„Was um alles in der Welt? Wo sind wir?“ Mein Mann und ich konnten es kaum glauben. Wir hatten unser Ziel erreicht aber es war keineswegs das lebhafte Veranstaltungszentrum, das wir erwartet hatten. Stattdessen standen wir auf einer vertrockneten, kargen Wiese, auf der außer ein paar Kühen, die uns beim Wiederkäuen anstarrten, niemand zu sehen war.
Es war Anfang der 2000er-Jahre, und Mark und ich waren erschöpft. Wir hatten unsere Kinder und unsere anspruchsvollen Berufe in Japan zurückgelassen und waren in die Vereinigten Staaten geflogen, um an einer Konferenz teilzunehmen, die versprach, unsere ausgedörrten Seelen zu erfrischen. Etwa eine Stunde bevor wir auf dieser Kuhweide landeten, hatten wir am Schalter der Mietwagenfirma am Flughafen gegen Aufpreis ein GPS-Gerät gemietet. Damals gab es noch keine Smartphones, und das Gerät sah eher wie ein Walkie-Talkie aus. Es gab uns die Wegbeschreibung ausschließlich per Sprachausgabe. Wir waren überzeugt, dass diese neuartige Technik den ausgedruckten Wegbeschreibungen, die wir vor einem Kontinent und einem Ozean Entfernung in unseren Koffer gesteckt hatten, überlegen sein würde. Wir irrten uns.
Wir machten uns mit einem klaren Ziel auf den Weg. Wir vertrauten auf die Weisheit des Navigationsgeräts. Wir hörten aufmerksam zu und folgten seinen Anweisungen ganz genau. Trotzdem kamen wir am falschen Ort an. Wie sich herausstellte, war die Datenbasis der frühen GPS-Systeme noch so begrenzt, dass dieselbe Adresse manchmal zu mehreren verschiedenen Orten führte. Typisch, oder?
Wahrscheinlich ist dir etwas Ähnliches auch schon passiert. Du hattest ein bestimmtes Ziel vor Augen, hast dem Rat eines anderen oder deinem eigenen vertraut, bist ihm gefolgt und musstest am Ende feststellen, dass das Ergebnis nicht dem entsprach, was du dir erhofft hattest.
So ist es auch mit dem Glück. Wir möchten unbedingt glücklich sein. Wir sehnen uns danach, suchen danach und sind bereit, große Anstrengungen dafür auf uns zu nehmen. Und doch fällt es uns schwer, an dem Ort anzukommen, an dem wir das erhoffte Glück finden.
Was bedeutet Glücklichsein?
Die großen Wörterbücher definieren Glück etwa als „das Gefühl oder den Ausdruck von Freude oder Zufriedenheit“. Schlägt man jedoch das Wort „glücklich“ in einem Synonymwörterbuch nach, findet man mindestens ein Dutzend treffender Alternativen. Wer glücklich ist, könnte sagen, er sei fröhlich, begeistert, überglücklich, froh, voller Freude, gut gelaunt, zufrieden, friedlich, erfüllt, gelassen oder sogar „über beide Ohren strahlend“. So viele verschiedene Möglichkeiten, einen einzigen schwer fassbaren Begriff auszudrücken.
1962 veröffentlichte Charles Schulz, der Schöpfer des Comicserie Peanuts, das Büchlein Happiness Is a Warm Puppy („Glück ist ein warmer Welpe“). Darin beschreiben Charlie Brown und seine Freunde auf ganz einfache Weise, was Glück für sie bedeutet. In einem Comic sagt Lucy: „Glück ist ein flauschiger Pullover.“ In einem anderen meint Snoopy: „Glück ist es, barfuß durchs Gras zu laufen.“ Und Linus behauptet: „Glück ist eine Eins im Rechtschreibtest.“ Wahrscheinlich haben dich diese Aussagen genauso zum Schmunzeln gebracht wie mich.
Aber ist Glück wirklich nichts weiter als das Gefühl oder der Ausdruck von Freude oder Zufriedenheit? Bedeutet es einfach nur, sich gut zu fühlen? Können wir wirklich glücklich sein, nur weil wir einen warmen Welpen im Arm halten oder einen flauschigen Pullover tragen? Wenn man sich auf die Suche nach dem Glück macht, ist die Definition entscheidend. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einem flüchtigen Vergnügen und einer bleibenden Zufriedenheit. Dennoch umfassen die Wörterbuchdefinitionen beides. In Wahrheit sehnen wir uns nach einer tiefen, dauerhaften Zufriedenheit und die kurzen Glücksgefühle, denen wir oft hinterherjagen, bleiben weit hinter diesem Ziel zurück.
Nicht zu finden auf der Suche nach sich selbst
Unsere Versuche, glücklich zu werden, sind oft kurzsichtig. Denn wenn das Glücksgefühl nachlässt, bleiben Enttäuschung und Leere zurück. Ob es Charles Schulz’ warmer Welpe ist, eine Beförderung im Beruf, eine neue Beziehung oder der perfekte Urlaubstag, die Freude darüber vergeht unweigerlich. Gerade weil Vergnügen vergänglich ist, kann es unsere Sehnsucht nach bleibender Zufriedenheit nicht stillen. Doch nicht nur seine Vergänglichkeit steht unserem Ziel im Weg. Auch die Selbstbezogenheit, mit der wir häufig nach Glück suchen, hindert uns daran.
„Tu, was dich glücklich macht“, heißt es oft, wobei die Betonung auf „dich“ liegt. Wir richten den Blick nach innen und fragen uns, was uns persönlich glücklich machen könnte. „Macht mich der Welpe glücklich? Oder der flauschige Pullover? Was brauche ich, um glücklich zu sein?“
Doch diese Selbstbezogenheit hinterlässt mit der Zeit einen bitteren Nachgeschmack. Denn sie führt uns fast zwangsläufig zu einer egoistischen und sündigen Lebensweise. Sünde ist jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat, die sich Gottes guten Absichten für seine Schöpfung widersetzt. Sie ist die grundlegende zerstörerische Kraft, die die gesamte Schöpfung durchdringt. Sünde betrifft uns alle und sie beeinträchtigt besonders unsere Suche nach dem Glück, weil sie uns letztlich unglücklich macht.
Eine auf sich selbst gerichtete Lebensweise mag sich eine Zeit lang gut anfühlen. Doch wir alle kennen das nagende Gewissen nach einer besonders egoistischen Handlung, einer Phase der Selbstbezogenheit oder einem Verhalten, das auf Kosten anderer ging. Wenn wahres Glück also nicht darin besteht, uns selbst zufriedenzustellen, wo können wir es dann finden?
Erschaffen für mehr
Die überraschende Wahrheit auf unserer Suche nach Glück lautet: Je mehr wir uns selbst vergessen, ja, je mehr wir uns selbst verleugnen, desto glücklicher werden wir sein. Wahres Glück ist die Frucht der Selbstvergessenheit. Je weniger du und ich uns selbst in den Mittelpunkt stellen und je mehr wir unser Leben auf Gott und auf andere Menschen ausrichten, desto größer wird unser Glück sein.
Glück lässt sich nicht erreichen, indem man es um seiner selbst willen verfolgt. Es entsteht vielmehr als Nebenprodukt eines Lebens, das nicht um sich selbst kreist. Glück ist die Frucht eines Lebens, das tief im Boden der Wirklichkeit verwurzelt ist. Und diese Wirklichkeit ist: Wir haben einen Schöpfer, der uns dazu geschaffen hat, ewig und unerschütterlich von Glück erfüllt zu sein..
Wie gelangen wir dorthin? So wie mein Mann und ich damals auf unserer Reise am falschen Ziel ankamen, haben auch viele von uns in ihrer Suche nach Glück das falsche Ziel erreicht. Vielleicht hast du, wie wir mit dem damaligen GPS, gut gemeinten Anweisungen gewissenhaft vertraut und bist ihnen Schritt für Schritt gefolgt. Und nun stehst du bildlich gesprochen auf einem leeren Feld, enttäuscht und orientierungslos, weil du merkst, dass du neue Wegweisung brauchst. Durch Gottes Gnade und Fürsorge haben wir genau diese Wegweisung.
Was unser Ziel sein sollte
C. S. Lewis starb als weithin bekannter christlicher Schriftsteller und Apologet. Doch zunächst war er überzeugter Atheist, dann Theist und erst danach ein Nachfolger Christi. Lewis meinte, einer der Gründe für unsere Enttäuschung auf der Suche nach dem Glück sei, dass wir „unsere Gedanken auf diese Welt richten“.
Er schrieb: „Die meisten Menschen würden, wenn sie wirklich in ihr eigenes Herz hineinschauten, erkennen, dass sie sich nach etwas sehnen, das in dieser Welt nicht zu finden ist. Es gibt unzählige Dinge in dieser Welt, die versprechen, es ihnen zu geben, doch sie halten ihr Versprechen nie ganz.“
Lewis erklärt weiter, dass Ehe, beruflicher Erfolg oder Reisen durchaus vorübergehendes Glück schenken können. Doch letztlich hinterlassen sie in uns das Verlangen nach etwas Größerem. Deshalb kommt er zu dem Schluss: „Strebe nach dem Himmel, und die Erde wird dir dazugegeben werden. Strebst du jedoch nach der Erde, wirst du weder die Erde noch den Himmel gewinnen.“
Direkt nach dem Glück zu streben bedeutet letztlich, es zu verfehlen. Es ist der endlose Versuch, nach etwas zu greifen, das einem immer wieder entgleitet. Es bedeutet, von vergänglichen äußeren Umständen eine dauerhafte innere Zufriedenheit zu erwarten. Es bedeutet, fälschlicherweise zu glauben, dass mehr Beschäftigung mit sich selbst zu mehr Glück führt. Doch wenn wir das irdische Glück um seiner selbst willen suchen, entgeht es uns gerade dadurch.
Was aber, wenn wir höher zielen als auf das, was diese Welt zu bieten hat? Was, wenn wir weit über uns selbst hinausschauen? Was, wenn unser Ziel der Himmel ist? Lewis sagt, dass uns dann auch das Glück dieser Erde geschenkt wird. Echtes, tiefes und bleibendes Glück in diesem Leben ist eine Frucht davon, den Blick von uns selbst weg und hin zu Gott zu richten.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.