Bereust du manchmal, dass Gott dich gerettet hat?
Israel tat es.
Generationen lang hatten sie zu Gott um Befreiung geschrien. Dann hörten sie, wie Gott dem Pharao befahl, sein Volk ziehen zu lassen, und sahen, wie er zehn Plagen sandte. In jubelnder Freude zogen sie durch das Rote Meer zum Berg Sinai, wo sie mit ihrem Erlöser einen Bund schlossen. Hier erwarten wir das Happily-Ever-After. Stattdessen sehen wir, wie Israel vom Gipfel ihrer Rettung herabsteigt, am erlegten Drachen vorbeizieht – und beginnt, ihren König in Frage zu stellen, ihm zu misstrauen, es zu bereuen, dass er überhaupt für sie gekommen war. Und das am Beginn der Flitterwochen.
Eine Klage folgt der anderen. Sie haben kein Wasser – sie murren. Sie haben kein Essen – sie murren. Sie haben nicht die richtige Art von Essen – sie murren. Mehr noch: Sie weinen. Sie haben ein unstillbares, heftiges Verlangen nach Fleisch, nicht nach Wunderbrot. Wurde sie wirklich aus der Sklaverei befreit, um jetzt Vegetarierin zu sein?
Da beginnt sie sich zu erinnern.
Und die Israeliten weinten wieder und sprachen: Wer gibt uns Fleisch zu essen? Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und an die Gurken, Melonen, Lauch, Zwiebeln und Knoblauch. Aber nun ist unsere Seele matt; unsere Augen sehen nichts als das Manna. ()
Ihre frühere Beziehung war von Missbrauch geprägt – aber wenigstens war sie gut versorgt. Sie vermisst jene Tage, die Zeit vor Gottes Eingreifen. Mose und der Herr hören, dass „das Volk weinte, ein jeder an seiner Zelttür, von Sippe zu Sippe. Da entbrannte der Zorn des HERRN sehr, und es missfiel Mose auch“ (). Das Volk fragt laut: „Wer gibt uns Fleisch zu essen? Denn es ging uns wohl in Ägypten“ ().
Israel ist untröstlich. Mose ist am Ende. Der Herr ist zutiefst erzürnt.
Sie wollen Fleisch? Sie sollen es haben. Gott verspricht: Ihr werdet es essen, „bis es euch zu den Nasen herauskommt und ihr Ekel davor bekommt, weil ihr den HERRN, der unter euch ist, verworfen und vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir aus Ägypten ausgezogen?“ ().
Der Herr lässt einen gewaltigen Wind Wachteln ins Lager treiben. Den ganzen Tag, die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag sammeln sie riesige Mengen davon. „Während das Fleisch noch zwischen ihren Zähnen war und noch nicht verzehrt war, entbrannte der Zorn des HERRN über das Volk, und der HERR schlug das Volk mit einer sehr großen Plage“ (). Sie hatten den Herrn um des Essens willen verworfen. Manche kamen kaum dazu, ein paar Bissen zu nehmen, bevor das Gericht sie traf. Der Friedhof erhielt den Namen „Kibroth-Hattaawa“ – Das Grab der Gier.
Der Hunger des Abtrünnigen
Lasst uns von diesen Menschen lernen, „damit wir nicht nach dem Bösen begehren, wie jene begehrten“ (). Wie konnten so viele von ihnen so schnell vom Gipfel der Errettung fallen? Wir können die Schritte des Abstiegs in den Abfall nachverfolgen.
1. Das tägliche Brot langweilt dich.
Ich erinnere mich an einen Mann, der seinem Glaubensbekenntnis den Rücken kehrte, weil er nicht wusste, was er mit seinen Freitagabenden anfangen sollte. Er konnte nur so viele Gesellschaftsspiele und Bibelstunden ertragen – wo blieb die Aufregung? Er gab zu, dass ihn das Leben der Christen um ihn herum nicht fesselte. Dieses Leben erschien ihm ziemlich fade, mannaähnlich – wo war das Fleisch? Wo waren die Zwiebeln?
Viele, die Christus den Rücken kehren, beginnen damit, dass ihnen das tägliche Brot langweilig wird. Manche Ungläubige behaupten, sie würden glauben, wenn Gott ihnen ein Zeichen gäbe. Israel sah jeden Morgen Zeichen – und der Effekt war nicht Glaube, sondern Langeweile. Schon wieder Brot, das mit dem Tau erscheint? Plant der Allmächtige, seine Speisekarte zu erweitern? Könnten wir etwas Meeresfrüchte oder ein Steak in die Rotation aufnehmen?
„Er ist unser Teil – wir brauchen keinen anderen. Er ist unser Gott – wir wollen keinen anderen. Er ist unser Leben – wir haben keinen anderen.“
So werden auch bekennende Christen nah und fern versucht, die gewöhnlichen Gnadenmittel zu verachten. Jeden Morgen wieder am Wunderwort Gottes sättigen? Wie oft muss ich die Bibel durchlesen, in die Kirche gehen, das Abendmahl nehmen oder mir beim Beten die Beine einschlafen lassen? Wer in Gefahr ist, abzufallen, beginnt innerlich das zu verachten, was ihn in dieser Welt trägt. Selten stehen sie auf und verwerfen Gott und sein Wort auf einmal – vielmehr vernachlässigen sie gähnend diese große Errettung, von einem Tag zum nächsten, und werden müde von dem, was die Engel in Staunen versetzt.
2. Du sehnst dich nach weltlichem Fleisch.
Als nächstes hungert das unruhige Herz nach mehr, nach etwas anderem. Zunächst wollten sie nur frei sein von der alten Sklaverei. Die Sünde hatte sie leer und verwirrt zurückgelassen. Je mehr sie sich ihr hingaben, desto weniger Genuss brachte sie. Sie durchschauten den Betrug. Sie wollten ein neues Land, ein neues Leben, einen besseren Weg.
Das Christentum wird zu diesem nächsten Weg. Sie hören von Christus und empfangen das Wort mit Freuden – sie glauben: Das ist es. Doch während sie mit ihm unterwegs sind, stellen sie fest, dass sein Weg enger ist als erwartet, steiler als gewünscht. Ihre weltlichen Freunde folgen nicht mit. Das Gebet scheint (scheinbar) ungehört zu verhallen. Und was bedeuten diese Bibelverse überhaupt? Sie blicken zurück auf das Leben in Ägypten – Abwesenheit lässt das Herz weicher werden. Ja, dort gab es Tod, Gefangenschaft und anderes Elend – aber Ägypten hatte auch seine Vorzüge. Was war mit diesen Melonen, Zwiebeln und dem Knoblauch?
Was ist passiert? Vielleicht wollten sie Freiheit von Ägypten, aber nicht zu Gottes Bedingungen. Ihr Plan: Freiheit vom harten weltlichen Herrn gewinnen und den Rest später herausfinden. Also schlossen sie sich dem Christentum an, damit ihr gefühltes Unglück verschwinden würde. Und es verschwand – für eine Zeit. Doch dann gibt dieser neue Herr ihnen nicht alles, was sie wollen, so wie sie es wollen, wann immer sie es wollen. Sie schätzen Heiligkeit oder die Gemeinde oder diesen Gott nicht wirklich. Oder etwas Schlimmes geschieht in seinem Dienst. Oder einem geliebten Menschen widerfährt etwas Schmerzhaftes. Sie beginnen, sich auf den wahrgenommenen Mangel zu fixieren, und vergleichen ihn mit ihrem früheren Leben oder dem Leben ihrer ehemaligen Freunde. Vergessen sind die Erinnerungen an Grausamkeit, Plagen und dankbare Lieder am Roten Meer. Visionen von Steak beherrschen ihre Gedanken.
War Ägypten nicht besser als das hier?
3. Du gibst dem Murren Raum.
Sobald das tägliche Brot verachtet und die alten Genüsse wieder begehrt werden, beginnt das Murren. Das Auge fixiert sich auf das, was es will, nicht auf alles, was es hat; auf alles, was es fordert, nicht auf alles, was es braucht. So erkrankt das Herz an Unzufriedenheit. Man vermisst Ägypten. Wie einem Ehemann, dem gesagt wird, dass seine Frau einen alten Freund vermisst, nennt der Herr das zu Recht eine Verwerfung seiner selbst.
Satans Lieblingslieder sind das Murren der Heiligen. Wenn seine Knechtschaft der Freiheit des Herrn vorgezogen wird, hat er den Sieg – bekundet durch Stöhnen und Gemurmel, Kritik und Nörgelei. Von einem Grad der Undankbarkeit zum nächsten. Erst das Wasser, dann das Essen, dann die Art des Essens. Die Unzufriedenheit wird öffentlich. Es wird immer schwerer, sie zu befriedigen. Jede Enttäuschung hallt nach. Satans gefallene Welt wird Gottes Himmel vorgezogen. Ein Abtrünniger ist geboren.
Wohin sonst sollen wir gehen?
Bist du versucht, Gottes Errettung zu bereuen? Noch direkter gefragt: Bist du versucht, Christus zu verlassen?
Für uns auf dieser Seite des Kreuzes ist es noch ungeheuerlicher, sich nach Ägypten zu sehnen. Wir wenden uns nicht vom Bund am Sinai ab, sondern vom Bund, der am Kreuz geschlossen wurde. Wir wenden uns von Christus ab. Kannst du ihn dort sehen, blutend für deine Übertretungen, leidend für deine Sünden – und dir einen Grund vorstellen, ihn zu verlassen? Sollten wir es müde werden, vom Brot des Lebens zu essen, das für uns gebrochen wurde – müde werden, seiner zu gedenken, für ihn zu leben, nach ihm zu verlangen?
Sollte anderes Fleisch unseren Gaumen gefangen nehmen? Sollten wir über diese große Errettung murren, die um den Preis des Blutes Jesu erkauft wurde? Ist er nicht genug für uns? Fehlt den Segnungen Gottes in Christus irgendetwas, das uns zur Umkehr bewegen könnte? Wenn er seine Liebe bereits bewiesen hat, indem er seinen Sohn gab – wird er uns nicht auch mit ihm alles gnädig schenken? Er bietet Fülle der Freude und ewige Wonne an – könntest du anderswo Besseres finden?
Sollten wir Christus verlassen, weil wir nicht wissen, was wir an Freitagabenden anfangen sollen? Sollten wir Christus verlassen, weil wir noch keinen Ehepartner gefunden haben? Sollten wir Christus verlassen, weil unsere Familie ihn nicht gutheißt oder unsere Freunde uns nicht mehr zu ihren Festen einladen? Sollten wir Christus verlassen, weil wir uns schämen, unseren Nachbarn von ihm zu erzählen? Sollten wir Christus verlassen, weil es gefährlich ist, ihm zu folgen? Sollten wir Christus verlassen und in das von Elend gezeichnete Leben zurückkehren, aus dem er uns gerettet hat? Sollten wir auf das Kreuz schauen und es bereuen, dass er kam, um uns aus dieser vergänglichen Welt zu erretten? Viele haben es getan. Der Friedhof ist in den Jahrhunderten seit jenen ersten Begehrenden Israels, die das Heil des Herrn verachteten und durch tödliche Unzufriedenheit fielen, nur gewachsen.
Nein. Lasst uns entschieden sein – Gott halte uns! –, Christus für nichts aufzugeben, was diese Welt bieten kann. Wir haben die Kosten abgewogen und nehmen unser Kreuz auf und folgen ihm, wohin er uns führt. Wir wissen, wem wir geglaubt haben. Wir sind der Überzeugung, dass die Leiden dieser gegenwärtigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Wir fragen: „Wohin sonst sollen wir gehen?“ Er hat Worte des ewigen Lebens – er ist das ewige Leben.
Er ist unser Teil – wir brauchen keinen anderen. Er ist unser Gott – wir wollen keinen anderen. Er ist unser Leben – wir haben keinen anderen.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
