinenten. Sie sieht sich als Bewahrerin der katholischen Tradition und begründet die Weihen mit der Verantwortung gegenüber ihren Gläubigen.
Der Konflikt zwischen Rom und der Piusbruderschaft beschränkt sich nicht auf die Liturgie. Zwar ist die Feier der überlieferten Messe ein wichtiges Anliegen der Gemeinschaft, die tieferen Differenzen betreffen jedoch vor allem die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Die Bruderschaft lehnt unter anderem die Konzilslehre zur Religionsfreiheit, den ökumenischen Dialog sowie verschiedene Aussagen über das Verhältnis zu anderen Religionen ab. Nach ihrer Auffassung stehen diese Aussagen nicht vollständig im Einklang mit der bisherigen kirchlichen Tradition. Rom hingegen betrachtet das Zweite Vatikanische Konzil als verbindlichen Bestandteil des authentischen Lehramtes der Kirche.
Die Ereignisse wecken unweigerlich Erinnerungen an das Jahr 1988. Damals weihte Erzbischof Marcel Lefebvre ebenfalls ohne Zustimmung Papst Johannes Pauls II. vier Bischöfe in Écône. Der Papst bezeichnete diesen Schritt als schismatischen Akt. Die beteiligten Bischöfe wurden exkommuniziert; diese Exkommunikationen wurden 2009 zwar aufgehoben, der kirchenrechtliche Status der Bruderschaft blieb jedoch bis heute ungeklärt.
Nach dem geltenden Kirchenrecht zieht eine unerlaubte Bischofsweihe grundsätzlich die automatische Exkommunikation der unmittelbar Beteiligten nach sich. Ob und in welcher Form der Vatikan diesen Tatbestand offiziell feststellt oder weitere kirchenrechtliche Maßnahmen ergreift, bleibt abzuwarten.
Kirchenrechtler gehen jedoch davon aus, dass die Weihen die Gespräche zwischen Rom und der Piusbruderschaft auf unbestimmte Zeit erheblich belasten werden. Gleichzeitig betont der Vatikan weiterhin seine Bereitschaft zum Dialog – allerdings auf der Grundlage der Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils und der kirchlichen Autorität des Papstes.
Die aktuelle Entwicklung ist für viele Katholiken schmerzhaft. Die Kirche lebt von ihrer Einheit im Glauben und in der Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri. Deshalb sind die Gläubigen aufgerufen, für Papst Leo XIV., für die Verantwortlichen der Piusbruderschaft und für eine Versöhnung in Wahrheit und Liebe zu beten.
Wie Christus selbst im Johannesevangelium betet: „Alle sollen eins sein“ (). Gerade in Zeiten kirchlicher Spannungen bleibt dieses Gebet Auftrag und Hoffnung der ganzen Kirche.
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