Audio-Transkript
Wir alle haben Dinge getan, die wir bereuen, etwa Erinnerungen, die uns um 2 Uhr nachts plötzlich überfallen und uns zusammenzucken lassen, wenn wir daran denken, wie wir jemanden verletzt haben. Manchmal ist es mehr als nur ein Zusammenzucken. Es ist eine Welle der Scham: dieses tiefe, schwere Gefühl, dass die Vergangenheit wie ein Gespenst hinter einem herläuft; eine quälende Erinnerung, die man nicht loswird. Aber was, wenn dieses Gespenst aus der Vergangenheit gar nicht die Macht hat, deine Zukunft zu zerstören? Das Thema heute: Deine Reue kann dich nicht ruinieren.
Die Frage kommt von einer jungen Frau: „Pastor John, ich liebe diesen Podcast, und ich liebe es, wie sehr du den Apostel Paulus liebst. Meine Frage dreht sich um ihn, ich versuche, in seinen Kopf hineinzudenken. ist für mich herrlich, weil dort so vieles aufgezählt wird, das uns nicht von der Liebe Christi trennen kann. Paulus konzentriert sich auf gegenwärtiges Leiden, erwähnt aber nie die Vergangenheit, also vergangene Sünden und das Unrecht, das wir anderen zugefügt haben. Viele Menschen kämpfen tief mit Scham und kreisenden Gedanken über die Erinnerungen an ihr früheres Versagen. So geht es mir auch. Ich weiß, dass auch Paulus eine dunkle Vergangenheit hatte. Setzt Paulus voraus, dass die Vergangenheit bereits durch das Kreuz geregelt ist? Oder warum erwähnt er in dieser Aufzählung der Dinge, die uns nicht von Christus trennen können, die Vergangenheit nicht?“
Diese Frage habe ich mir selbst noch nie gestellt. Ich liebe solche Fragen, bei denen ich denke: „Wow, was denke ich eigentlich darüber?“ Es hat mir wirklich geholfen, etwas darüber nachzudenken. Warum erwähnt Paulus vergangene Sünden nicht, wenn er aufzählt, was uns nicht von der Liebe Gottes trennen kann? Hier ist die Stelle, die große Schlussaussage am Ende von :
Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn. ()
Keine Verdammnis
Als ich über diese Frage nachgedacht habe, ist mir aufgefallen: Paulus erwähnt nicht nur vergangene Sünden nicht, er erwähnt überhaupt keine Sünden. Er sagt nicht: „Sünde wird uns nicht von der Liebe Gottes in Christus trennen.“ Warum nicht?
Ich denke, Paulus würde so antworten: „Ich habe gerade sieben Kapitel lang gezeigt, wie Gott in seiner Barmherzigkeit die Schuld aller deiner Sünden ausgelöscht hat: vergangene, gegenwärtige und zukünftige, alle miteinander. Dieses abschließende Kapitel des Römerbriefs, das große achte Kapitel, beginnt mit dem donnernden Fazit jener sieben Kapitel: ‚So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind‘ (); keine Verdammnis für vergangene Sünden, keine für gegenwärtige, keine für zukünftige. Deine vergangenen Sünden können dich nicht von Gott in Christus trennen.“
Und dann würde Paulus, mit zarter Anteilnahme, wissend, woher diese Frage wohl kommt, hinzufügen: „Ich weiß etwas über vergangene Sünden. Oh, wie gut ich das weiß. Ich habe die Gemeinde verwüstet (; 22:4). Ich bin von Haus zu Haus gegangen und habe Männer und Frauen ins Gefängnis und in den Tod geschleppt. Ich habe Menschenleben zerstört und mich noch damit gebrüstet. Ich habe die Gemeinde mit Gewalt verfolgt. Ich habe versucht, das Werk Gottes selbst zu vernichten.“ Und dann, so denke ich, würde er sagen: „Höre mir zu, mein lieber, bedrängter Freund.“
Das ist ein treues Wort und in jeder Weise würdig, angenommen zu werden, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, die Sünder zu retten, von denen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, damit Christus Jesus an mir als dem ersten seine ganze Geduld beweise als Vorbild denen, die an ihn glauben werden zum ewigen Leben. ()
Das bist du. Das bist du. Gott hat einen Mörder von Christen gerettet, damit wir wissen und spüren, was Gott mit vergangenen Sünden und mit Sündern wie Paulus getan hat. Deshalb hat er es so geordnet, dass Paulus bereits im Mutterleib erwählt und dann gerettet wurde, nachdem er zum Mörder geworden war, damit wir Mut fassen und angesichts unserer Vergangenheit nicht verzweifeln.
Alles vergeben
Und würde Jesus an diesem Punkt nicht eintreten und sagen: „Erinnert euch an die Frau am Brunnen“? Sie hatte fünf Männer gehabt und lebte mit einem Liebhaber zusammen (). Welche Trümmer hat ihr Leben hinterlassen und doch gab er ihr lebendiges Wasser. Sie lebte, sie wurde neu. Und würde Jesus uns nicht auch an die Frau erinnern, die seine Füße mit ihren Tränen netzte und mit ihren Haaren trocknete? „Darum sage ich dir: Ihre vielen Sünden sind vergeben… Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig“ (), sagt er zu Simon, dem Pharisäer. Ihre vergangenen Sünden erzeugten keine lähmende Reue. Sie erzeugten Demut und Liebe.
„Es sind nicht die vergangenen Sünden die einen Menschen verdammen sondern der Unglaube daran, dass diese Sünden vergeben sind.“
Lass das Wort alle aus wirklich einmal sacken: Gott hat „uns alle Sünden vergeben, er hat den Schuldschein getilgt… und ihn ans Kreuz geheftet“. Dasselbe Wort. Lass es sacken: alle. In : „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde.“ Was für ein kostbares Wort. Was für ein unendlich kostbares Wort. Lass es bis auf den Grund deines unruhigen Herzens sinken: alles davon, alles vergeben, getilgt, ans Kreuz genagelt, gereinigt.
Warum ist Gott bereit, das zu tun? Er sagt es uns in :
Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen
und gedenke deiner Sünden nicht mehr.
„Um meinetwillen.“ Warum also? Warum handelt er so? Warum rettet er uns so? Für die Herrlichkeit seiner Gnade. Darum: damit wir die Ewigkeit damit verbringen, die Herrlichkeit der Gnade Gottes zu rühmen, der unsere Sünde ausgelöscht hat.
Vertrauen und frei leben
Wenn du ein Christ bist, wenn du in Christus Jesus bist, dann kann absolut nichts in deiner Vergangenheit dein Leben zerstören. Lass das einmal sacken. Es gibt einen Unterschied zwischen deiner Vergangenheit und dem, was du aus ihr machst. Es sind nicht die vergangenen Sünden die einen Menschen verdammen sondern der Unglaube daran, dass diese Sünden vergeben sind. Was für ein Unterschied. Darum geht es also: ob du es glaubst. Es mag sich anfühlen, als wären die vergangenen Sünden dein Verderben. Das stimmt nicht. Es ist nicht wahr. Nicht die vergangenen Sünden zerstören dich. Es ist das, was du gerade jetzt mit diesen vergangenen Sünden machst, das richtet dich zugrunde oder eben nicht. Gott hat die Sünde geregelt. Er hat sie geregelt. Und er drängt uns, ihm zu glauben, in ihm zur Ruhe zu kommen und zu genießen, was er für uns getan hat.
Jetzt lass uns wirklich ehrlich sein. Vielleicht hast du jemanden so schwer verletzt, dass du einen großen Teil seines oder ihres Lebens zerstört hast. Vielleicht hast du jemanden finanziell ruiniert. Vielleicht körperlich. Vielleicht warst du betrunken am Steuer, hast jemanden angefahren, und dieser Mensch ist für den Rest seines Lebens gelähmt. Es ist tatsächlich vollkommen verständlich, dass die Erinnerung daran erdrückend sein kann.
Aber ich sage es noch einmal: Gott hat das auf der Ebene der Schuld geregelt, und die Schuld ist weggenommen. Daher sollte die Wirkung dieser Erinnerung nicht das Bewusstsein von Verdammnis oder Schuld sein. Sie kann und sollte Reue sein. Was für ein Unterschied zwischen Schuld und Reue. Reue und Schuld sind nicht dasselbe. Reue ist angemessen. Wir wären gefühllos und hartherzig, wenn wir keine Reue über den Schmerz empfänden, den wir Menschen zugefügt haben. Aber es gibt eine Reue, die zum Tod führt, und eine Reue, die zum Leben führt. Die Reue, die zum Leben führt, gründet sich auf die Verheißungen Gottes, Verheißungen der Gnade, die in uns bewirken, was menschlich unmöglich ist: nämlich dass wir fähig sind, das Leben weiterzugehen, ja fruchtbar zu leben und nicht nur zu überleben, sondern demütig, liebevoll und produktiv zu leben.
Lass mich damit schließen. Das mag schwer zu begreifen sein, aber ich wette, viele von euch, die mit diesen Dingen gerungen haben, wissen, wovon ich rede. Es wird immer einen traurigen Teil in unserem Leben geben wenn wir erkennen, was wir getan haben, was Gott beleidigt und andere verletzt hat. Es ist wie ein klagender Takt in der Melodie unseres Lebens. Der traurige Ton verschwindet nie ganz aber es ist keine freudlose Traurigkeit. Das ist die Narbe, die von der Wunde der Sünde zurückbleibt. Doch diese Traurigkeit, diese Narbe, muss uns nicht lähmen. Sie kann unsere Demut, unsere Zerbrochenheit, unser Einfühlungsvermögen, unser Mitgefühl, unsere Liebe zu anderen Menschen und zu Gott sogar vertiefen und bereichern. Gott verschwendet nichts. Er möchte, dass du ihm vertraust und lebst.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
