Altes Testament

Warum gute Männer an Gott scheitern

John Piper7 Min. LesezeitQuelle: Desiring God

Auf einen Blick

König Asa beginnt sein Leben als treuer Diener Gottes – und endet doch in Bitterkeit und Eigensinn. John Piper untersucht diese scheinbar widersprüchliche Lebensgeschichte und fragt, was sie uns über Sünde, Treue und die Notwendigkeit eines Erlösers lehrt. Der Artikel zeigt, warum kein Mensch – auch kein gottesfürchtiger – seine eigene Gerechtigkeit vor Gott aufbauen kann.

Wir kennen die Geschichte. Ein Mann fängt voller Glauben an. Nach außen hin macht er alles richtig. Doch im Lauf der Jahre – manchmal sogar kurz vor dem Ziel, in den letzten Lebensjahren – bricht alles zusammen. Er wird verbittert, verliert den Glauben, verlässt sich auf sich selbst und hört auf, Gott zu vertrauen. Genau das scheint mit König Asa in der Bibel passiert zu sein. Und das lässt uns fragen: Wenn jemand, der Gott so tief ergeben war, am Ende einfach abdriften kann – was bedeutet das für uns alle? Heute: Warum gute Männer an Gott scheitern.

In unserem Navigators Bibelleseplan lesen wir in diesem Wochenende über König Asa im Alten Testament. Als Vorbereitung auf seine Lebensgeschichte erreichte uns folgende Frage eines anonymen Hörers:

„Pastor John, vielen Dank für den Podcast und dafür, dass du Fragen beantwortest. Meine Frage betrifft –16. Ich denke viel über den Lebensweg König Asas nach, besonders im Licht von : ‚Denn des HERRN Augen schauen auf dem ganzen Erdboden, dass er die stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.‘ Eine kostbare Stelle, die du vor zwei Jahren in APJ 2064 wunderbar ausgelegt hast.

„Was mich beschäftigt, ist der Gegensatz zwischen Anfang und Ende von Asas Herrschaft. Am Anfang heißt es, er habe getan, was gut und recht war vor dem HERRN (). Gegen Ende aber wird er getadelt, weil er sich auf den König von Syrien statt auf den HERRN verlassen hat (). Und als er schwer erkrankt, heißt es, er habe die Ärzte gesucht, aber nicht den HERRN (). Außerdem wirkt er wütend und verbittert, wenn er zurechtgewiesen wird. Gleichzeitig sagen und , dass Asa dem HERRN sein ganzes Leben lang von ganzem Herzen ergeben war. Wie soll man das verstehen? Wie kann jemand so beschrieben werden und trotzdem gegen Ende abzudriften oder zu verhärten scheinen? Und was lehrt uns Asas Geschichte darüber, wie wir gut enden – für unseren eigenen Glauben und dafür, wie wir über ältere Gläubige denken, deren Leben vielleicht nicht so geistlich stark endet, wie es einmal war?“

Das ist wirklich eine gute Frage, und ich teile das Ringen um Asa. Man liebt ihn – und dann sagt man: „Was?“

Die Sünde verdirbt alles

Mir scheint, dass eine der übergreifenden Lektionen, die Gott uns durch das Alte Testament vermitteln will, diese ist: Die Sünde hat selbst die besten Menschen verdorben. Das ist eine der großen Botschaften. Und die Schlussfolgerung daraus für die ganze Welt – für uns alle, alle Völker, nicht nur Israel – lautet: Wenn Gottes auserwähltes Volk, Israel, trotz aller seiner Vorrechte keine gottgefällige Gesellschaft aufbauen konnte und es keinen einzigen Menschen gab, der nicht in irgendeinem Maß von der Sünde korrumpiert war, dann gibt es für den Rest der Welt keine Hoffnung, vor Gott zu bestehen. Dann brauchen wir alle einen Retter von Gott.

Ich glaube, genau das ist der Punkt von :

Wir wissen aber, dass das Gesetz alles sagt denen, die unter dem Gesetz sind [das ist Israel], damit jeder Mund gestopft werde [das sind wir alle] und alle Welt vor Gott schuldig sei. Denn durch die Werke des Gesetzes wird kein Mensch vor ihm gerecht; denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

Mit anderen Worten: Egal, wie sehr jemand je versucht hat oder noch versuchen wird – das menschliche Herz ist einfach zu sündig, um sich eine eigene Gerechtigkeit aufzubauen. Wir brauchen einen Retter, und Jesus ist dieser Retter – der einzige. Im Alten Testament gibt es dieses seltsame Ineinander von Gericht, Barmherzigkeit und Hoffnung. Selbst die besten Geschichten sind von Sünde gezeichnet.

„Ich sollte zittern bei dem Gedanken, dass ich dem Herrn Schande bereiten könnte, indem ich im Alter nicht mehr meiner eigenen Überzeugung entsprechend lebe.“

Adam und Eva wurden gut erschaffen und lehnten sich auf (). Noah war gut, und dann versagte er in seiner Trunkenheit (). Abraham war gütig zu seinem Neffen Lot, aber nicht ohne Fehler gegenüber seiner Frau (; 20:2). Isaak bevorzugte zu Unrecht Esau gegenüber Jakobs, dem von Gott erwählten Nachkommen (). Jakob war sein ganzes Leben ein Betrüger (). Seine Söhne verkauften ihren Bruder in die Sklaverei (). Die Zeit der Richter ist pure Anarchie ohne einen König (). Und die ersten Könige Israels – sie alle sind zwiespältig. Saul gehorchte nicht und wurde abgesetzt (). David begeht Ehebruch (). Salomo wurde durch siebenhundert Frauen ins Verderben geführt (). Als das Königreich sich teilt, sind alle Könige befleckt – ausnahmslos – oder schlimmer noch. Und einer dieser Könige ist Asa.

Wirklich ganz?

Asas Geschichte – gut anfangen, schlecht enden – passt also in dieses Muster. Es sollte uns nicht überraschen. Aber wir müssen textuell und exegetisch klären, was der Verfasser in meint, wenn er schreibt:

Asa tat, was recht war vor dem HERRN, wie sein Vater David. [Das ist ein Hinweis, denn David hat nicht alles gut gemacht. Das ist ein Hinweis.] Er schaffte die Lustknaben aus dem Land und entfernte alle Götzen, die seine Väter gemacht hatten. Auch setzte er seine Mutter Maacha ab, weil sie ein Bild der Aschera gemacht hatte; Asa ließ das Bild umhauen und am Bach Kidron verbrennen. Nur wurden die Höhen nicht abgeschafft. Dennoch war das Herz Asas vollkommen beim HERRN sein ganzes Leben.

Das ist der rätselhafte Satz. Er hat also die Höhen nicht abgeschafft, aber sein Herz war vollkommen beim HERRN. Es ist ziemlich deutlich, dass der Verfasser möchte, dass wir Asa hauptsächlich positiv sehen. Er erwähnt nur, dass die Höhen nicht beseitigt wurden. Und er sagt: „Asa tat, was recht war vor dem HERRN“ (). Wir wissen aus 2. Chronik, dass es noch andere Sünden gab. Er stützte sich einmal auf Syrien. Er befragte nicht Gott, sondern wandte sich an Ärzte, als er an der Fußkrankheit litt. Es ist also klar: Sowohl in 2. Chronik als auch in 1. Könige war Asa hauptsächlich ein guter König, der aber einige schwerwiegende sündhafte Fehler beging.

Hingabe und Götzendienst

Die Frage lautet also: Was meint , wenn es heißt: „Die Höhen wurden nicht abgeschafft. Dennoch war das Herz Asas vollkommen beim HERRN sein ganzes Leben“? Wir haben es hier nicht einfach mit einer Spannung zwischen 2. Chronik und 1. Könige zu tun, als hätten sich zwei Verfasser widersprochen – nein. Im selben Vers sagt der Verfasser von 1. Könige, dass er die Höhen nicht beseitigt hat, und trotzdem war sein Herz vollkommen beim HERRN. Wir müssen also verstehen, was „vollkommen beim HERRN“ bedeutet und wie das mit etwas coexistieren kann, das Gott missbilligt.

Hier ist mein Vorschlag. Ich habe die hebräische Wendung hinter „vollkommen beim HERRN“ untersucht. Was bedeutet das wörtlich? Es heißt „ganz mit dem HERRN“ – šālêm ‚im-Yahweh. Ich habe nach Parallelstellen gesucht. Und da ist eine aufschlussreiche Parallele in : „Als Salomo alt war, wandten seine Frauen sein Herz anderen Göttern zu, sodass sein Herz nicht vollkommen beim HERRN, seinem Gott war, wie das Herz seines Vaters David.“

Da haben wir genau denselben Ausdruck. Mir scheint, dass der Verfasser von 1. Könige mit einem Herzen, das „ganz beim HERRN“ ist, nicht die Abwesenheit von Sünde meint, sondern die Abwesenheit von Götzendienst. Kann man diese Unterscheidung machen? Ich glaube, er möchte, dass wir sie machen. Jene Höhen, die Asa nicht beseitigt hat, waren meiner Meinung nach kein Zeichen von Asas Götzendienst. Das könnte man meinen, aber ich glaube es nicht – denn in Vers 12 heißt es, er habe alle Götzen seiner Väter entfernt. Diese Höhen standen nicht für Asas Hinwendung zu anderen Göttern.

Mein Fazit ist: Der Verfasser sowohl von 2. Chronik als auch von 1. Könige stellte Asa als jemanden dar, der sich niemals vom HERRN als seinem wahren und einzigen Gott abgewendet hat. Das ist es, was er meint: der Gott, dem er dient, dem er anbetet. Aber daneben gab es Aussetzer in einigen seiner politischen und persönlichen Entscheidungen, die mit dieser Hingabe an den HERRN nicht vereinbar waren.

Wir brauchen einen Retter

Wenn ich dann zurücktrete – alter Mann John Piper, der das für sich selbst durchdenkt –, dann scheint mir die Lektion für mich, ja für uns alle, besonders für ältere Menschen, dreifach zu sein.

Erstens: Wir brauchen einen Retter. Oh, wie wir einen Retter brauchen. Wir werden niemals in der Lage sein, uns eine eigene Gerechtigkeit aufzubauen. Wir brauchen die Gerechtigkeit Christi, um vor unserem heiligen Gott bestehen zu können.

Zweitens sollten wir zittern. Ich sollte zittern bei dem Gedanken, dass ich dem Herrn Schande bereiten könnte, indem ich im Alter nicht mehr meiner eigenen Überzeugung entsprechend lebe.

Und drittens dürfen wir Mut fassen, denn Gott „weiß, wie wir gemacht sind; er bedenkt, dass wir Staub sind“ (). Unsere Errettung hängt nicht von unserer Vollkommenheit ab, sondern von Christus und unserem Festhalten an ihm.

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Über den Autor

John Piper

John Piper

Autor

John Piper ist Gründer und Lehrer von Desiring God sowie Vorsitzender des Bethlehem College and Seminary. 33 Jahre lang diente er als Pastor der Bethlehem Baptist Church in Minneapolis, Minnesota. Er ist Autor von mehr als 50 Büchern, darunter Sehnsucht nach Gott: Leben als christlicher Genießer.

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