Neue Forschungsergebnisse bestätigen die Wunder Jesu 

In Kapitel 5 seines Evangeliums entfaltet Lukas folgende Szene: Jesus lehrt in einem überfüllten Haus, und ein gelähmter Mann wird durch das Dach hinabgelassen, um Heilung zu erbitten. Jesus antwortet, indem er ihm seine Sünden vergibt. Die Schriftgelehrten und Pharisäer sind schockiert und beschuldigen Jesus der Gotteslästerung, denn wer, so fragen sie, kann Sünden vergeben außer Gott allein?

Als Antwort heilt Jesus die Lähmung des Mannes. Darüber ist die Menge erstaunt. Sie verherrlichen Gott, sind von „Furcht“ erfüllt und rufen aus: „Heute haben wir paradoxa gesehen!“ (Lk 5:26).

Das Wort paradoxa ist ungewöhnlich. Es kommt im Neuen Testament sonst nirgendwo vor, und die Übersetzungen sind sich über seine Bedeutung uneinig: Die ESV übersetzt es mit „außergewöhnliche Dinge“, die NIV und NASB mit „bemerkenswerte Dinge“, doch viele andere bevorzugen „seltsame Dinge“ (KJV, NKJV, NRSV, ASV, WEB, YLT). Wörterbücher des Altgriechischen behalten sowohl positive als auch negative Bedeutungen bei und fügen außerdem die Bedeutung „paradox“ hinzu.

Es scheint also, dass entweder die ganze Menschenmenge verwirrt war über das, was sie gesehen hatte, und nicht genau wusste, was sie von Jesus halten sollte, oder dass die Menge geteilt war: einige verurteilten Jesus als Gotteslästerer, während andere ihn als einen von Gott gesandten Propheten priesen.

In jedem Fall beschreibt paradoxa die Überzeugung der Menge, etwas übernatürlich Seltsames, Beunruhigendes und Unerklärliches gesehen zu haben, etwas, das wir im Englischen vielleicht als „paranormal“ bezeichnen würden. Das Wort paradoxa ist daher von sich aus nicht negativ, aber auch von sich aus nicht positiv. Es bezeichnet eine Art von Staunen, das Menschen ratlos zurücklässt und sie fragen lässt, woher diese paradoxa kommen könnten. Haben sie einen dämonischen Ursprung? Sind sie göttlich? Ohne Kontext lässt sich das nicht entscheiden.

In meinem jüngsten Buch Josephus and Jesus (siehe die Rezension von TGC) zeige ich, dass die mehrdeutigen Bedeutungen von paradoxa bemerkenswerte neue Hinweise auf die Wunder Jesu liefern, Hinweise, die zudem von einem frühen nichtchristlichen Schriftsteller stammen, der gut positioniert war, um über Jesus von Nazareth Bescheid zu wissen.

Vorwürfe gegen die Quelle von Jesu Wundern

Zuerst ein wenig Hintergrund. Die Bedeutung von „paradoxa“ ist im Neuen Testament nicht einzigartig und erinnert an die Debatten in den Evangelien über die Quelle von Jesu Macht. Sie passt auch zu dem, was andere Ungläubige Jesus vorgeworfen haben.

Der jüdische Talmud behauptet, Jesus habe „Zauberei“ praktiziert. Die Toledot Yeshu (zweites bis fünftes Jahrhundert), eine feindselige jüdische Biografie Jesu, erzählt eine offen gesagt lächerliche Geschichte darüber, dass Jesus irgendwie die vier heiligen Buchstaben des Namens Gottes, JHWH, erlangt habe und sie als eine Art Machtformel benutzt habe, um Tote aufzuerwecken.

Auch heidnische Quellen sagen Ähnliches. Sie geben zu, dass Jesus Wunder getan habe, versuchen aber, diese auf ihre eigene Weise zu erklären. Einige schlagen vor, Jesus sei eine Art niedrigerer heidnischer Gott gewesen; andere behaupten, er habe in Ägypten dunkle Künste gelernt. Celsus, ein heftiger Kritiker Jesu aus dem zweiten Jahrhundert, vertritt die zweite Ansicht und benutzt sogar dasselbe Wort wie in Lukas 5:26, um zu behaupten, dass Jesus paradoxa durch Magie gewirkt habe.

Es scheint also, dass Jesu Wunder in der antiken Welt so unbestreitbar waren, dass sowohl jüdische als auch heidnische Kritiker nicht leugnen konnten, dass sie geschehen waren. Stattdessen versuchten sie, sie auf verschiedenste Weise zu erklären, auch wenn diese Erklärungen sehr unwahrscheinlich waren. Frühe Christen antworteten darauf klugerweise mit der Frage, wie man ehrlich behaupten könne, Jesu Taten seien böse Zauberei gewesen, wenn er doch zur Umkehr von der Sünde, zur Suche nach der Wahrheit und zur Liebe gegenüber den Feinden aufrief.

Josephus und die „Paradoxa“ Jesu

Doch hier entsteht ein neuer Hinweis auf Jesu Wunder. Wenn wir einmal verstanden haben, was mit paradoxa gemeint ist, tritt eine überzeugende Bestätigung von Jesu Wundern aus der Feder eines jüdischen Chronisten des ersten Jahrhunderts hervor. Gemeint ist natürlich der berühmte Historiker Flavius Josephus.

Josephus wurde im Jahr 37 n. Chr. in eine angesehene Familie geboren. Er stammte von Hohenpriestern und Königen ab. In Jerusalem erhielt er eine aristokratische Erziehung, wurde später Priester, Pharisäer und sogar ein Heerführer. Er war außergewöhnlich gut vernetzt: Er kannte zwei oder drei Hohepriester, den Leiter des Sanhedrins und Herodes Agrippa II., den letzten König der Juden. Wie ich in meinem Buch argumentiere, kannte Josephus sogar einige der Männer, die bei Jesu Prozess anwesend waren.

Josephus schrieb auch über Jesus in einer Stelle, die unter Gelehrten stark diskutiert wird. Dort sagt er, dass Jesus paradoxa wirkte (Antiquities 18:63). Frühere Forscher haben diesen Ausdruck meist positiv übersetzt, etwa mit „wunderbare Taten“, „wunderbare Werke“ oder ähnlichen Formulierungen.

Eine der Gründe, warum viele Gelehrte die Authentizität dieser Stelle infrage stellten, war das positive Verständnis von „paradoxa“: Warum sollte Josephus, ein jüdischer Historiker des ersten Jahrhunderts, so wohlwollend über Jesus schreiben? Auf dieser Grundlage schlossen manche, dass ein späterer christlicher Schreiber den Text Josephus’ manipuliert haben müsse, um Jesus in einem besseren Licht darzustellen.

Wenn man jedoch das oben Gesagte berücksichtigt, erkennt man, dass „paradoxa“ nicht eindeutig positive Taten bezeichnet; sie sind vielmehr mehrdeutig und könnten sogar negativ gemeint sein. So verwendete Josephus den Begriff zum Beispiel an anderer Stelle, als er die übernatürlichen Werke der Magier des Pharao im Kampf gegen Mose beschrieb. Dort schrieb er, dass die Magier ein „paradoxon“ hervorbrachten, die Singularform von „paradoxa“. Josephus ließ Mose dann erklären, dass die Macht der Magier nicht göttlich sei, sondern nur menschliche Zauberei.

Die Worte Josephus’ über die Magier des Pharao ähneln also unverkennbar seinen Worten über Jesus. Er scheint sich demnach zu fragen, ob Jesus ein Magier war, der verbotene oder unrechtmäßige Kräfte benutzte.

Gewissheit über die Wunder Jesu

Die Folgerungen sind klar: Josephus erkannte die wundersamen Taten Jesu vollständig an, genauso wie andere antike Nichtchristen. Und das kommt von einem Mann, der im Jerusalem des ersten Jahrhunderts aufgewachsen war, der die Beteiligten an Jesu Prozess kannte und der später zu einem der besten Historiker der Antike wurde.

Er war zudem vollkommen bereit, Wunder zu leugnen – er lachte über die Vorstellung, dass bestimmte Zauberer ihm Zaubersprüche auferlegten, als er als General diente, und entlarvte falsche Propheten und Scharlatane, als er seine historischen Werke schrieb, doch im Fall Jesu behauptete er nicht, dessen Wunder seien falsch, übertrieben oder Legenden. Während Josephus sich über die Quelle der übernatürlichen Taten Jesu nicht sicher war, war er sich sicher, dass sie tatsächlich geschehen sind.

Und wir können auch sicher sein, dass sie tatsächlich geschehen sind.

Doch diese Schlussfolgerung, dass Jesus Wunder wirkte, sollte uns zu einer noch wichtigeren Erkenntnis führen. Der entscheidende Punkt an Jesu übernatürlichen Taten ist nicht, dass er sie vollbrachte, sondern dass sie seine göttliche Sendung bezeugten, so wie wir es gesehen haben, als Jesus den gelähmten Mann heilte und ihm zugleich die Sünden vergab.

Jesu Wunder waren Zeichen, die seine wesentlichere Botschaft des Evangeliums bestätigten, sie authentifizierten die gute Nachricht von Jesus, dass alle von ihren Sünden umkehren und Vergebung empfangen sollen, indem sie ihm vertrauen.

Obwohl Jesu wunderbare Taten groß und beeindruckend waren, dienten sie lediglich als Wegweiser auf dem Pfad der Barmherzigkeit, auf dem alle Vergebenen mit dem Herrn wandeln. So heilte Jesus den gelähmten Mann körperlich, und der Mann konnte vor Jesus gehen. Doch das größere Wunder war, dass Jesus diesem Mann auch geistlich vergab, und nun wandelt der Mann für immer mit Jesus.

Jesus wird dasselbe größere Wunder auch für dich tun. Willst du mit ihm gehen?


Dieser Beitrag erschien zuerst bei The Gospel Coalition. Übersetzt von Ronny Käthler. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von The Gospel Coalition.

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