Tut Gott etwas in der Taufe? Und wenn ja, was bewirkt er dabei?
Wenn wir die Frage aus menschlicher Perspektive stellen – „Was tun wir in der Taufe?“ –, würden die meisten Christen ähnlich antworten. In der Taufe gehorchen wir dem Befehl des Herrn Jesus für neue Jünger (). In der Taufe zeigen wir äußerlich das innere Werk des Glaubens in unseren Herzen (). In der Taufe bekennen wir öffentlich unsere Treue zu Jesus und damit auch zu seinem Volk ().
Aber wirkt Gott in und durch unsere Taufe?
Diese Frage ist für Baptisten bedeutsam. Während wir betonen, dass die Taufe für Gläubige bestimmt ist – als Bekenntnis und im Gehorsam aus dem Glauben an Christus – wollen wir nicht die Schönheit dessen verpassen, was die Bibel über Gottes Wirken in der Taufe sagt. Wer erwägt, baptistische Kreise zu verlassen, weil er eine „gotteszentriertere“ Sicht auf die Sakramente sucht, dem sei gesagt: Baptisten haben auf diese Frage nicht einfach nur eine Antwort – wir stützen uns auf die Antwort, die das Neue Testament selbst gibt, nicht auf Spekulation.
Gottes Wirken in der Taufe
Mit gutem Grund gehen wir behutsam vor, wenn wir Gottes Handeln in der Taufe beschreiben. Denn während wir herausarbeiten, wie Gott die Taufe zu unserem Besten gebraucht, müssen wir auch benennen, was Gott in der Taufe nicht tut.
Erstens: Obwohl die Taufe ein Zeichen des neuen Bundes ist, wie die Beschneidung es vom alten Bund war (), führt Gott sein Volk nicht durch die Taufe in den neuen Bund ein – das geschieht allein durch den Glauben (). Zweitens: Obwohl „aus Wasser geboren werden“ mit der Wiedergeburt zusammenhängt (), regeneriert Gott sein Volk nicht durch die Taufe. Der Heilige Geist ist der Urheber des neuen Lebens (); die Taufe dient als Bestätigung seines entscheidenden Wirkens. Drittens: Obwohl die Taufe die Vereinigung mit Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung darstellt (), vereinigt Gott sein Volk nicht durch die Taufe mit Jesus. Wer das Zeichen empfängt, ist durch den Glauben an Jesus Christus bereits der Sünde gestorben und lebt für Gott ().
Es wäre zwar einfacher, die genannten Missverständnisse zu vermeiden, indem man jeden Taufbezug im Neuen Testament vergeistigt oder Gott aus der Gleichung ganz herausnimmt – aber dann würden wir die echte Gnade Gottes in der Taufe verpassen. Die Taufe ist weder notwendig noch hinreichend für die Errettung, aber Gott gibt sie uns als ein besonders eingesetztes Mittel, um uns zur Vollendung in Christus zu führen.
Wie Hercules Collins (1646–1702) erklärte, sind die Sakramente „heilige Zeichen und Siegel, vor unsere Augen gestellt und von Gott dazu eingesetzt, dass er durch sie die Verheißung seines Evangeliums an uns bekräftige und besiegle“ (An Orthodox Catechism, 25). Collins behauptet nicht, dass Gott die Taufe dazu benutzt, uns den neuen Bund zu besiegeln. Zusammen mit anderen Particular Baptists seiner Zeit betont er den „verheißenen Heiligen Geist“ () – nicht die Taufe – als das Siegel des neuen Bundes (Second London Baptist Confession, Anhang). Das „Siegel“ der Taufe bezieht sich vielmehr auf die „Verheißung seines Evangeliums“.
Die Gnade Gottes in der Taufe besiegelt uns also zwei Wirklichkeiten: (1) die Freude an unserem reinen Gewissen durch den Glauben und (2) die Bestätigung, dass wir Gottes Kinder sind.
Gott tröstet das Gewissen
Der Apostel Petrus schreibt: „Dem entspricht die Taufe, die jetzt auch euch rettet – die nicht das Fleisch reinigt von Schmutz, sondern die Bitte an Gott um ein gutes Gewissen –, durch die Auferstehung Jesu Christi“ (). Die Taufe rettet nicht durch den Waschvorgang selbst, aber sie rettet in einem bestimmten Sinne – nämlich als Bitte an Christus um ein reines Gewissen.
Wenn wir als Ausdruck und Frucht des Glaubens getauft werden, besiegelt Christus unser Bekenntnis und versichert uns damit des neuen Lebens, das durch seinen Tod und seine Auferstehung angeboten wird. Christus benutzt die Taufe als ein Mittel, durch das er unserem Gewissen bestätigt, dass unsere Sünden vergeben sind.
„Wir sind Gottes geliebte Kinder, und unsere Taufe dient als eine von Gott eingesetzte Hilfe, uns dieser Wirklichkeit zu vergewissern.“
In gewisser Weise wäscht die Taufe unsere Sünden ab, während wir den Namen des Herrn anrufen – so wie Paulus es verkündigt (). Andrew Fuller schreibt: „Die Sünde wird in der Taufe in demselben Sinne abgewaschen, wie Christi Fleisch gegessen und sein Blut beim Abendmahl getrunken wird: Das Zeichen führt, wenn es recht gebraucht wird, [unsere Seelen] zu dem, was bezeichnet wird“ (Complete Works, 3:341). Der Glaube ist wie die Empfängnis, und die Taufe ist wie die Geburt. Du warst lebendig von dem Moment an, als du Jesus für die Errettung deiner Sünden glaubtest – aber du wirst durch deine Taufe öffentlich besiegelt. Und dieses Besiegeln deines Zeugnisses schenkt eine noch tiefere Freude an deinem neuen Leben.
Gott bestätigt, dass wir ihm gehören
Als Paulus die Galater daran erinnert, dass sie Kinder Gottes sind, schreibt er: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Söhne in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen“ (). Paulus nennt den Glauben ausdrücklich als das Mittel zur Kindschaft, und diese Kindschaft wird dann in und durch das prägende Ereignis der Taufe bestätigt. Die Taufe bestätigt, dass wir seine Kinder sind – durch ein lebendiges Bild des Sterbens für die Sünde und des Lebendigseins in Christus.
Jesu eigene Taufe unterstreicht diesen Punkt. Weil wir durch Glauben und das Wirken des Geistes in Christus sind, gelten die Worte, die der Vater über Christus spricht, auch für uns: „Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“ (). Wenn wir als neue Gläubige zur Taufe treten – und jedes Mal, wenn wir künftig einer Taufe beiwohnen –, können wir einander an diese tiefe Wahrheit erinnern: Wir sind Gottes geliebte Kinder, und unsere Taufe dient als eine von Gott eingesetzte Hilfe, uns dieser Wirklichkeit zu vergewissern.
Christus benutzt die Taufe, um die Schande unserer Sünde zu heilen und uns in einen Stand der Ehre zu bringen, indem er uns unserer Adoption in Gottes Familie versichert. Deshalb taufen wir auf den Namen Jesu (; 10,48; 19,5) – das heißt auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (). Wie eine Frau, die in der Ehe den Namen ihres Mannes annimmt, nehmen Gläubige bei der Taufe öffentlich den Namen Christi und des dreieinigen Gottes an.
Zur Glaubensgewissheit
Diese Wirklichkeiten – geistlicher Trost und öffentliche Bestätigung der Kindschaft des Gläubigen – wirken zusammen auf eine objektive Heilsgewissheit hin. Im Glauben vollzogen, dient die Taufe als Zeichen und Siegel von Christi Werk für uns am Kreuz und in seiner Auferstehung. Die Taufe wirkt keine Wiedergeburt, aber sie ist von kraftvoller Bestätigungswirkung.
Mit anderen Worten: Wir haben nun eine sichtbare Gewissheit über unsichtbare Wirklichkeiten. Das ist echte Gnade Gottes, vermittelt durch seinen Leib, die Gemeinde, die unseren Glauben durch die Taufe als Zeichen und Siegel bekräftigt. Der Glaube ist wie der Moment, in dem ein Prinz den Thron besteigt, als sein Vater stirbt – die Taufe aber ist wie sein Krönungstag: die öffentliche Besiegelung und Feier der Wirklichkeit, dass er der neue König ist.
Diese Gewissheit – auch wenn sie im Auf und Ab des Lebens nicht immer subjektiv empfunden wird – gibt uns ein objektives Versprechen Christi, dass unsere Sünden vergeben sind und dass wir Kinder Gottes sind. Wenn Prüfungen kommen oder wenn wir der Sünde nachgeben, können wir einander sowohl an das innere Werk des Geistes Gottes durch den Glauben als auch an die äußere Bestätigung unserer Taufe erinnern, um die Heilsgewissheit zu stärken: „So lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in völliger Gewissheit des Glaubens, besprengt in unseren Herzen und los vom bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser“ (). Freilich sollte die Taufe keine Gewissheit für die geben, die auf Gottes Gnade pochen, ohne ihr Leben danach auszurichten – wie Paulus warnt (). Wohl aber für jene, die Frucht bringen wollen, wie es der Buße entspricht.
Wenn wir also selbst aus dem Taufwasser steigen oder künftig Taufen bezeugen, können wir einander ansehen und sagen: „Wie dieser Mensch habe auch ich durch den Glauben an den Herrn Jesus und den Gehorsam gegenüber seinem Taufbefehl den Namen Christ angenommen. Durch die Vereinigung mit Christus sieht Gott mich als sein geliebtes Kind.“ Und wir beten, dass diese objektive Gewissheit dann zur Freude und subjektiver Gewissheit führt.
Zum Gehorsam gerufen
Die Taufe erinnert uns nicht nur an unseren gnädigen Stand vor Gott – Paulus zeigt uns auch, wie sie uns zum Gehorsam antreibt. Sollen Christen in der Sünde verharren? „Das sei ferne! Wie wollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben?“ (). Und worauf weist Paulus als Beweis dafür hin, dass wir der Sünde gestorben sind? Auf die Taufe: „Wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft wurden?“ ().
Auch hier gilt: Die Taufe selbst vereinigt uns nicht mit Christi Tod. Paulus sagt, dass Gläubige, die einst Sklaven der Sünde waren, „von Herzen gehorsam geworden“ sind (). Dennoch weist Paulus auf die Taufe als objektiven Beweis dieses Todes hin – als einen Beweis, der zum fortgesetzten Gehorsam gegenüber Gott motiviert.
Wenn wir also zum ersten Mal auf das Taufwasser schauen oder erneut einem neuen Gläubigen dabei zusehen, wie er durch das Wasser schreitet, können wir Gott dafür danken, dass wir ihm gehören – gewaschen von unseren Sünden und als seine Kinder erklärt –, und wir können ihn erneut um Gnade bitten, um Jesus als Herrn nachzufolgen.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei desiringgod.org. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von desiringgod.org.
