Dunkel. Unwirtlich. Feucht. Schatten voller Fragen; Stille voller Traurigkeit. Der Körper zittert. Allein. Feinde nah. Freunde fern. Gefesselt in mitternächtlicher Finsternis am helllichten Tag. David sitzt, weit entfernt vom Thron, in einer Höhle.
Er verfolgt seinen Abstieg rückwärts. Wie war es nur so weit gekommen? Gott hatte ihm so viel verheißen, so viel erfüllt – ihn so hoch erhoben, dass er einem Riesen den Kopf abschlagen konnte. Er hatte die Herzen des Volkes, des Prinzen und der Tochter des Königs gewonnen. Selbst Saul hatte ihn eine Zeit lang geliebt. Nun sitzt er allein in einer Höhle. Wie tief sind die Mächtigen gefallen. Der Mann, dessen Ruhm nach Feierlichkeiten verlangte, verbirgt sich nun im Inneren der Erde. Wo hatte er die falsche Abzweigung genommen? Er hat keinen Ort, an den er gehen kann, und niemanden, mit dem er zusammen sein kann. Wie soll er jemals zurückgewinnen, was verloren ging?
Warst du jemals in einer solchen Höhle? Du verstehst den Plan nicht mehr. Es gelingt dir nicht, die Verbindung zwischen Gottes Verheißungen, deinen Gebeten und diesem Kerker herzustellen. Wie könnte Gott diese Einsamkeit, diese Not, diese freudlose Wendung jemals zu deinem Guten wenden?
Bist du dann nicht froh, über folgende Überschrift zu lesen: „Ein Maskil Davids, als er in der Höhle war. Ein Gebet.“ Die Höhlenpsalmen (57; 142) haben meiner Seele eine Stimme gegeben und mich gelehrt, nicht nur mit dem Murren aufzuhören, sondern dankbar zu sein für die Schatten, die Stille und die Abgeschiedenheit. Vielleicht wird eine kurze Betrachtung über dasselbe für dich tun.
Isolation ist oft das Schlimmste daran. Sie vertieft die Dunkelheit und verhärtet dein Lager aus Stein. Als die Angst über dich kam, hast du erwartet, dass andere direkt an deiner Seite stehen würden.
Doch hier sitzt du.
In einer Höhle.
Allein.
Draußen fällt Regen; die Wände hallen von deinem Elend wider:
Schau nach rechts und sieh:
da ist niemand, der auf mich achtet;
keine Zuflucht bleibt mir;
niemand sorgt sich um meine Seele. ()
Schau, Herr! Schau hier zu meiner Rechten und sieh nur Felsen. Ist ein Freund in Reichweite? Keiner. Einst wurden meine Taten besungen und dein Wirken durch mich gerühmt; du hast meinen Namen überall bekannt gemacht. Einst brachte mir das ganze Volk seine Dankbarkeit entgegen; jetzt achtet niemand auf mich; jetzt sorgt sich niemand um meine Seele. Ich bin aus der Zuflucht vertrieben worden, die meine Schleuder mir verschafft hatte; keine Zuflucht bleibt mir außer der eines Geächteten. Einzelhaft – mein Zuhause.
Als David nicht wusste, wohin er sich wenden sollte, wusste David, wohin er sich wenden musste. Als alle Wege versperrt schienen, wusste er, dass der Weg nach oben niemals blockiert war. Gott war immer in Hörweite.
Mit meiner Stimme schreie ich zum HERRN;
mit meiner Stimme flehe ich den HERRN um Gnade an.
Ich schütte meine Klage vor ihm aus;
ich lege ihm meine Not dar. ()
„Mit meiner Stimme …“ Die Höhle widerhallt von Davids Verzweiflung. Seine bedrängte Seele muss Luft bekommen; sein Kummer muss ausgesprochen werden. Er ließ die Gedanken nicht in seinem Kopf gären. Das war kein Selbstgespräch eines Schauspielers, der zu sich selbst spricht. Das war die Stimme eines Mannes nach Gottes Herzen, der zu Gott schrie, als sein Herz zerbrach. David wusste: Wenn er allein war, war er niemals allein.
Und selbst als sein Geist ermattete, als die Wände sich zu schließen schienen und jede Hoffnung verloren war, als er sich weder herausdenken noch hindurchkämpfen konnte, brannte eine einzige Überzeugung in ihm:
Wenn mein Geist in mir verzagt,
kennst du meinen Weg! ()
Er weiß nicht, wohin er gehen oder wem er vertrauen soll; er weiß nur, dass Feinde seinen freundlosen Weg bedrängen. Sein Geist taumelt wie ein Mann ohne Wasser in der Wüste. Sein Leben ist ein Umherirren; er kennt den Weg nicht – aber sein Gott kennt ihn. Dieser Zickzackkurs, dieser schmerzvolle Rückschlag, dieser dunkle Umweg – wie sollte daraus etwas Gutes entstehen? Wie könnte dies der Weg zur Verheißung sein? Wie könnte dies der richtige Weg sein? Er brauchte die Antworten nicht. Er musste nicht auf die Karte schauen, nicht selbst das Steuer in die Hand nehmen und den Weg kennen – „Du kennst den Weg!“ Und Christen fügen hinzu: „Herr, du bist der Weg.“
Wenn du es annehmen willst, dann nimm die Lektion der Höhle an:
Ich rufe zu dir, HERR;
ich sage: „Du bist meine Zuflucht,
mein Anteil im Land der Lebenden.“ ()
Manchmal braucht es die Höhle – ein Leben in Trümmern, siegreiche Feinde, Freunde, die nirgends zu finden sind –, damit wir (wieder) lernen, dass Gott die einzige wahre Zuflucht und unser einziger wahrer Anteil im Land der Lebenden ist. Dass er tatsächlich genügt. Die Stille lehrt den Menschen Gottes allesgenügende Fülle; die Dunkelheit hilft uns, das Licht der Welt neu zu entdecken. Wenn das Leben uns über den Kopf wächst, wenn wir so tief erniedrigt werden, dass wir den Staub lecken, kniet er sich neben uns. Unser Anteil hat uns nicht verlassen. Der Grund unseres Lebens ist genau hier.
Er kennt deinen Weg, wenn ihn sonst niemand kennt; er hört deine Stimme, wenn sie sonst niemand hören kann; er sitzt neben dir, wenn es sonst niemand tut. Wenn du dich im Inneren der Erde wiederfindest, die Sonne tot zu sein scheint und kein Bruder dir den Trost schenkt, nach dem du dich sehnst – kennst du den, der jede deiner Tränen aufgefangen und auf jeden deiner Seufzer gehört hat? Sein Name wird noch immer mit vielen Titeln wiedergegeben: Liebe, Gott, Vater, Retter und Freund.
Der, der über der Höhle thront, lenkt noch immer dein Leben. Im anderen Höhlenpsalm schreibt David:
Ich rufe zu Gott, dem Höchsten,
zu Gott, der sein Vorhaben an mir vollendet. ()
David spricht zu einem Gott, der über allen Umständen steht und zugleich seine Umstände lenkt. Zu einem Gott, der weder überrascht noch hektisch reagiert noch über das stolpert, was ihm widerfahren ist. Zu einem Gott, der einen Plan für David hat und ihn selbst jetzt zur Ausführung bringt. Im Inneren der Erde, unter Druck von allen Seiten, formt Gott seinen Diamanten. Einem Mann, der gelernt hat, erniedrigt zu werden, kann man anvertrauen, höher erhoben zu werden. Ein Mann, der Gott vertraut, wenn er zu Boden geworfen wird, ist beinahe bereit für einen Thron. Gott macht Könige in Höhlen.
Davids Hoffnung ist noch nicht am Ende. Gott genügt ihm. Seine Gegenwart verwandelt Adullam in Eden, und doch ist David überzeugt, dass Gott noch mehr geben wird. Menschliche Beziehungen waren ihm weiterhin wichtig – „es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Höre die letzte Zeile seines Gebets:
Die Gerechten werden mich umringen,
denn du wirst mir wohltun. ()
Er wird dich nicht allein lassen. Gott wird dich mit Menschen umgeben, die ihn lieben – in diesem Leben und im kommenden. Er wird sich noch als gnädig erweisen. Gott wird dir reichlich Gutes tun. Bis Christus selbst jede Träne mit seiner eigenen Hand von deinen Augen abwischen wird, gebraucht er die Hände seines Leibes, um es zu tun.
Wenn alles verloren scheint, dann erinnere dich an deinen Gott.
Er ist der Gott, der deinen Weg kennt, auch wenn deine Seele verzagt ist. Er ist der Gott, der eine Zuflucht bleibt, wenn Menschen und Königreiche versagen. Er ist der Anteil deiner Seele, wenn kein Freund dir nähersteht als ein Bruder. Er ist der Gott, der die Niedrigen aus dem Staub erhebt, den Verfolgten beisteht und dich so erfüllt, dass du seinen Namen preisen kannst. Er ist der Gott, der nichts ohne Absicht tut, der seinen Plan für dich vollendet, selbst wenn du die Hand vor Augen nicht sehen kannst. Und er ist der Gott, der sich noch als gnädig erweisen wird und deine einsame Seele zu seiner Zeit mit gerechten Gefährten umgeben wird.
Dieser Beitrag erschien zuerst bei Desiring God. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.
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Über den Autor
Autor
Greg Morse ist Mitarbeiter von Desiring God und Absolvent des Bethlehem College and Seminary. Er und seine Frau Abigail leben mit ihrem Sohn und ihren drei Töchtern in Saint Paul.
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