Kinder kriegen und sie nicht töten. Das ist eine treffende Zusammenfassung der direkten Gebote, die Gott uns gibt, bevor das Gesetz in Exodus übergeben wird. Das erste und am häufigsten wiederholte ist das bekannteste:
Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan. ()
Adam und Evas wichtigste Aufgabe war es, die Erde mit Abbildern Gottes zu füllen. Sie sollten natürlich selbst treue, anbetende, liebevolle Spiegelbilder Gottes und seiner Herrlichkeit sein aber darüber hinaus sollten sie einander so lieben, dass dieses Bild hundert-, tausend-, millionenfach vervielfältigt wird. Seid fruchtbar. Kriegt Kinder. Das ist einer der großen Kehrreime der Genesis, der an Noah und Jakob wiederholt wird (; 35:11) und später auch an das Volk Israel ergeht ().
Ein zweites Gebot ist dem ersten ähnlich und tritt wegen der Sünde hinzu. Als Gott das Gebot an Noah wiederholt und seine Familie zur Vermehrung ermutigt, fügt er eine ernste Warnung hinzu, die er Adam und Eva noch nicht gegeben hatte:
Wer Menschenblut vergießt,
dessen Blut soll auch durch Menschen vergossen werden;
denn Gott hat den Menschen zu seinem Bilde gemacht.Ihr aber seid fruchtbar und mehret euch und breitet euch aus auf Erden und mehret euch auf ihr. ()
Kinder kriegen und sie nicht töten, das sind zwei eng zusammengehörige Gebote zum Schutz und zur Pflege der Heiligkeit menschlichen Lebens. Und in den Vereinigten Staaten trotzen wir frevlerisch beiden.
Hat das Leben seit Dobbs gewonnen?
Wir können nicht einmal dem ersten (und erfreulicheren) Gebot gehorchen: Geht hin und kriegt Kinder. Die Geburtenrate in den Vereinigten Staaten ist in diesem Jahr auf den niedrigsten je verzeichneten Stand gefallen. Im Jahr 2007, vor gerade einmal zwanzig Jahren, kamen mehr als vier Millionen Babys zur Welt. Letztes Jahr wurden 700.000 weniger geboren. In Amerika sind Kinder kein Erbe, keine Gabe, kein Pfeil in der Hand eines Kriegers (). Nein, zu oft werden sie behandelt wie sperriges, unordentliches, teures Gepäck.
Ich wünschte, der sinkende Geburtenindex wäre die schlimmste Nachricht. Tragischerweise brechen wir auch das zweite große Gebot, kein Menschenblut zu vergießen und das Bild Gottes zu zerstören. Jedes Jahr töten wir in diesem Land eine Million Kinder. Diese stille, unsichtbare Gruppe ist größer als Washington, D.C. und so viele Jungen und Mädchen töten wir jedes Jahr.
„Millionen unserer Söhne und Töchter sind zu unschuldigen Opfern unserer Gier nach Sex, nach Freiheit, nach Macht, nach uns selbst geworden.“
Haben wir nicht Roe v. Wade gekippt? Ja, Gott sei Dank! Doch hat sich die Situation bei der Abtreibung seit der Dobbs-Entscheidung tatsächlich verschlechtert. Während ich das schreibe, gibt es dreizehn Bundesstaaten mit nahezu vollständigen Abtreibungsverboten: Alabama, Arkansas, Idaho, Indiana, Kentucky, Louisiana, Mississippi, North Dakota, Oklahoma, South Dakota, Tennessee, Texas und West Virginia. Halleluja! Und doch lebe ich in einem der 37 Bundesstaaten, in denen jede Person innerhalb eines bestimmten Zeitraums aus praktisch jedem Grund legal eine Abtreibung vornehmen lassen kann. Sechs Bundesstaaten beschränken diese „Freiheit“ auf 6–12 Wochen. Vier weitere setzen Grenzen zwischen 15 und 22 Wochen. Achtzehn haben die Grenzen in der Nähe der Lebensfähigkeit (24–28 Wochen). Und neun Bundesstaaten plus D.C., mit insgesamt 45,5 Millionen Einwohnern, kennen keinerlei Schwangerschaftsdauergrenze. Das bedeutet, dass ein Kind bis zum einschließlich dem Moment der Geburt legal getötet werden kann. Halte inne und zwing dich, das wirklich zu durchdenken.
Kinder kriegen und sie nicht töten. Wir sind immer noch ein Land, das Kinder meidet und Millionen tötet.
Minenfeld für die Ungeborenen
Seit der Dobbs-Entscheidung haben Lebensschutzgesetze bei staatlichen Volksabstimmungen nur drei von siebzehn Abstimmungen gewonnen. Die rechtlichen Niederlagen überwiegen die Siege. Der größte aktuelle Kampf dreht sich um die Abtreibungspille. Im vergangenen Mai entschied der Oberste Gerichtshof, dass Händler die Pille auch in Bundesstaaten mit Abtreibungsverboten verschicken dürfen. In einem Staat wie Louisiana, wo Abtreibung nahezu vollständig verboten ist, rechnet man trotzdem noch mit rund tausend getöteten Kindern pro Monat.
Die Vereinigten Staaten sind, selbst im Jahr 2026, noch immer einer der gefährlichsten Orte der Welt für einen ungeborenen Menschen. Clarke Forsythe schreibt in seinem ausgezeichneten Buch Abuse of Discretion:
Die Vereinigten Staaten sind ein Ausreißer, wenn es um den Umfang des Abtreibungs-„Rechts“ geht. Die USA gehören zu ungefähr zehn Nationen (von 195), die Abtreibung nach der vierzehnten Schwangerschaftswoche erlauben. … Was die Erlaubnis von Abtreibung aus beliebigem Grund nach der Lebensfähigkeit betrifft, stehen die Vereinigten Staaten jedoch nur noch Kanada, Nordkorea und China zur Seite. (S. 126)
Die USA gehören zu lediglich vier Ländern der Welt, nur vier, die sich weigern, Ungeborene selbst nach Erreichen der Lebensfähigkeit zu schützen. Was bedeutet Lebensfähigkeit? „Einen solchen Entwicklungsstand erreicht zu haben, dass ein Leben unter normalen Bedingungen außerhalb der Gebärmutter möglich ist.“ Die USA und Kanada sind die Hälfte der Länder weltweit, die ein Kind nicht verteidigen, auch wenn es bereits außerhalb des Mutterleibs überleben könnte. Die anderen beiden sind Nordkorea und China.
Seit fast fünfzig Jahren hat die Vereinigten Staaten den Mutterleib zu einem Minenfeld gemacht, und Millionen unserer Söhne und Töchter sind zu unschuldigen Opfern unserer Gier nach Sex, nach Freiheit, nach Macht, nach uns selbst geworden.
In einer Welt, die Kinder tötet
Abtreibung ist ein so böses und so hartnäckiges Grauen, dass selbst Christen gegenüber diesem Albtraum abstumpfen können. Wir bei Desiring God spüren die Notwendigkeit, für diejenigen einzutreten, die sich in unserer Zeit nicht selbst verteidigen können. Deshalb haben wir eine Artikelreihe entwickelt, die das anhaltende Ungeheuerliche aufdecken und zu entschlossenem Gebet und Handeln für die Ungeborenen aufwecken soll. Wir töten unsere Kinder zu Hunderttausenden und Gott sagt uns, schon bevor es die erste Abtreibung gab, dass das Töten aufhören muss.
Den größten Teil unserer Zeit werden wir damit verbringen, den Kindesmord in der Bibel zu betrachten. Abtreibung war keine Erfindung von Roe v. Wade. Die Welt unter der Sünde tötet Kinder seit Tausenden und Abertausenden von Jahren. Wo zeigt Abtreibung ihr böses, hässliches Gesicht und was sagt Gott dazu, wenn diese Morde geschehen?
Wir werden uns zwingen, dabei zuzusehen, wie der Pharao Babys in den Nil wirft und dann erkennen, dass unsere Nation dem Pharao ähnlicher ist, als wir denken. Wir werden den Kindesmord als Opfer für falsche Götter und die dämonische Natur der Abtreibungsindustrie untersuchen. Wir werden uns daran erinnern, wie König Herodes aus Eifersucht und Raserei die kleinen Kinder in Bethlehem hinrichten ließ. Mit einigen weiteren Stationen auf dieser Reise durch das Grauen werden wir schließlich wieder auf den heutigen Schlachtfeldern landen und erkunden, was es bedeuten könnte, in unserer Zeit für die Ungeborenen zu kämpfen.
Größere Gefahr als die Abtreibung
Im christlichen Kampf für das Leben kämpfen wir wirklich um etwas Höheres und Größeres als menschliches Leben auf Erden. Wir kämpfen für diese Kinder, so ist es aber wir geben uns nicht damit zufrieden, Abtreibung, Menschenhandel oder Rassismus zu beenden.
John Piper und Tony Reinke haben in der Woche, in der der Oberste Gerichtshof Roe v. Wade kippte, eine Sonderfolge von Ask Pastor John aufgezeichnet. Das Gespräch feierte die Entscheidung als richtig und gut, enthielt aber auch ernste Warnungen davor, was sie für die Ungeborenen in Amerika tatsächlich bedeuten könnte. Diese Warnungen waren berechtigt. Gegen Ende setzte Pastor John die höchste Priorität unserer Lebensschutzarbeit:
Weit größer als die Gefahr der Abtreibung ist die Gefahr der Hölle. Menschen für das ewige Leben zu retten ist wichtiger und liebevoller als Babys vor der Abtreibung zu retten. Mit anderen Worten: Wir sorgen uns um alles Leiden und ganz besonders um das ewige Leiden. …
Wir sind zuerst Christen, bevor wir dem Lebensschutz verpflichtet sind. Wir erhöhen zuerst Christus, bevor wir das Leben erhöhen. Wir wollen Seelen retten, die Seelen von Müttern und Vätern, genauso wie wir die Leiber der Kinder retten wollen. Unser Ziel ist nicht nur das Ende der Abtreibung, sondern die ewige Freude vergebener Sünder.
Amen. Selbst wenn wir uns auf die Schrecken des Kindesmordes konzentrieren, ist unser größtes Gebet, dass Seelen durch Jesus gerettet und verwandelt werden. Ein Land, das Erweckung erlebt, ist unbestreitbar ein sichereres Land für die Ungeborenen. Dieses Streben nach ewiger Freude begrenzt nicht den realen Fortschritt, den wir mit Gottes allmächtiger Hilfe heute auf der Erde erzielen können aber es leitet und beflügelt den langen Kampf, der noch vor uns liegt.
Lasst uns also die Waffen gegen das Böse ergreifen und beten, dass Gott mehr tut, als wir bitten oder denken können, um die Ungeborenen vor Tod und Hölle zu bewahren.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
