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Du holst dein Handy heraus. Du suchst den richtigen Winkel, drehst dich ins beste Licht, findest den perfekten Hintergrund. Du machst ein Foto von dir selbst und postest es. Viele tun das. Selfies sind heute eine eigene Sprache. Doch hinter all den Selfies, den Herzchen und Kommentaren, hinter dem Gefühl, von anderen gesehen zu werden — steckt da etwas Dunkleres? Nähren wir einen bodenlosen Hunger, wenn wir uns wie Narzissten im Spiegel betrachten? Heute bei Ask Pastor John: Selfies in der Endzeit.
Smartphones sind wieder das Thema. Vor zwei Wochen haben wir uns mit Doomscrolling befasst — das war Folge 2276, „Doomscrolling Done Right“. Heute geht es um Selfies. Die Aufmerksamkeitsökonomie begegnet uns in . Dort beschreibt Jesus Menschen, die ganz im Alltag aufgehen: im Essen, Kaufen und Verkaufen — genau die Dinge, die wir auf sozialen Medien festhalten. Und in warnt Paulus, dass in den letzten Tagen Menschen „selbstsüchtig“ sein werden — was uns in der heutigen digitalen Kultur unmittelbar an das Aufbauen persönlicher Plattformen erinnert.
Diese Frage kam kürzlich von einem jungen Mann: „Pastor John, es fühlt sich an, als lebten wir in den allerletzten Momenten der Endzeit. Wenn ich lese, steht da, dass Menschen ‚selbstsüchtig‘ sein werden — und ich sehe genau das gerade entstehen, in einem Ausmaß, das es in der Geschichte noch nie gab. Ich meine digitale Medien, Selfies und die Ich-Besessenheit meiner Generation in sozialen Netzwerken. Es fühlt sich an, als wären das letzte Ausprägungen der Sünde, die das Ende ankündigen. Als jemand, der diese Plattformen nutzt, mache ich mir Sorgen: Ist mein Handy nur ein Werkzeug zur Selbsterhöhung? Was würdest du meiner Generation sagen?“ Hier ist, wie Pastor John diese Frage 2018 beantwortet hat.
Meine Antwort lautet: sowohl ja als auch nein — und zwar zweimal.
Erstens: Ja, Vlogs, Selfies und ich-zentrierte soziale Medien sind oft — wenn auch nicht immer — ein Ausdruck der Selbsterhöhung, Selbstbeschäftigung und Selbstfaszination der letzten Tage. Aber nein: Diese neuen Technologien sind nicht das erstmalige Auftreten solcher Sünden, denn sie waren immer schon da. Neue Technologien geben alten Sünden nur neue Ausdrucksformen. Das ist mein erstes Ja und Nein. Ja, das sind Erscheinungsformen der endzeitlichen Selbstliebe — und nein, sie entstehen nicht erst jetzt.
„Neue Technologien geben alten Sünden nur neue Ausdrucksformen.“
Das zweite Ja und Nein: Ja, wir leben in den letzten Tagen, und wir sollten aufmerksam, erwartungsvoll, hoffnungsvoll und freudig auf das Kommen unseres kostbaren, ersehnten und alles-sättigenden Herrn Jesus Christus schauen. Aber nein, wir leben noch nicht in den allerletzten Tagen — sondern in einer Zeit, die den letzten Tagen sehr ähnelt, die vor zweitausend Jahren im ersten Jahrhundert begannen.
Die letzten Tage
Lass mich das erklären. Als Jesus als der lang erwartete Messias in die Welt kam, verkündete er die Ankunft des Reiches Gottes — das das Alte Testament als Teil der letzten Tage ankündigte. Als Petrus am Pfingsttag aufstand und die außerordentlichen Ereignisse der Ausgießung des Heiligen Geistes zu erklären versuchte, sagte er: „Das ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: ‚Und es soll in den letzten Tagen sein, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch'“ (). Mit anderen Worten: Was ihr gerade erlebt, im Jahr 33 n. Chr., ist die Erfüllung der Verheißungen für die letzten Tage.
Die letzten Tage waren also bereits im ersten Jahrhundert da, unmittelbar nach dem Kommen Jesu. Oder : „Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise einst zu den Vätern gesprochen hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns gesprochen durch den Sohn.“ Das Kommen Jesu ist der Beginn der letzten Tage. Oder : „[Christus] ist zwar vorherbestimmt vor Grundlegung der Welt, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen.“ Seit der Zeit Jesu, vor zweitausend Jahren, leben wir in den letzten Tagen und schauen erwartungsvoll auf Jesus, der vor der Tür steht.
Dass Paulus so dachte, zeigt sich sogar in dem Text, den Ed über die Selbstliebe zitiert hat. Paulus schreibt: „Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden selbstsüchtig sein, geldgierig“ (). Und dann sagt er Timotheus: „Von solchen wende dich ab“ (). Offenbar sind diese Menschen schon da — nicht erst zweitausend Jahre später. Paulus spricht also von Timotheus‘ eigener Situation.
„Gott hat uns ein Ich gegeben — nicht damit wir etwas haben, worüber wir jubeln können, sondern damit wir etwas haben, womit wir jubeln können.“
Solche Menschen kommen in den letzten Tagen. Und Timotheus soll ihnen ausweichen, weil diese letzten Tage bereits angebrochen sind und sie schon unter uns sind. Man soll davon weder überrascht noch verführt werden. Neben dem Hinweis, dass der Richter vor der Tür steht, sollten wir stets wachsam und bereit sein, dem Herrn Jesus Rechenschaft zu geben, wenn er kommt (). Ed fragte mich, was ich Menschen auf Vlogs sagen würde. Das ist es, was ich sagen würde: Der Richter steht vor der Tür. Sei bereit. Sei wachsam. Du wirst Rechenschaft ablegen müssen. Das wäre das Erste.
Fülle der Freude
Und hier ist das Letzte, was ich sagen würde: Gott hat uns ein Ich gegeben — nicht damit wir etwas haben, worüber wir jubeln können, sondern damit wir etwas haben, womit wir jubeln können. Er hat uns ein Ich gegeben, nicht damit es das Objekt unserer Freude ist, sondern ihr Subjekt. Nicht als Mittelpunkt des Glücks vor dem Spiegel oder dem Selfie, sondern als Brennpunkt des Glücks vor Jesus. Er hat uns ein Ich gegeben — nicht als Instrument des Selbstwerts, sondern als Instrument der Anbetung.
Das Ich ist — und soll sein — eine Fabrik der Sehnsüchte. Und der Sinn all dieser Sehnsüchte besteht darin, dass es eine Freude außerhalb von uns gibt, auf die sie hinweisen: Die Fabrik produziert unablässig Sehnsüchte nach etwas jenseits des Ichs.
Diese Fabrik der Sehnsüchte ist nicht der Traum selbst. Sie hat einen Traum. Sie ist nicht der Traum. Sie produziert all diese Sehnsüchte, weil es dort draußen irgendwo einen Traum gibt. Sie sollen uns alle aus uns selbst herausführen — ja, über die Welt hinaus —, denn nichts in dieser Welt kann uns letztlich befriedigen.
Die Sehnsüchte des menschlichen Ichs sollen uns zu Gott führen, in dessen Gegenwart Freude in Fülle ist, zu seiner Rechten ewige Wonne (). Das ist es, was ich dem selbstbezogenen Nutzer sozialer Medien sagen würde: Das Ich war nie dazu bestimmt, uns zu befriedigen. Das Ich war nie dazu gemacht, Befriedigung in der Wahrnehmung oder Inszenierung seiner selbst zu finden. Das Ich wurde für Gott geschaffen.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
