„Was kann ich für dich tun?“ – diese Frage stellen wir Mütter uns ständig. Kaum ist sie gestellt, folgt die Tat. Mahlzeiten tauchen wie aus dem Nichts auf, Spielverabredungen entstehen spontan. Wir putzen, fahren Kinder durch die Gegend, hören zu, denken gemeinsam nach. Wir kommen früh und bleiben bis spät. Eine meiner Mutter-Freundinnen stand einmal mit einem Kleinkind, einem Baby und fertigem Pfannkuchenteig vor meiner Tür – im Morgengrauen –, damit ich nach einer Operation endlich schlafen konnte. Stundenlang. Die Stärke einer Mutter gehört nicht nur ihrer eigenen Familie. Auch die Familien ihrer Freundinnen profitieren davon.
Neulich bat mich eine Mutter jedoch um etwas, das ich noch nie zuvor gehört hatte – eine Bitte, seltener als Steak tartare und schwerer zu erfüllen als eine hungrige Kinderschar zu sättigen. Meine Freundin hatte gerade von ihren langen Tagen und dieser anstrengenden Zeit erzählt. „Was kann ich für dich tun?“, fragte ich. Ihre Antwort?
„Sei eine glückliche Mutter.“
Vom Überleben zur Freude
Christliche Mütter sind schnell dabei, sich gegenseitig durch die Elternschaft zu helfen. Aber wie schnell helfen wir uns, sie auch zu genießen?
Wahrscheinlich öfter als selten: gar nicht – und das aus mehreren Gründen. Zum einen durchdringt murrende Elternschaft nicht nur unsere Kultur, sie wird von ihr regelrecht gefeiert. Als ich meinen damaligen Kollegen meine erste Schwangerschaft ankündigte, sagte mir die lauteste Stimme im Raum, ich solle mich von mir selbst verabschieden. Die anderen Eltern widersprachen nicht; sie nickten, lachten und zogen dabei gleich-ermaßen Grimassen, während sie von vergangenen Freiheiten erzählten. Ich habe auch schon von einer Babyparty gehört, bei der die Geschenke zur Hälfte aus Windeln und zur Hälfte aus Alkohol bestanden – die werdende Mutter werde ihn schon brauchen. Murren ist eines der Hauptnahrungsmittel des Fleisches. Ohne Christus hat die moderne Kultur wenig Grund, darauf zu verzichten.
Ein weiterer Grund: Anders als fleischliches Klagen ist Freude im Opfer übernatürlich. Sie kann nicht ohne Gottes Weisheit, Gottes Gnade und Gottes Kraft bestehen. Und tatsächlich ist sein Volk einer der Wege, auf denen wir seine Hilfe empfangen. Wie soll eine christliche Mutter inmitten der härtesten Momente der Mutterschaft glücklich sein? Andere christliche Mütter können gemeinsam mit ihr glücklich sein.
Kein Soloprojekt
In zeichnet Lukas ein eindrucksvolles Bild des christlichen Lebens. Nach dem Pfingsttag verharrte die frühe Gemeinde „in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet“ (Vers 42). Großzügigkeit gegenüber Bedürftigen war selbstverständlich: „Güter und Habe“ wurden verkauft und der Erlös verteilt (Vers 45). Jeden Tag gab es Gottesdienst im Tempel, offene Häuser und gemeinsame Mahlzeiten (Vers 46). Kurz gesagt: „fröhliche und lautere Herzen“ priesen Gott (Vers 46–47).
Von all den Dingen, die Lukas erwähnt, wird keines allein getan. Die Wörter sie, sich, ihr, alle und zusammen tauchen in diesen sechs Versen vierzehn Mal auf! Warum diese ständige Mehrzahl? Weil „Gemeinschaft“ (Vers 42) einer der Haupttreibstoffe ist, auf den Gott das christliche Leben ausgelegt hat. Die Selbstaufopferung, Freude und Anbetung, die in so deutlich sichtbar werden, sollten uns staunen lassen – und unser Gespür dafür schärfen, dass Gottesfurcht in gottgefälliger Gemeinschaft gedeiht. Ein einzelner Stern macht noch kein Sternbild. Um die Schönheit des Orion zu sehen, musst du Beteigeuze, Rigel, Bellatrix und Saiph; Alnitak, Alnilam und Mintaka gemeinsam betrachten. Gottes Braut ist keine einzelne Person. Gottes Braut ist eine Gemeinde – unzählige Menschen, die alle gemeinsam lernen, als Gottes Braut zu leben.
„Freude im Opfer ist übernatürlich. Sie kann nicht ohne Gottes Weisheit, Gottes Gnade und Gottes Kraft bestehen.“
Was für eine gnädige Wirklichkeit für gläubige Mütter. Gott hat nicht vor, dass wir um Freude im Opfer kämpfen wie eine Boxerin im Ring: Schweiß im Gesicht, Muskeln kurz vorm Versagen, johlende Zuschauer – und das allein. sagt nicht: „Jesus sprach zu einer einzelnen Person: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Nein, Matthäus schreibt: „Jesus sprach zu seinen Jüngern.“ Das Kreuz mit Freude zu tragen ist für Christen eine Gemeinschaftsaufgabe.
In seiner Güte hat Gott die Mutterschaft eher einem Marathon als einem Boxkampf ähnlicher gemacht. Ganz gleich, wie wenig Essen, Schlaf und innere Stabilität wir noch haben – ein Blick nach links zeigt uns Frauen, Tausende von ihnen, die denselben Kurs laufen. Stell dir vor, wie sich alle unsere Rennen verändern würden, wenn wir uns gegenseitig anlächelten. Was wäre, wenn nicht gegenseitiges Klagen, sondern gegenseitiger Zuspruch das Geräusch unserer stampfenden Füße begleitete? Wenn eine Mutter ihren Weg als Privileg begreift, fällt es der nächsten tausendmal leichter, der Vorsehung ebenfalls zu danken.
Was für eine „glückliche Mutter“?
Gott freut sich daran, die Freude anderer Mütter zu nutzen, um unsere eigene Freude zu mehren. Damit das geschehen kann, müssen wir tatsächlich Mütter sein, die Freude haben. Aber Freude – worüber? Ist das eigentliche Ziel, es zu genießen, nach Spucke zu riechen und schlafentzogen durch den Tag zu taumeln? Sollen wir den Trotzanfall des Kleinkindes oder das charakteristische Augenrollen des Teenagers schätzen?
Wenn ich schreibe „Sei eine glückliche Mutter“, meine ich nicht: „Tu so, als wäre Schweres leicht. Spiel die Erschöpfung herunter. Öffne dich niemals, weine niemals.“ Nein – selbst mit dem Heiligen Geist in uns und der Schrift vor uns ist Elternschaft kein Spaziergang. Ein Marathon bleibt ein quälend langer Lauf von 42 Kilometern, auch wenn dankbare und entschlossene Läuferinnen an unserer Seite sind. Wer lächelt schon beim Klang des Geschwisterstreits? Ich weine oft nach langen Tagen voller Trotz meiner Kinder und eigener Fehler. Und doch – selbst unter Tränen – gibt es etwas, womit ich zufrieden sein kann, und womit jede Mutter, an welchem Tag auch immer, zufrieden sein kann: den Gott hinter, über und in diesem Tag.
Durch Gnade und Glauben können wir „euch freuen in dem Herrn“ – wann? – „allezeit“ (). Denn egal, was eine Mutter an ihrem Tag erlebt – in Gott ist „Freude in Fülle … für immer und ewig“ (). Er ist ein reichhaltiges Mahl für die erschöpfte Seele in Nächten, in denen die ganze Familie mit Magengrippe im Bett liegt (); er ist ein alles-stillender Trank für Mütter an Morgen, an denen kein Kind mit irgendetwas zufrieden zu sein scheint (). Wie Paulus besitzen wir das eine, was zur Zufriedenheit in jeder Lage nötig ist: Christus (). Unangenehme Umstände machen ihn oft nur noch süßer.
Und wunderbar: Je süßer er schmeckt, desto besser schmeckt auch der Tag selbst. „Dies ist der Tag, den der HERR gemacht hat“, sagt . Der HERR – mein Retter und Herr, mein Schatz und Freund? Der, in dem „es Gott gefiel, die ganze Fülle wohnen zu lassen“ (), der verspricht, mich niemals zu verlassen noch von mir zu weichen () und alle Dinge zu meinem Besten zu wirken ()? Nun, wenn dies der Tag ist, den er gemacht hat, dann lasst uns von ganzem Herzen „freuen und fröhlich darin sein“ ().
Mütter als Marathonläuferinnen
Da ist es wieder, das gemeinschaftliche Wort: uns. Mütter, lasst uns Seite an Seite über unseren Gott jubeln – wie Marathonläuferinnen. Und während wir uns über ihn freuen, lasst uns lernen, dankbar für die Tage zu sein, die er uns als Mütter geschenkt hat – was auch komme. Vielleicht gibt es kaum eine Gruppe, die so sehr „aufeinander achten“ muss, um sich „zur Liebe und zu guten Werken anzureizen“ ().
Und vielleicht hilft anderen Müttern kaum etwas so sehr, wie selbst eine glückliche Mutter zu sein.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung. Mehr von Desiring God.
