Die christliche Lehre von der Dreieinigkeit ist keine Erfindung der Christen im vierten Jahrhundert. Sowohl im Neuen Testament als auch im Alten Testament finden wir alle wichtigen Grundlagen dieser Lehre. Es gibt nur einen Gott, drei Personen sind dieser eine Gott und sie sind voneinander zu unterscheiden.1
Im Propheten Sacharja finden wir schon klare Hinweise, dass es mehr als eine göttliche Person gibt, einen Gesandten in menschlicher Form und einen im Himmel. Das Neue Testament identifiziert den Gesandten mit Jesus.
„12 Denn so spricht der HERR der Heerscharen, nachdem die Herrlichkeit mich ausgesandt hat, über die Nationen, die euch geplündert haben – denn wer euch antastet, tastet seinen Augapfel an –: 13 Ja, siehe, ich werde meine Hand über sie schwingen, und sie sollen ihren Knechten zur Beute werden. Und ihr werdet erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich gesandt hat. 14 Juble und freue dich, Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und werde in deiner Mitte wohnen, spricht der HERR. 15 Und an jenem Tag werden viele Nationen sich dem HERRN anschließen. So werden sie mein Volk sein. Und ich werde in deiner Mitte wohnen, und du wirst erkennen, dass der HERR der Heerscharen mich zu dir gesandt hat“ ().
Wer diese Stelle genau liest, wird feststellen, dass hier zwei göttliche Personen erwähnt werden, die Jahwe sind. Einer, der gesandt ist und einer, der sendet. In Vers 12 und 13 sagt Jahwe, dass er gesandt wurde und seine Hand über die Nationen schwingen wird. Da es im AT immer Gott ist, der Gericht hält (; ) und kein Prophet, wird deutlich, dass hier Jahwe redet.2 Zum Schluss von Vers 13 sagt er (Jahwe), dass Jahwe ihn gesandt hat. Man kann sich fragen, wie es sein kann, dass Jahwe von Jahwe gesandt wird. Vielleicht drückt sich der Text einfach etwas kompliziert aus. Aber die Verse 14 und 15 bestätigen genau dieses Verständnis. In Vers 14 spricht Jahwe, dass er selbst kommt und in der Mitte seines Volkes wohnen wird. Einen Vers später redet immer noch Jahwe, denn er wiederholt das, was er zuvor gesagt hat („ich werde in deiner Mitte wohnen“) und sagt erneut, dass Jahwe ihn gesandt hat. Es gibt also einen gesandten und einen sendenden Jahwe. Das NT verwendet nicht mehr den Gottesnamen Jahwe. Stattdessen redet es davon, dass der Vater seinen Sohn Jesus Christus sendet () und definiert genauer, wer die zwei Jahwe-Figuren sind.
In wird das Verständnis von Kapitel 2:12-15 bestätigt.3 Dort heißt es:
„9 Und es wird geschehen an jenem Tag, da trachte ich danach, alle Nationen zu vernichten, die gegen Jerusalem herankommen. 10 Aber über das Haus David und über die Bewohnerschaft von Jerusalem gieße ich den Geist der Gnade und des Flehens aus, und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen, wie man über den einzigen Sohn wehklagt, und werden bitter über ihn weinen, wie man bitter über den Erstgeborenen weint.“
Das ganze Kapitel 12 von Sacharja ist ein Ausspruch Jahwes (Vers 1). Er redet immer wieder in der 1.Person Singular („Ich…“).4 In Vers 9 sagt er, dass er Gericht halten wird über die Völker und zu Beginn von Vers 10, dass er über das Haus David und die Bewohner Jerusalems seinen Geist ausgießen wird. Es ist klar: Hier redet Jahwe. Und er sagt: „und sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben.“
Zwei Dinge passieren: 1. Jahwe wird gesehen, 2. Jahwe wird physisch durchbohrt werden.5 Damit sich diese Aussage wirklich erfüllen kann, muss Jahwe auf diese Welt kommen und einen physischen Leib annehmen. Hier redet offensichtlich der gesandte Jahwe. In und wird diese Stelle auf Jesus bezogen. Somit nennt das NT direkt, wer der Jahwe ist, der sichtbar erschienen ist und durchbohrt wurde. Es ist Jesus. Er ist Gott in menschlicher Gestalt.
Dass der gesandte Jahwe Jesus ist, erkennt man auch sehr gut zwei Kapitel später. Dort heißt es:
„3 Dann wird der HERR ausziehen und gegen jene Nationen kämpfen, wie er schon immer gekämpft hat am Tag der Schlacht. 4 Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten ⟨liegt⟩; und der Ölberg wird sich von seiner Mitte aus nach Osten und nach Westen spalten ⟨und⟩ ein sehr großes Tal ⟨schaffen⟩, und die ⟨eine⟩ Hälfte des Berges wird nach Norden und seine ⟨andere⟩ Hälfte nach Süden weichen. 5 Und ihr werdet in das Tal meiner Berge fliehen, denn das Tal der Berge wird bis Azal reichen. Und ihr werdet fliehen, wie ihr vor dem Erdbeben geflohen seid in den Tagen Usijas, des Königs von Juda. Dann wird der HERR, mein Gott, kommen ⟨und⟩ alle Heiligen mit ihm“ ().
Wir lesen in Vers 3, dass es Jahwe ist, der ausziehen wird und die Feinde seines Volkes besiegen wird. In Vers 4 heißt es, dass Jahwes Füße selbst auf dem Ölberg stehen würden. Wir könnten uns fragen, ob das wörtlich oder methaphorisch gemeint ist. Hat Jahwe selbst einen Körper und Füße? Wenn wir den restlichen Kontext von Sacharja betrachten, also Kapitel 2 und 12, wo von einem gesandten Jahwe mit menschlicher Form die Rede ist, spricht nichts dagegen buchstäblich zu verstehen. Genauso macht es auch das NT. In lesen wir:
„10 Und als sie gespannt zum Himmel schauten, wie er auffuhr, siehe, da standen zwei Männer in weißen Kleidern bei ihnen, 11 die auch sprachen: Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel. 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, welcher Ölberg heißt, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbatweg entfernt.“
Dieser Text sagt uns, dass Jesus auf dem Ölberg in den Himmel aufgefahren ist (V.12). Zwei Engel (V.10) erklären, dass Jesus genauso wie er aufgefahren ist, auch wiederkommen wird (V.11). Dann wird Jesus wiederkommen und seine Füße werden auf dem Ölberg stehen.6 Dann wird sich buchstäblich erfüllen.
Auch Paulus versteht es so, denn er zitiert diese Stelle (V.5) und identifiziert den Jahwe, der kommt mit Jesus. Er schreibt nämlich über die Wiederkunft Christi, dass er kommt „mit allen seinen Heiligen“ ().
„καὶ ἥξει Κύριος ὁ θεός μου, καὶ πάντες οἱ ἅγιοι μετʼ αὐτοῦ.“ (, LXX)
„ἐν τῇ παρουσίᾳ τοῦ κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ μετὰ πάντων τῶν ἁγίων αὐτοῦ“ ()
„Und es wird kommen der Herr, mein Gott, und alle Heiligen mit ihm“ (, LXX)
„bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus mit all seinen Heiligen“ ()
Paulus lehnt sich offensichtlich an das AT an und ersetzt mein Gott, mit Jesus. Er erklärt konkret, wer der Jahwe ist, der da kommt. Es ist Jesus.
Das Buch Sacharja gibt starke Belege für die Gottheit Jesu und die christliche Lehre von der Dreieinigkeit. Auch wenn diese im NT konkret offenbart wird, finden wir bereits alle wichtigen Grundlagen im AT.
Fußnoten:
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Über den Autor
Autor
Tim Wahl studiert an der Freien Theologischen Hochschule (FTH) in Gießen Theologie. In verschiedenen Gemeinden übernimmt er Predigtdienste und darf in seiner Heimatgemeinde in der Jugend leiten. Sein Herz schlägt für Apologetik, Evangelisation und Jüngerschaft. So durfte er Vorträge und YouTube-Videos zu verschiedenen apologetischen Themen veröffentlichen. Zusätzlich leitet er Evangelistencamps, bei denen er Jugendliche und junge Erwachsene im Bereich Evangelisation trainiert. Er wünscht sich, dass die junge Generation für Jesus aufsteht und das Evangelium in die Welt hinausträgt.
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