Dieser Artikel enthält Spoiler – über das Ende des Films und über das Ende der Zeit. Der erste könnte deine Überraschung vorwegnehmen; der zweite könnte deine Seele retten. Der folgende Text ist weder eine Filmkritik noch eine Nacherzählung des Epos, sondern eine Erkundung der Frage, wie die Klimaszene von Homers Epos das überraschende Ende aller Geschichte in der realen Wiederkunft Christi vorwegnimmt. Was in dem einen Epos widerhallt, wird sich im anderen tatsächlich erfüllen.
In der neuen Verfilmung der Odyssee verbindet einer der erfolgreichsten Regisseure unserer Generation ein Starensemble mit dem Budget eines kleinen Staatshaushalts, um uns ins Mittelmeer zu entführen – auf die Heimreise des Odysseus nach dem Trojanischen Krieg (dem mit dem großen hölzernen Pferd). Nachdem er den Gott Poseidon erzürnt hat, kämpft er sich durch Stürme und bezwingt brutale Feinde, um am Ende in seine wartende Frau und sein Königreich in Ithaka zurückzukehren.
Wie das Buch ist auch der Film gewalttätig (FSK 16) und für Kinder sowie manche Erwachsene ungeeignet. Puristen, die das Epos kürzlich gelesen haben, werden zudem Abweichungen bemerken, die Enttäuschung hervorrufen. Andere werden sich an einer Transgender-Schauspielerin stören, die eine männliche Rolle spielt. Wieder andere werden einer Adaption eines griechischen Epos fernbleiben, das vereinzelt afrikanische, indische und asiatische Darsteller einsetzt. Wer über diese Makel nicht hinwegsehen kann – angesichts eines Unterhaltungsmarkts, der von progressiven Agenden überschwemmt wird, ist diese Erschöpfung verständlich.
Aber weiter geht die Reise.
Die Rückkehr des Odysseus
Die Klimaszene ist, wie Leser Homers wissen, die blutigste.
Odysseus, zwanzig Jahre lang fort, kehrt allein in seine Heimat zurück. Seine Flotte ist zerstört, seine Männer tot – gefallen auf die vielfältigen Weisen, die nur ein griechisches Epos festzuhalten vermag. Doch seine Probleme sind damit nicht vorbei. Er hat einen zehnjährigen Krieg ausgefochten, wurde von einem erzürnten Meeresgott umhergeschleudert und trat Riesen, Hexen, Sirenen und Göttinnen entgegen, die allesamt darauf aus waren, seine Heimkehr zu verhindern. Nun warten noch mindestens hundert weitere Probleme in seinem Haus. Sie fressen sein Essen. Sie verführen seine Dienerinnen. Sie umwerben seine Frau. Sie schmieden Pläne gegen seinen Sohn.
Freier umschwärmen Penelope, seine Gattin, wie Fliegen rohes Fleisch. Sie wetteifern um die Hand der Königin. Odysseus‘ Verbündete im Königreich sind rar geworden, seit man ihn für tot hält. Sein Sohn ist jung und trägt ein Ziel auf dem Rücken. Die gierigen, ehrgeizigen, hochmütigen Freier sind eine kleine Armee, von denen einer nach dem Thron greift. Selbst der mächtige Odysseus kann nicht einfach nach Hause spazieren und seinen Palast zurücknehmen. Er wimmelt von gefährlichen Männern, die sich um die Krone anstellen.
Penelope hat zugesagt, einen von ihnen zu heiraten, sobald ihr Leichentuch fertig ist. Tagsüber webt sie es und löst es nachts heimlich wieder auf. Sie wartet – noch immer in der Hoffnung, dass ihr Mann zurückkehrt.
Als Bettler verkleidet, betritt Odysseus schließlich seinen eigenen Palast und beobachtet. Er ist geduldig. Er nimmt sich Zeit für seine Erkundung, wie ein General das Gelände des Feindes kartiert. Einige Freier misshandeln ihn, verspotten ihn und behandeln ihn herablassend – als alten, wehrlosen Mann. Er hat sein Leben auf fremden Schlachtfeldern riskiert, um solche Männer zu schützen – er war buchstäblich in der Unterwelt und zurück –, und das ist der Dank dafür? Freier, die sein Vieh für ihre eigenen Bäuche schlachten; Männer, die jede Bewegung seiner Frau belauern? Diese Undankbaren haben seine Dienerinnen geschändet; diese Parasiten wollen seinen geliebten Sohn ermorden.
Doch die Lage ändert sich, als der Wettbewerb um Penelopes Hand beginnt.
Odysseus besitzt einen Bogen, den außer ihm niemand spannen kann. Penelope erklärt, dass derjenige, der ihn spannen und mit einem Pfeil durch eine Reihe von Äxten auf ein Ziel schießen kann, ihr Gemahl sein wird. Jeder versucht es – und scheitert. Eine gebrechliche Stimme erhebt sich und bittet, es versuchen zu dürfen. Belustigt reichen die Freier dem verachteten alten Mann den mächtigen Bogen.
Zu aller Bestürzung spannt er ihn und trifft das Ziel. Zu ihrer noch größeren Empörung dreht er sich um und schießt einen weiteren Pfeil ab – und streckt damit den Hauptbösewicht unter den Freiern nieder. Homer schreibt, dass zu Beginn des Gemetzels „Schlachten das Letzte war, woran die Freier dachten: Wer hätte geträumt, dass ein einziger Feind in dieser feiernden Menge, so groß seine Kraft auch sein mochte, den Tod bringen würde?“ (22.11–14).
Sie meinen, der alte Mann muss den Anführer der Freier aus Versehen getötet haben. Der Schwarm gerät in Aufruhr. „Fremder,“ sagen die Lebenden, „du wirst dein Leben bezahlen dafür, dass du auf Menschen schießt! Dein Spiel ist vorbei – du hast deinen letzten Pfeil abgeschossen! Du wirst deinem eigenen jähen Tod nicht entkommen! Du hast den Besten in Ithaka erschlagen – unseren edlen Fürsten! Geier werden deinen Leichnam fressen!“ (22.27–31). Sie waren „blind für die Tatsache, dass alle ihre Hälse in der Schlinge steckten, ihr Schicksal besiegelt war“ (22.33–34).
Dann erhebt sich eine Stimme wie aus dem Grab. „Ihr Hunde!“ sagt der Fremde. „Ihr habt nie geglaubt, dass ich aus Troja zurückkehren würde – so überheblich habt ihr mein Haus ausgeblutet, meine Dienerinnen geschändet, meiner Frau nachgestellt, während ich noch lebte. Keine Furcht vor den Göttern, die oben am Himmel herrschen, keine Furcht, dass eines Tages Vergeltung kommen könnte – jetzt stecken alle eure Hälse in der Schlinge – euer Schicksal ist besiegelt!“ Als er sprach, „ergriff Schrecken sie alle“ (22.36–43).
Die Türen sind verschlossen. Die meisten Waffen wurden entfernt. Die Vergeltung beginnt. Einige bitten um ihr Leben mit Verweis auf gute Taten – und sterben trotzdem. Andere, die gut mit seinem Sohn umgegangen sind, leben. Der Rest flieht oder kämpft. Nach hartem Ringen liegen die meisten der 108 Freier erschlagen oder knien am Boden.
Die Wiederkunft Christi
Als diese Szene auf der großen Leinwand entfaltete, legte sich Ehrfurcht wie eine Meereswelle über das Publikum. Die Menge liebte es offensichtlich, diese hochmütigen Männer zu sehen – Bärte befleckt mit einem anderen Manns Wein, Fingernägel lang und schmutzig vom Fleisch eines anderen –, wie sie besiegt wurden. Die Bösen bekommen, was sie verdienen, und sei es blutig.
Da traf mich der Gedanke: Die meisten hier, die diese Vergeltung feiern, ahnen nicht, dass ihnen selbst am Ende der Zeit ein noch viel schwereres Gericht bevorsteht. Sie sind die Freier – sie schmausen vom Brot und Wein des Herrn, gleichgültig gegenüber seinem Sohn (wenn nicht gar feindselig), beherrscht von ihren eigenen Begierden. Sie ehren Gott nicht und danken ihm nicht. Sie atmen seine Luft, leben auf seinem Land, gehen mit seinen aufrührerischen Dienerinnen um – keine Furcht vor Gott steht ihnen vor Augen.
Sie tun so, als hätten sie keinen König außer sich selbst, weil der wahre König in einem fernen Land weilt oder für so gut wie tot gilt. Ob zwanzig oder zweitausend Jahre – diese untreuen Freier essen sein Brot, trinken seinen Wein und machen sich lustig auf seinem Gut, wenn sie benommen fragen: „Wo ist die Verheißung seiner Ankunft?“ ().
Die Geschichte eilt schon jetzt ihrem letzten Kapitel entgegen: dem Tag, an dem seine Braut befreit, das Königreich wiederhergestellt und die Gottlosen durch den König mit einem ewigen Tod hingerichtet werden. Wird die Szene wegen Gewalt freigegeben sein?
Dieser König – der Einzige, der die Buchrolle nehmen und ihre Siegel öffnen kann – wird sich in seiner Herrlichkeit offenbaren zu einer Zeit, da die Hochmütigen nicht an den Tod denken. Der einst schmutzige Umhang eines obdachlosen Galiläers wird beiseitegeworfen werden, mitsamt den zerschlissenen Sandalen. Alle werden sehen, was Johannes sah:
Und ich sah den Himmel aufgetan; und siehe, ein weißes Pferd. Und der darauf saß, heißt: Treu und Wahrhaftig, und er richtet und kämpft mit Gerechtigkeit. Seine Augen sind wie Feuerflammen, und auf seinem Haupt sind viele Diademe; er trägt einen Namen geschrieben, den niemand kennt als er selbst. Und er ist bekleidet mit einem Gewand, das in Blut getaucht ist, und sein Name heißt: Das Wort Gottes. Und das Heer im Himmel folgte ihm auf weißen Pferden, gekleidet in weißes, reines Leinen. Und aus seinem Mund geht ein scharfes Schwert, damit er damit die Heiden schlägt; und er wird sie regieren mit eisernem Stab; und er tritt die Kelter des Weins des grimmigen Zornes Gottes, des Allmächtigen. Und er hat einen Namen auf sein Gewand und auf seine Hüfte geschrieben: König aller Könige und Herr aller Herren. ()
„Ihr Hunde,“ wird die Stimme der Gerechtigkeit rufen, „habt ihr gedacht, ich würde nicht zurückkehren? Ihr habt mein Gut verschwendet, meine Dienerinnen zur Unzucht gezwungen und meine Frau umworben, während ich noch lebte. Ihr habt weder Gott noch Menschen gefürchtet – und nun werdet ihr sterben.“
Entsetzt werden die Gottlosen, die seine Herrschaft verweigert haben, ihre Schuld eingestehen, aber versuchen, sich mit guten Werken freizukaufen, oder vor seinem Zorn fliehen. Doch „sie werden nicht entkommen“ (). Einige werden den Bergen zurufen, sie mögen sie begraben, damit sie dem gerechten Zorn des Königs nicht begegnen müssen (). Die Berge werden nicht gehorchen. Die Gottlosen werden wehrlos sein. Entlarvt. Zitternd.
Der rechtmäßige König wird seinen gerechten Bogen haben – den nur er spannen und schießen kann. Jedes Knie wird sich beugen. Jede Tat des Verrats wird bekanntgemacht werden. Die Hinrichtungen werden beginnen.
Die große Kelter von Gottes Zorn wird getreten werden – Blut bis zur Höhe eines Pferdezaums wird viele, viele Meilen fließen (). Die kleinen Freier seines Throns, die Rebellen gegen seine Sache, werden versammelt und – schreiend und um sich schlagend – in einen Feuersee geworfen. „Der Rauch ihrer Qual steigt auf von Ewigkeit zu Ewigkeit, und sie haben keine Ruhe Tag und Nacht“ (). Ihre Begleitmusik wird ewiges Weinen und Zähneknirschen sein. Und alle Heiligen und Engel werden die Rückkehr des Königs und seinen endgültigen Triumph über die Gottlosen feiern.
Willst du umkehren?
Es ist brutal, Menschen auf der Leinwand sterben zu sehen. Aber wenn uns schon die gespielte Vergeltung eines aufgebrachten Mannes empfindlich werden lässt – was wird es erst sein, dem gerechten Zorn des allmächtigen Gottes in Wirklichkeit gegenüberzustehen? Und wenn wir in menschlicher, unvollkommener Vergeltung etwas von Gerechtigkeit spüren – was für eine Ausrede werden wir haben, wenn vollkommenes Gericht herabkommt, um den Gottlosen das Ihrige zu geben?
Der Zorn Gottes kommt. Einer, weit größer als Odysseus, ist auf dem Weg. Er wartet nur noch, um Verrätern Zeit zu geben, in die Knie zu gehen und verschont zu werden. Er wird früher ankommen, als du denkst. Schon jetzt beobachtet er. Fliehe vor Gottes Zorn, indem du jetzt seine Barmherzigkeit erflehst. Er wird allen vergeben, die sich von der Sünde abwenden und auf seine Sühne vertrauen. Er trägt Narben der Herrlichkeit aus seinem großen Sieg am Kreuz, wo seine Liebe und Barmherzigkeit flossen wie sein eigenes Blut. Warum würdest du sterben, wenn ein solcher König dir vollständige Vergebung aller deiner Schuld und eine vollkommene Versöhnung mit ihm in seinem Königreich anbietet? Heute ist der Tag der Errettung – einen anderen Tag ist dir nicht versprochen. „Küsset den Sohn, dass er nicht zürne und ihr umkommt auf dem Wege; denn sein Zorn kann schnell entbrennen. Wohl allen, die auf ihn vertrauen!“ ().
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
