Altes Testament
Dieser Artikel ist der Abschluß einer siebenteiligen Artikelreihe über die Messianität Jesu. Die anderen Artikel sind:
I. „Bist du der da kommen soll?“
IV. „Auf der Suche nach einem gerechten Gott!“
V. Ich bin!
VI. Gehört ein Messias ans Kreuz?
Dieser Artikel wäre nicht vollständig, wenn die Beziehung von Vorhersage und Erfüllung nicht genauer betrachtet würde. Den Zusammenhang von Vorhersage und Erfüllung haben wir zwar an verschiedenen Stellen angewendet und manche Bibelstellen genauer betrachtet, es fehlt jedoch noch eine umfassende Klammer für Vorhersage und Erfüllung.
Immer wieder wird diese Beziehung ausschließlich auf „tatsächliche Erfüllungen aufgrund von Prophezeiungen“ reduziert. Wer kennt sie nicht, die Listen der erfüllten Prophezeiungen auf Jesus, die ganz konkreter Erfüllungen dokumentieren. Der Bibellesebund listet so etwa 50 Prophezeiungen auf[1], die Webseite bibelindex.de etwas mehr als 100.[2] Diese buchstäbliche Beziehung zwischen Vorhersage und Erfüllung ist nicht zu unterschätzen und hat sehr wohl ihre wertvolle Bedeutung. Wir hätten aber kein vollständiges Bild vom erwarteten Messias, wenn wir die Christologie des Alten Testaments auf diese buchstäblichen Beziehungen reduzieren würden. [3] Jeder spürt das, wenn er z. B. die vielen Analogien des Passahlammes zum Dienst und Leben Jesu vergleicht. Es gibt hier nur wenige konkret hergestellte Bezüge, aber selbst diese bleiben häufig rätselhaft (vgl. ). Dazu kommt eine Skepsis gegenüber den zugegebenermaßen vorhandenen Auswüchsen typologischer Verwendungen vergangener Zeiten.
Ein geeignetes Beispiel dürfte das in der Bibel sich durchziehende Motiv des Exodus sein.[4] Der Exodus zeigt dem Volk wie Gott handelt und das es ihm um eine wahre Befreiung geht. Gott bleibt seinem Bundesvolk treu. Gott bringt Abraham aus Ägypten raus, als dieser in Not und mit Lügen bewaffnet nach Ägypten zog (). Damit erhielt Israel einen Vorgeschmack für den Exodus, den es einst erleben würde (). Der Exodus wurde so zum gewaltigsten Ereignis der jüdischen Geschichte und wurde gerade in den Psalmen mit kosmologischen Phänomenen gleichgesetzt und beschrieben (; 78; 114;135;136). Doch Jeremia sah anhand der drohenden Wegführung nach Babylon einen besseren Exodus auf Gottes Volk zukommen (; 23,7-8).
Gottes Volk sollte so klar gemacht werden, dass Gottes Werke immer von Gott kommen, seine Handschrift haben, und so entsprechend immer in einem Zusammenhang stehen. Gott führte Abraham aus Ägypten, Israel aus Ägypten, Israel aus Babylon und irgendwann wird er Israel auch aus der Sünde führen. In allen Fällen ist es die Handschrift des gleichen Gottes. Hat man das im Blick erscheint die Anspielung, die Matthäus auf macht (), um das Exil Jesu in Ägypten zu betrachten, nicht mehr als ein zusammenhangloses Zitat – als welches es häufig gedeutet wird, sondern eingebettet in die Erwartung, dass Gottes Volk noch ein besserer Exodus in ein besseres (nämlich himmlisches) Kanaan erwartet.
In diesem Sinne sind es die Heilstaten des Dreieinigen Gottes, die die umfassende Klammer jeder messianischen Erwartung, ob in konkreter Prophetie, in symbolischer Sprache, in Typologie oder schlichtweg in den Erfahrungen und der Geschichte Israels abbilden.
Wir konnten zeigen, wie zentral die Frage nach der Messanität Jesu ist. Wir beleuchteten wie die Messiaserwartung das Thema des Alten Testamens überhaupt ist. Wer ist der Messias ist eine Frage, die bis heute im Judentum präsent ist und im jüdisch-christlichen Dialog immer wieder diskutiert wird. Aus christlicher Perspektive ist diese Lehre die zentrale Kontinuität zwischen Altem und Neuen Bund.
Das ausgerechnet ein gekreuzigter Gerechter der Messias ist, löst eine der herausforderndsten Fragen der Bibel überhaupt, die bis heute gleichermaßen brisant ist: Wie kann Gott gleichzeitig Gnädig und Gerecht sein? –
Wir beleuchteten auch die apologetische Kraft die hinter Jesu Messias-Anspruch steckt: Entweder ist Jesus aus Nazareth der verheißene Erlöser der Welt oder ein Spinner!
Das ganze Alte Testament sehnte sich voller Erwartung nach dem Messias. Doch ähnlich wie Johannes leben wir in der Spannung des „Bereits jetzt aber noch nicht“: Ja Jesus ist bereits jetzt König, und doch sehen wir das sich seine Königsherrschaft noch nicht endgültig aufgerichtet hat um uns herum, und ebensowenig in den Herzen seiner Nachfolger. Auch die Gemeinde ist noch nicht vollendet und wartet noch darauf, bis der letzte Feind des Menschen, der Tod, endgültig überwunden werden wird. Ja, Jesus ist bereits jetzt wirksam Prophet, denn er tritt beim Vater bereits jetzt völlig wirksam und gültig für unsere Sünden ein. Er ist bereits jetzt ein besserer Priester, als es je einen gab, aber „erst im Stand der Herrlichkeit vollkommen und unveränderlich frei gemacht, nur Gutes zu tun“ (Westminster 9,5). Bereits jetzt ist Jesus ein besserer Prophet als Mose, der nicht nur die Wahrheit verkündigte, sondern auch die Wahrheit ist, und dennoch werden wir erst bei ihm nicht mehr nur unklar, sondern in aller Deutlichkeit die Wahrheit erkennen und verstehen. Das Schicksal der Christen ist unveränderlich mit ihrem Christus verknüpft.
Als Jesus die Jünger zum Täufer zurückschickt, verweist er zunächst auf seine Werke. Aber er fügt auch diesen Satz an: „Selig ist, wer sich nicht an mir ärgert!“ (). Ist Jesus genug für mich? Ist Jesus mein Messias? Vielleicht war Johannes nur etwas ehrlicher, als er mit seinen Zweifeln zu Jesus ging. Vielleicht benötigen wir diese gleiche Ehrlichkeit, um aufs Neue zu entdecken, welch einen wunderbaren Mittler wir in Christus haben. Wir als Christen müssen und dürfen uns aufs Neue das besondere dessen erkennen, dass es unser Herr ist, der der Messias, der Heiland der Welt ist, dies bedeutet eine Alternativlosigkeit, dass es keinen anderen Messias gibt, wenn du dich an Jesus ärgerst, wer bleibt dir dann? Es kommt kein besserer Mittler zwischen Gott und den Menschen. Die ersten Christen sangen ergriffen von ihrem Christus:
„Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. Aber er entäußerte sich und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beugt, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekennt, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ ().
[1] Vgl. https://www.bibellesebund.ch/files/content/Medienbereich/BLB_Arbeitsmaterial_Erfuellte_Prophetien_auf_Jesus.pdf [letzter Zugriff 15.08.2024].
[2] Vgl. https://www.bibelindex.de/de/lists/prophecies [letzter Zugriff 15.08.2024].
[3] Greg K. Beale. The Right Doctrine from the Wrong Texts, 376.
[4] Den Hinweis für dieses Beispiel habe ich aus G. K. Beale. The Right Doctrine from the Wrong Texts, 343ff.
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Über den Autor
Autor
Sergej Pauli, Jahrgang 1989, verheiratet mit Elvira, 6 Kinder, tätig als Ingenieur und seit 2006 aktiv in seiner baptistischen Gemeinde. Liebt Bücher, gutes Essen, seine Gitarre und Gespräche über den Glauben an Jesus Christus, worüber er regelmäßig auf glaubend.de und nimm-lies.de schreibt
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