Jonathan Edwards´ Vision vom Himmel rüstet uns heute aus

Jede Woche treffe ich mich mit einer kleinen Gruppe älterer Menschen zum Gebet. In den letzten Monaten habe ich Abschnitte aus „Heaven Is a World of Love“ von Jonathan Edwards gelesen, entweder zur Eröffnung oder zum Abschluss unserer gemeinsamen Zeit.

Meine Senioren sagen mir, dass die Klarheit, Tiefe und Wärme der Gottesvision, die sich durch diese Predigt zieht, ihnen mehr Zuversicht im Gebet, Trost im Leiden und Mut gegeben hat, die Liebe Christi anderen zu zeigen und weiterzugeben.

Für Edwards und für meine Senioren bedeutet das Nachdenken über den Himmel nicht, sich in müßiger Neugier zu verlieren oder den praktischen Pflichten des Lebens in dieser Welt zu entfliehen. Vielmehr rüstet es sie für das Leben in der Gegenwart aus.

Edwards’ Predigt zeigt vier Wege auf, wie wir die Süße der Liebe Gottes in ihrer Fülle schmecken können und dadurch angespornt werden, in Christus auszuharren.

1. Bade in Gottes Liebe.

„Da er ein unendliches Wesen ist, folgt daraus, dass er eine unendliche Quelle der Liebe ist“, schreibt Edwards. „Da er ein allgenügsames Wesen ist, folgt daraus, dass er eine volle, überfließende und unerschöpfliche Quelle der Liebe ist. Und da er ein unveränderliches und ewiges Wesen ist, ist er eine unveränderliche und ewige Quelle der Liebe.“

Diese Quelle erfüllt den ganzen Himmel. Liebe ist daher nicht einfach ein Merkmal des Himmels, wie ein Gemälde, das an einem prominenten Ort hängt. Vielmehr ist Gottes Liebe der ganze Himmel.

„Die Liebe ist im Himmel nicht wie ein Baum in einer Prärie, sondern wie das Licht, in dem die Prärie an einem hellen Sommermorgen gebadet ist“, schreibt Dane Ortlund.

Über die himmlische Welt nachzudenken bedeutet, über Gott in der Fülle seiner Liebe nachzudenken. Es ist ein Mittel, Gottes Schönheit zu betrachten und seine Liebe zu empfangen, zu genießen und zu erwidern. So richtet das Nachdenken über den Himmel die Augen unseres Herzens darauf aus, „die Länge und Breite, die Höhe und Tiefe der Liebe Gottes“ zu erkennen (Epheser 3:18).

2. Wachse in deiner eigenen Liebe.

Christliche Reife wird an der Liebe gemessen. Jesus fasste das Gesetz in zwei Aussagen zusammen: Liebe Gott mit deinem ganzen Sein und liebe deinen Nächsten wie dich selbst (Markus 12:29–31). Paulus sagt: „Wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt“ (Römer 13:8). 1. Korinther 13 beschreibt die Liebe als den Höhepunkt christlicher Geistlichkeit, sodass es ein Verlust wäre, alle anderen Gaben zu haben, aber keine Liebe.

Doch wie Erfahrung und ehrliche Selbstprüfung zeigen, ist unsere Liebe von Sünde befleckt. Tim Keller vergleicht selbst die beste menschliche Liebe mit Wasser, das durch schlammige Rohre fließt, es kommt zwar durch, ist aber verunreinigt. Wenn Liebe durch Sünder fließt, selbst durch gerechtfertigte Sünder, nimmt sie die Verunreinigung der Sünde auf.

Das wird nicht immer so sein. Die Liebe im Himmel ist ohne Mangel, weil Gott die bloße Gegenwart der Sünde verbannt hat.

„Keine Saite wird dort verstimmt klingen und die Harmonie der Musik des Himmels stören, und kein Ton wird Missklang in den Lobgesängen der Heiligen und Engel verursachen“, schreibt Edwards. „Jedes Glied dieser heiligen und gesegneten Gemeinschaft wird ohne irgendeinen Makel der Sünde sein, ohne Unvollkommenheit, Schwäche, Unbesonnenheit oder irgendeinen Fehler.“

Zu wissen, dass der Himmel ohne Sünde sein wird, wo die Liebe vollkommen und rein fließt, sollte in uns eine heilige Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Unvollkommenheiten unserer Liebe wecken und uns dazu antreiben, die Sünde zu töten und nach der Reinheit des Herzens zu streben, mit der wir „Gott sehen werden“ (Matthäus 5:8).

3. Pflege Einheit.

Menschen, die in Christus vereint sind, können einander dennoch hart behandeln. Die Bitterkeit, die unter Christen aufkommt, führt laut Edwards zu mangelnder Gewissheit. Wenn der Himmel eine Welt der Liebe ist, wie können wir dann sicher sein, dass wir auf dem Weg dorthin sind, wenn wir es versäumen, diese göttliche Liebe zu leben?

Im Himmel jedoch wird diese Tragödie aufgehoben:

Die Liebe oder heilige, demütige christliche Liebe ist ein Prinzip von wunderbarer Kraft, das der Seele unaussprechliche Ruhe und Frieden schenkt. Sie vertreibt jede Unruhe, ordnet den Geist sanft und bringt ihn zur Ruhe, und macht alles göttlich still, sanft und glücklich. In der Seele, in der die göttliche Liebe herrscht und lebendig wirkt, kann nichts einen Sturm verursachen oder auch nur drohende Wolken aufziehen lassen.

Im Himmel, erklärt Edwards, „hat jeder nicht nur aufrichtigen, sondern vollkommenen guten Willen gegenüber jedem anderen“. „Aufrichtige und starke Liebe freut sich zutiefst am Wohlergehen des geliebten Gegenübers.“

Das Nachdenken über den Himmel lehrt uns, uns an anderen Christen zu freuen und es zu feiern, wenn sie Christus näherkommen. Es befreit uns von Kleinlichkeit und Neid. Ein Herz, in dem der Heilige Geist wohnt und in dem ein Same himmlischer Liebe liegt, sollte nicht in Bitterkeit wachsen, sondern in Liebe, Ruhe und Gnade gegenüber anderen.

4. Nimm dir vor, auszuharren.

Die biblischen Bilder der Nachfolge, wie das Tragen des eigenen Kreuzes, das Gehen auf dem schmalen Weg und der geistliche Kampf, zeigen Christen, dass die Nachfolge Christi mit Kosten verbunden ist. Der Weg zur „herrlichen Stadt des Lichts und der Liebe“ führt über „aufwärtsgerichtete und mühsame Schritte“.

Doch wie Edwards sagt: „Auch wenn der Aufstieg schwierig ist und der Weg voller Prüfungen, lohnt es sich dennoch, ihnen allen zu begegnen, um schließlich in einer so herrlichen Stadt anzukommen und dort zu wohnen.“

Der Wert des Zieles übertrifft die Mühen des Weges bei weitem. Edwards’ Ermahnung greift die Worte des Paulus in 2. Korinther 4:17–18 auf. Sowohl Paulus als auch Edwards erinnern uns daran, nicht den Kopf zu senken und uns auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten zu fixieren, sondern unsere Augen auf Gott zu richten.

Oder, wie Sam Storms es ausdrückt: „Die Kraft, jetzt Leiden zu ertragen, kommt daraus, über die Verheißung ewiger Glückseligkeit im kommenden Zeitalter nachzudenken.“

Lebe mit Sehnsucht.

Das Nachdenken über das Leben mit Gott im Himmel entfacht ein Verlangen nach dem Himmel, eine Sehnsucht nach mehr von Christus. Edwards sagt, dass das Betrachten der Herrlichkeit Jesu im Himmel „dich umso mehr dazu anregen kann, ernsthaft zu begehren, dort zu sein“.

Wahre himmlische Gesinnung bedeutet nicht, den Kopf in den Wolken zu haben, sondern von dem Wunsch erfüllt zu sein, in Gottes Gegenwart zu sein und seine Schönheit zu schauen (Psalm 27:4). Indem wir über die Wunder des Lebens mit Gott im Himmel nachdenken, sind wir besser befähigt, heute für Jesus zu leben.


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Übersetzt von Ronny Käthler. Mehr von The Gospel Coalition.

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