Apologetik & Weltanschauungen
Die Grußformel „Assalamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh“ (ٱلسَّلَامُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ ٱللَّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ) bedeutet wörtlich „Friede sei mit euch und die Gnade Gottes und seine Segnungen“. Diese Formulierung wird heute primär mit der islamischen Kultur assoziiert. Eine historische und sprachwissenschaftliche Analyse zeigt jedoch, dass sie bereits in den jüdischen und christlichen Traditionen existierte und erst später in den islamischen Kontext übernommen wurde.
Die hebräische Grußformel „Shalom aleichem“ (שָׁלוֹם עֲלֵיכֶם) kann mit „Friede sei mit euch“ übersetzt werden. Der Begriff Shalom umfasst im hebräischen Sprachgebrauch mehr als nur die Abwesenheit von Konflikt; er impliziert einen Zustand der Vollkommenheit, Sicherheit und göttlichen Fürsorge.
Diese Grußformel war bereits in der Antike eine übliche Begrüßung im jüdischen Kontext. Ihre Verwendung ist in der Tora dokumentiert, etwa in :
וַיֹּ֥אמֶר הַזָּקֵ֖ן שָׁל֣וֹם לָ֑ךְ
(Wajomer ha-zaken: Shalom lakh – „Der Alte sagte: Friede sei mit dir.“)
Sie wurde sowohl im alltäglichen Leben als auch in religiösen Zusammenhängen gebraucht.
Die hebräisch-aramäische Grußformel wurde auch von Jesus Christus und seinen Jüngern verwendet. Mehrere Passagen des Neuen Testaments dokumentieren die Nutzung dieser Begrüßung. Die Formel erscheint dabei nicht nur als konventionelle Begrüßung, sondern auch als theologisch bedeutsame Botschaft, insbesondere im Kontext der Auferstehungserzählungen.:
Die frühchristliche Tradition entwickelte die Begrüßung weiter, indem sie den Friedensgruß mit Wünschen nach göttlicher Gnade, Barmherzigkeit und Liebe kombinierte. Der arabische Ausdruck raħma entspricht dem christlichen Begriff „Gnade“1 , welches im Neuen Testament zentral sind. :
Diese Ergänzungen zeigen, dass sich die christliche Begrüßung über den bloßen Wunsch nach Frieden hinaus entwickelte und zusätzliche Segenswünsche umfasste.
Spätestens mit der Ausbreitung des Christentums in arabischsprachige Regionen wurde die hebräische Grußformel „Shalom aleichem“ („Friede sei mit euch“) in verschiedene semitische Sprachen übertragen. Bereits die syrisch-aramäische Peschitta überliefert diese Begrüßung, z. B. in mit den Worten:
ܫܠܳܡܳܐ ܥܰܡܟܽܘܢ (šlāmā ʿamkun – „Friede [sei] mit euch“).
Ausgehend von dieser aramäischen Tradition wurde die Formel auch in frühen arabischen Bibelübersetzungen übernommen. So lautet Jesu Begrüßung an die Jünger in in arabischen Handschriften:
سَلامٌ لكُم (salāmun lakum – „Friede sei mit euch“).
Auch nach der islamischen Expansion blieb diese Grußformel Teil des arabisch-christlichen Sprachgebrauchs. Bis heute verwenden orientalische Christen ebenso wie viele andere arabischsprachige Gruppen die Wendung „as-salāmu ʿalaykum“ in Alltag und Liturgie.2
Die Übernahme der Grußformel „As-salāmu ʿalaykum“ in den Islam erfolgte im Kontext der bereits bestehenden jüdisch-christlichen Traditionen. Während der Prophet Mohammed den Friedensgruß unter Muslimen etablierte, zeigen sowohl die Sunna als auch islamische Rechtswerke, dass die Verwendung der Grußformel primär innerhalb der muslimischen Gemeinschaft vorgesehen war. In einem überlieferten Hadith wird Mohammed mit den Worten zitiert:
„Wenn die Schriftbesitzer euch grüßen (sallama ʿalaikum ahlu l-kitāb), dann erwidert: (wa)-ʿalaikum“ (Ṣaḥīḥ Muslim 2163).
Dies bedeutet, dass Muslimen geraten wurde, den Friedensgruß nicht in voller Form gegenüber Nicht-Muslimen zu verwenden, sondern lediglich mit „wa-ʿalaikum“ (wörtlich: „und auf euch“) zu antworten. Die klassische islamische Rechtslehre reflektiert diesen Standpunkt und unterscheidet zwischen dem intra-muslimischen Gebrauch des vollständigen Friedensgrußes und einer reduzierten Antwort gegenüber Nicht-Muslimen.
Mohammed übernahm nicht nur diese Grußformel, sondern viele andere christliche Werte, Geschichten und Konzepte. In der Bibel sind viele der Geschichten aus dem Koran bereits enthalten, was selbst zu Mohammeds Lebzeiten kritisiert wurde. Der Koran selbst erwähnt mehrfach, dass die Menschen seiner Zeit ihn darauf hinwiesen, dass seine Erzählungen lediglich Übernahmen aus früheren Religionen sind:
Diese Verse zeigen, dass die Menschen zur Zeit Mohammeds seine „Offenbarungen“ bereits kannten und als Nachahmung bereits existierender religiöser Überlieferungen betrachteten. Die Übernahme christlicher Werte und Begrüßungen fügt sich nahtlos in dieses Muster ein.
Es bleibt die Frage: War Mohammed wirklich ein Prophet mit neuen Offenbarungen, oder hat er lediglich bestehende religiöse Konzepte adaptiert und sie als neue Religion präsentiert? Die starken Parallelen und die Kritik seiner Zeitgenossen lassen zumindest Raum für Zweifel.
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